Starmer tritt ab, DAX kratzt an 25'000, Hitze peitscht Deutschland
Rücktritt in London, G7-Gipfel in Évian, Hitze-Rekord in Hessen und ein Billionen-Rennen zwischen Anthropic und OpenAI – die Abend-Ausgabe zum 22. Juni 2026.
Starmer tritt ab, DAX kratzt an 25'000, Hitze peitscht Deutschland
Der Montagabend in Kürze. In London kündigt Premierminister Keir Starmer überraschend seinen Rücktritt an. In Évian geht der G7-Gipfel mit einer kraftvollen Geste Richtung Kiew zu Ende. Der DAX ringt um die 25'000-Punkte-Marke. Ein «Heatdome» drückt Deutschland in die Knie. Die deutsche Rentenkommission legt ihren Abschlussbericht vor. Und in den USA bahnt sich ein neuer Börsengang im Billionen-Dollar-Rennen zwischen OpenAI und Anthropic an. Die wichtigsten Signale des Tages im Überblick. Das Wetter im DACH-Raum bleibt extrem, die Stimmung an den Märkten ist verhalten optimistisch. Wer sich heute Abend fragt, was die Schlagzeilen des Tages sind, findet hier die Antworten.
Keir Starmer kündigt Rücktritt an
Der britische Premierminister Keir Starmer hat am Montagvormittag in einer Pressekonferenz in der Downing Street seinen Rücktritt angekündigt. Er werde sein Amt spätestens in drei Monaten an einen Nachfolger übergeben, sagte der 63-jährige Labour-Politiker. Als erster Kandidat meldete sich Andy Burnham, Bürgermeister von Manchester und Schwergewicht des linken Labour-Flügels. Burnham kündigte noch am selben Tag seine Kandidatur an. Nigel Farage, Chef der rechtspopulistischen Reform UK, forderte unmittelbar nach der Erklärung Neuwahlen. Der Wechsel hat auch aussenpolitische Folgen: Die EU verschiebt den ursprünglich für Ende Juni geplanten Brüsseler Gipfel auf Juli, um den Übergang in London abzuwarten. Für die Schweiz ist das Thema indirekt relevant. Mit einer Labour-Führung unter Burnham rückt ein britischer EU-Beitritt nach Jahren wieder in den Bereich des Denkbaren. Das Handelsblatt widmete der Frage am Montag eine Titelanalyse unter dem Stichwort «Comeback der Briten».
G7 in Évian: Trump, Merz und die Hoffnung für Kiew
Im französischen Évian ging am Montag der G7-Gipfel seinem Ende entgegen. Bundeskanzler Friedrich Merz startete den letzten Gipfeltag mit einem bilateralen Treffen mit dem kanadischen Premierminister Mark Carney. Im Zentrum der Gespräche standen die Lage in der Ukraine sowie ein möglicher Verhandlungsdurchbruch zwischen den USA und dem Iran. Merz sprach anschliessend von einem «Tag der Hoffnung» für Kiew und die Golfregion. Die sogenannte «E5»-Gruppe, also Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien und Kanada, stimmte sich nach Angaben der Frankfurter Rundschau eng mit Washington ab. US-Präsident Donald Trump hatte seine Teilnahme am Sonntagabend bestätigt. Der designierte iranische Aussenminister soll am Rande des Gipfels Gespräche mit dem amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff aufgenommen haben. Über Inhalt und Stand wurde offiziell Stillschweigen vereinbart. Die Stimmung unter den Gipfelteilnehmern wurde am Montag von mehreren Beobachtern als «vorsichtig optimistisch» beschrieben.
DAX kämpft um die 25'000
Der deutsche Leitindex DAX hat am Montag einen neuen Vorstoss über die Marke von 25'000 Punkten unternommen, konnte das Niveau aber nicht durchgehend halten. Im frühen Handel pendelte der Index um die runde Marke. XTB-Prognosen zufolge bestimmten vor allem Chip-Riesen, Rüstungswerte und Pharmatitel das Bild. Die Deutsche Börse passte zum Handelsstart am Montag die Indizes an. Der Baukonzern Hochtief aus Essen rückte für die Porsche SE in den DAX auf. Zalando behielt seinen Platz. Im MDAX stieg die Porsche AG ab. In Zürich drehte der SMI nach einem schwächeren Vormittag am Nachmittag ins Plus. Gefragt waren Lonza, Alcon und Givaudan, schwächer zeigten sich Amrize, Zehnder und Idorsia. Bei den Schwergewichten sprangen die Analystenhäuser Nestlé, Novartis und Sika neu an. Schweizer Anleger blicken zudem auf den nächsten Zinsentscheid der Schweizerischen Nationalbank, der im Juni ansteht.
