Wenn ein Schweizer Nachrichtendienst Internet-Kabel anzapft und das als Massenüberwachung bezeichnet wird. Wenn ein israelisches Unternehmen 50'000 Telefonnummern auf eine Zielliste setzt. Wenn ein EU-Parlament 1'090 Tage über das Scannen verschlüsselter Chats streitet und am Ende ablehnt. Eine Bestandsaufnahme der unsichtbaren Infrastruktur, die das digitale Leben längst durchdrungen hat.
Im Kanton Zug, zwischen Vierwaldstättersee und Zürichsee, sass bis 2018 ein Unternehmen, das die Welt 70 Jahre lang belogen hat. Crypto AG hiess die Firma, gegründet vom Schweden Boris Hagelin, verkauft an den US-Auslandsgeheimdienst CIA und den deutschen Bundesnachrichtendienst BND im Jahr 1970 für 5,75 Millionen Dollar. Was die Kunden kauften, waren Verschlüsselungsmaschinen, was sie bekamen, waren Hintertüren. Über 120 Regierungen vertrauten den Geräten. Indien, Pakistan, Iran, der Vatikan. Selbst der Libyan-Bombenangriff von 1986 geht auf abgehörte diplomatische Telegramme aus Crypto-Maschinen zurück. Die Schweizer Parlamentsuntersuchung im Februar 2020 kam zum Schluss, die Schweizer Behörden hätten von der Operation gewusst und profitiert.