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Hitze, Iran-Deal und ein Fussballabend in Zürich

Mittags-Update mit Iran-Einigung, Galeria-Krise, Trump-Air-Force-One, Hitze-Rekord und Tour de Suisse Zeitfahren

Von der MacherPost-Redaktion 20.06.2026, 10:00 ♪ 14 Min Audio · 1'827 Wörter
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Hitze, Iran-Deal und ein Fussballabend in Zürich

Die Schweiz steckt mitten in einer Hitzewelle mit Werten über 33 Grad, und parallel dazu kommen aus Washington, Teheran und Brüssel Signale, die das Tagesgeschehen bestimmen. Die Mittags-Ausgabe bündelt die zwölf wichtigsten Entwicklungen des Vormittags.

Benzin und Heizöl sinken nach Iran-Einigung

Der Rahmenvertrag zwischen den USA und dem Iran wirkt direkt auf die Schweizer Tankstellen und Heizöllieferanten. Seit der vorläufigen Waffenruhe zwischen Israel und der Hizbullah sowie der diplomatischen Annäherung zwischen Washington und Teheran sind die Grosshandelspreise für Rohöl auf den internationalen Märkten deutlich gefallen. In der Schweiz zeigen sich die Auswirkungen ab dem Mittag: Benzin verbilligt sich an mehreren Tankstellen um rund 6 Rappen pro Liter, Heizöl wird im Grosshandel teilweise um 3 bis 4 Prozent günstiger angeboten. Der Branchenverband Erdöl-Vereinigung rechnet damit, dass die Preissenkungen in den nächsten Tagen breit durchschlagen, weil gleichzeitig die Vorräte aus dem schwachen Winterverkauf aufgestockt werden müssen. Hintergrund: der Iran-Deal hat die Sorge vor einer Ausweitung des Nahost-Konflikts und damit vor einer Ölknappheit vorerst abgewendet. Für die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das bei einem typischen Jahresverbrauch von rund 1'200 Litern Heizöl pro Haushalt eine Entlastung von mehreren hundert Franken.

Galeria kämpft erneut ums Überleben

Der deutsche Warenhauskonzern Galeria steht nach Angaben aus dem Unternehmen vor einem möglichen Aus für mehrere Standorte. Die Geschäftsführung um den seit Februar amtierenden CEO Sebastian Fontanari verhandelt mit Vermietern und Gläubigern über einen neuen Sanierungsplan, nachdem der bisherige Eigentümer die weitere Finanzierung nicht zusichern konnte. Galeria betreibt noch rund 70 Filialen in Deutschland mit insgesamt etwa 12'000 Mitarbeitenden, allein im ersten Quartal 2026 lag der Verlust nach Konzernangaben bei 86 Millionen Euro. Eine Schliessungswelle hätte unmittelbare Folgen für Schweizer Textil- und Konsumgüterzulieferer, die Galeria als Abnehmer nutzen, etwa bei Modeaccessoires und Haushaltswaren. Auch Schweizer Logistikunternehmen sind betroffen, weil Galeria eines der wichtigsten Volumenkunden für grenznahe Lagerflächen ist. Beobachter rechnen mit einer Grundsatzentscheidung in den nächsten zwei Wochen, das zuständige Amtsgericht Essen hat bereits einen Insolvenzantrag als Alternative im Verfahren.

Trump präsentiert den neuen Air Force One

US-Präsident Donald Trump hat am Freitagabend (Ortszeit) die von Katar geschenkte Boeing 747 als künftige Präsidentenmaschine vorgestellt. Das Flugzeug gilt laut Trump als das luxuriöseste der Welt. Die Maschine mit dem Taufnamen «Abel Egg» wird in den nächsten Monaten umgebaut und soll die alternde Air Force One-Flotte ergänzen. Die Übergabe durch Katar sorgt in Washington für Kritik, auch aus den Reihen der Republikaner, die verfassungsrechtliche Bedenken wegen der Annahme ausländischer Grossgeschenke durch den Präsidenten anmelden. Der zuständige Kongressausschuss hat eine Anhörung für Anfang Juli angekündigt. Für die zivile Luftfahrtbranche ist der Vorgang auch ein Signal: der Markt für grosse Langstreckenjets bleibt eng, Boeing liefert die bestellten 747-8 seit Jahren mit Verzögerung. Für die Schweizer Luftfahrt ist das Thema indirekt relevant, weil die SR Technik am Standort Zürich regelmässig an Wartungsaufträgen für Regierungsflugzeuge beteiligt ist.