Schweizer Nationalbank: Leitzins bleibt bei null Prozent
Die Schweizerische Nationalbank hält nach übereinstimmender Einschätzung mehrerer Ökonomen an ihrer Nullzinspolitik fest. Auch wenn die Europäische Zentralbank die Zinswende vollzogen hat, plant die SNB im Juni keinen Leitzinsschritt. Die NZZ begründete die Haltung am Wochenende mit der hartnäckig tiefen Inflation und der Stärke des Frankens. Eine Zinssenkung wäre nach Einschätzung der Bank nur dann nötig, wenn der Franken massiv unter Druck geriete. Der EUR/CHF notiert am Montag bei 0,9257, der USD/CHF bei 0,8081. Beide Werte deuten auf einen weiterhin festen Franken hin, was Schweizer Exportfirmen unter Druck setzt.
Iran und USA: Verhandlungen in Genf?
Die USA haben nach Angaben mehrerer Quellen die Seeblockade gegen den Iran aufgehoben. Damit rücken neue Atomgespräche näher. Eine US-Delegation unter Vizepräsident JD Vance reist am Dienstag in die Schweiz, um direkt mit iranischen Vertretern zu verhandeln. Russland erklärte laut übereinstimmenden Berichten, Israel sei «möglicherweise nicht erfreut» über die Annäherung der beiden Staaten. Eine erste Runde am vergangenen Wochenende war nach iranischer Darstellung ergebnislos verlaufen. Teheran hatte erklärt, vorerst keine weiteren Gespräche mit Washington führen zu wollen. Beobachter werten die Aufhebung der Seeblockade als taktisches Entgegenkommen Washingtons, um den Verhandlungstisch offen zu halten. Sollte es zu einem Abkommen kommen, wären die Auswirkungen auf den Ölpreis und die Energieimporte der Schweiz unmittelbar spürbar.
Ukraine: Angriffe am «Tag der Trauer»
Die ukrainische Luftwaffe und Raketenabwehr haben in der Nacht auf Montag nach eigenen Angaben 1190 russische Angreifer sowie zwei russische Luftabwehrsysteme neutralisiert. Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach anlässlich eines nationalen Gedenktags von erneuten russischen Angriffen auf ukrainische Städte. Die ukrainische Seite veröffentlichte zudem Bilder einer neuen Online-Plattform, die Daten zu erbeuteter russischer Kriegstechnik sammelt. Gleichzeitig traf die Ukraine nach übereinstimmenden Berichten ein Ölterminal tief im russischen Hinterland. Moskau reagierte mit Lieferstopps an die besetzte Halbinsel Krim. An der Front bleibt die Lage laut NDR-Einschätzung festgefahren. Der ukrainische Generalstab meldet russische Versuche, den Druck im Donbass zu erhöhen. Die Verhandlungsfront bleibt offen. G7-Chefdiplomat Carney will beim Treffen mit Merz den wirtschaftlichen Druck auf Peking erhöhen, da China die russische Rüstungsproduktion nach westlicher Lesart weiter stützt.
Heatdome bringt 40 Grad nach Deutschland
Ein stationäres Hitzetief, im angelsächsischen Sprachraum «Heatdome» genannt, hat am Montag weite Teile Deutschlands unter eine Hitzeglocke gelegt. In Hessen kletterten die Werte nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes auf bis zu 40 Grad. Am Flughafen Frankfurt versorgten Rettungskräfte hitzegeplagte Fluggäste. Meteorologen warnen, die Hitzewelle könne historisches Ausmass annehmen und bis weit in die kommende Woche andauern. In der Schweiz liegen die Höchstwerte bisher meist zwischen 32 und 36 Grad, im Tessin vereinzelt darüber. MeteoSchweiz erwartet für Dienstag und Mittwoch weiter steigende Temperaturen. Die Behörden raten, körperliche Anstrengungen in den Mittagsstunden zu vermeiden und ausreichend zu trinken. In mehreren deutschen Städten wurden öffentliche Brunnen zur Abkühlung geöffnet.
Rentenkommission legt 33 Vorschläge vor
Die deutsche Rentenkommission unter Leitung des Ökonomen Axel Börsch-Supan hat am Montag ihren Abschlussbericht vorgelegt. 33 Reformvorschläge umfasst das Papier. Im Kern geht es um eine stärkere Kapitaldeckung, eine Lockerung des Nachhaltigkeitsfaktors sowie ein neues Standardrentenniveau von 70 Prozent des Nettolohns. Sozialverbände kritisierten die Pläne. Vor allem die stärkere Kapitaldeckung stiess auf Widerspruch. Das Saarland prüft bereits jetzt eine Übernahme von Teilen des Konzepts. Für die Schweiz ist die Debatte relevant, da die deutsche Reformdiskussion regelmässig auf die hiesige Vorsorgedebatte ausstrahlt. Die Schweizerische Bundesbahnen und grosse Pensionskassen verfolgen die Entwicklung mit Blick auf vergleichbare Modelle.
Konservierungsstoffe unter Bluthochdruck-Verdacht
Eine breit angelegte Beobachtungsstudie aus den USA, über die heute mehrere deutsche Medien berichten, identifiziert acht häufige Konservierungsstoffe, die das Risiko für Bluthochdruck um rund 29 Prozent erhöhen sollen. Betroffen sind Stoffe, die in verarbeiteten Lebensmitteln, Fertiggerichten und Softdrinks verbreitet sind. Fachleute sprechen von einem «deutlichen Signal», betonen aber, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Eine kausale Wirkung ist damit nicht belegt. Für die Schweiz empfiehlt das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit weiterhin eine ausgewogene Ernährung mit möglichst wenigen stark verarbeiteten Produkten. Die grosse Verbraucherorganisation Stiftung für Konsumentenschutz fordert eine klarere Kennzeichnungspflicht.
KI-Giganten auf Börsenkurs
Im Rennen um den nächsten grossen Tech-Börsengang hat Anthropic nach Informationen von Capital.de den offiziellen Antrag auf Listing eingereicht, vor OpenAI. Beide Firmen werden inzwischen auf über eine Billion Dollar taxiert. OpenAI wiederum stattet nach einem Grossauftrag 270'000 Samsung-Mitarbeitende mit KI-Tools aus. Microsoft erwägt laut einem Bericht der Computerwoche, für bestimmte Aufgaben Modelle des chinesischen Anbieters DeepSeek einzusetzen, um die eigenen KI-Kosten zu senken. Getty Images schoss an der Wall Street um 200 Prozent nach oben, getrieben von KI-Lizenzdeals. In der Schweiz prüfen Banken wie UBS und die Zürcher Kantonalbank den Einsatz generativer KI im Research- und Analysebereich. Die SIX Swiss Exchange bereitet derzeit neue Regeln für die Notierung von KI-Firmen vor.
Sport: WM, Wimbledon und die Formel 1
Bei der Fussball-WM in den USA, Kanada und Mexiko sorgte am Wochenende Kap Verde für eine Sensation und schockte den zweifachen Weltmeister Uruguay mit einem 1:0. Das Ergebnis gilt als eine der grössten Überraschungen der WM-Geschichte. Für die deutsche Elf wird die Stimmung nach dem Ausfall von Abwehrchef Nico Schlotterbeck gedämpft. Eine genaue Diagnose steht noch aus, der Verteidiger fällt für den Rest des Turniers aus. Sportlich lief es für die DFB-Elf dennoch rund. Stürmer Deniz Undav stellte einen All-Time-WM-Rekord auf, wie sport.de berichtet. Der frühere Weltmeister von 1990 traut der deutschen Mannschaft den Titel zu. In Wimbledon steigen in dieser Woche neun deutsche Tennisprofis auf, angeführt von Alexander Zverev, der seinen ersten Grand-Slam-Titel anstrebt. Bei den Frauen feiert Serena Williams nach langer Pause ihr Einzel-Comeback im All England Club. In der Formel 1 steuert die Saison auf das erste Sommerhighlight zu. Der nächste Grand Prix steht am Wochenende in Spielberg an. McLaren führt die Konstrukteurswertung an, Red Bull liegt nach einem enttäuschenden Saisonstart nur auf Rang drei.
THW Kiel trennt sich von Filip Jicha
Der deutsche Handball-Rekordmeister THW Kiel hat sich am Montag überraschend von seinem langjährigen Cheftrainer Filip Jicha getrennt. Geschäftsführer Viktor Szilagyi sprach von einem «neuen Impuls», den die Mannschaft brauche. Jicha hatte mit Kiel mehrfach die deutsche Meisterschaft und die Champions League gewonnen. Die Trennung fällt in eine sportlich durchzogene Saison. Für die Schweizer Handball-Fans ist die Nachricht relevant, weil der THW in der Königsklasse regelmässig auf die Kadetten Schaffhausen und Pfadi Winterthur trifft. Die Schweizer Klubs werten die Trennung als Chance, im nächsten Europapokal-Spiel auf einen geschwächten Gegner zu treffen.
Linken-Chef Pantisano entschuldigt sich bei der CDU
Der neue Bundesvorsitzende der deutschen Linkspartei, Luigi Pantisano, hat sich am Montag bei der CDU für eine frühere Aussage entschuldigt. Er hatte der CDU «faschistische Politik» vorgeworfen. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wies die Entschuldigung zurück und sprach von «Niedertracht». Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther forderte den Rücktritt Pantisanos. Der Streit fällt in eine Phase, in der die Linkspartei mit internen Richtungskämpfen beschäftigt ist. Für die politische Mitte in Deutschland ist die Auseinandersetzung ein weiteres Zeichen der zunehmenden Polarisierung. Beobachter werten die Episode als Beispiel dafür, wie rau der Ton zwischen den Parteien derzeit ist.
Köln: Angriffsserie an Bahnhöfen
Ein 22-jähriger Syrer hat am Wochenende in Köln mehrere Reisende an S-Bahn-Haltestellen angegriffen. An einer Haltestelle versuchte er laut Spiegel und WDR, einen Mann ins Gleis zu ziehen. Die Bundespolizei nahm den Tatverdächtigen fest. Die Kölner Staatsanwaltschaft prüft einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes. Innenminister Herbert Reul kündigte eine lückenlose Aufklärung an. Die Vorfälle werfen Fragen zur Sicherheit an grossen Knotenbahnhöfen auf. In der Schweiz registrierte die SBB im ersten Halbjahr 2026 einen leichten Anstieg von Gewaltvorfällen an Bahnhöfen, vor allem in Zürich, Bern und Lausanne.
Die Märkte heute
Gold notiert bei 4'219 US-Dollar pro Unze und gibt damit um 2,58 Prozent nach. Der MSCI World steht bei 4'822 Punkten, ein Minus von 0,44 Prozent. Bitcoin steigt leicht um 1,28 Prozent auf 64'870 US-Dollar. Der Euro wechselt bei 0,9257 Schweizer Franken, der US-Dollar bei 0,8081 Franken. Der DAX pendelt um die 25'000-Punkte-Marke. Der SMI zeigt sich am Nachmittag freundlich.
Ausblick auf Dienstag
In London beginnt das Ringen um die Labour-Nachfolge. In Berlin dürften die ersten Reaktionen auf den Rentenbericht die Schlagzeilen bestimmen. Am Dienstag stehen zudem mehrere US-Konjunkturdaten auf der Agenda, darunter der Chicago-Fed-Index und der Case-Shiller-Hauspreisindex. An den Märkten richtet sich der Blick auf den ifo-Geschäftsklimaindex und neue Quartalszahlen aus dem DACH-Raum. In Évian klingt der G7-Gipfel mit einem Abschlusskommuniqué aus, das am Dienstagmittag erwartet wird. Sportlich steigt die deutsche Elf am Mittwochabend ins WM-Achtelfinale auf, sofern das Abschneiden der Gruppenphase passt. In Wimbledon beginnt am Dienstag die erste Runde der Herren und Damen. Und in Peking tagt das chinesische Politbüro, das am Mittwoch Signale zur Konjunkturstützung senden könnte. Für Schweizer Anleger bleibt der Franken die zentrale Kennzahl. Bei einem Unterschreiten der Marke von 0,90 gegenüber dem Euro dürfte die SNB ihre Rhetorik anpassen.
Quellen: tagesschau.de, ZEIT, Spiegel, Frankfurter Rundschau, Handelsblatt, dw.com, SRF, Nau, Finanz und Wirtschaft, NZZ, Computerwoche, Capital.de, sport.de, Eurosport, sportschau.de, sportsky.de, AD HOC NEWS, Ntv, WELT, Hessenschau, NDR, BILD.