Iran-Deal spaltet die Republikaner

In Washington formiert sich Widerstand gegen das Rahmenabkommen mit dem Iran. Die traditionellen Falken der Republikaner werfen Trump vor, dem Regime in Teheran mit möglichen 300 Milliarden Dollar an gelockerten Sanktionen zu viel Entgegenkommen zu zeigen. Gleichzeitig ist den meisten Abgeordneten das Ende der Kriegsgefahr im Wahljahr wichtiger, weshalb sich eine offene Rebellion bisher in Grenzen hält. Der Sondergesandte Steve Witkoff soll noch am Wochenende in die Schweiz reisen, um mit iranischen Vertretern am Bürgenstock die letzten Details zu klären. Das für Freitag vorgesehene Treffen war wegen der Libanon-Lage verschoben worden. Die Verhandlungen laufen unter Vermittlung der Schweiz und Omans. Für die Schweizer Diplomatie ist der Bürgenstock-Termin ein weiterer Aussenpolitik-Höhepunkt in einem ohnehin aktiven Jahr mit dem geplanten Ukraine-Gipfel Anfang Juli.

Israel und Hizbullah: Waffenstillstand hält brüchig

Trotz der ausgehandelten Waffenruhe zwischen Israel und der Hizbullah-Miliz hat es in der Nacht im Libanon israelische Luftangriffe gegeben. Nach libanesischen Angaben kamen dabei vier Menschen ums Leben, mehrere Gebäude in Vororten von Beirut wurden beschädigt. Die israelische Armee sprach von Vergeltungsschlägen auf Stellungen, die gegen die Vereinbarung verstossen hätten. Uno-Beobachter prüfen die Vorfälle vor Ort. Für die Region ist der Status entscheidend: bricht die Waffenruhe dauerhaft, wären auch die Iran-Gespräche am Bürgenstock gefährdet. Auf den Schweizer Finanzmärkten reagierten die Kurse kaum, die Anleger warten auf die Ergebnisse der Gespräche am Sonntag.

Ukraine greift Moskau mit Drohnen an

Die Ukraine hat in der Nacht die russische Hauptstadt mit einer Drohnenwelle angegriffen. Nach Angaben der Moskauer Stadtverwaltung wurden mehrere Verwaltungsgebäude und ein Öldepot getroffen, es gab nach offiziellen Angaben sieben Verletzte. Die Attacke gehört zu den grössten seit Kriegsbeginn und signalisiert eine neue Reichweite der ukrainischen Luftwaffe. Russland reagierte mit Vergeltungsangriffen auf Kiew, dabei geriet die Maria-Himmelfahrts-Kathedrale im Höhlenkloster aus dem elften Jahrhundert in Brand. Das Kloster gehört zum Weltkulturerbe der Uno. Der Bundesrat prüft derweil eine Verlängerung und Einschränkung des Schutzstatus S für ukrainische Wehrpflichtige, die Konsultation der Vorschläge läuft bis Ende Sommer. Im Raum steht, dass wehrfähige Männer zwischen 18 und 60 Jahren künftig nur noch befristeten Schutz erhalten.

Schweizer Wirtschaft hofft auf Trump-Zollabkommen

Wirtschaftsrechtler fordern von der Schweiz mehr Standhaftigkeit in den Verhandlungen mit Washington über die Zollregelung. Die USA drohen mit neuen Zöllen von bis zu 31 Prozent auf Schweizer Industrieexporte, falls das geplante Abkommen nicht zustande kommt. Im Zentrum steht die Frage, wie weit die Schweiz bei Investitionszusagen, Pharmarechten und dem Schutz geistigen Eigentums gehen soll. Die Schweizer Maschinen-, Uhren- und Pharmaindustrie ist direkt betroffen, Exporte in die USA machen rund 18 Prozent der Schweizer Gesamtausfuhr aus. Die nächsten Gespräche sind für Anfang Juli in Washington angesetzt, wie das Staatssekretariat für Wirtschaft bestätigte. Eine Delegation um Seco-Direktorin Helene Budliger Artieda reist am 28. Juni in die US-Hauptstadt.

KI-Verbot in den USA, Chance für Europa

Die Trump-Regierung hat das neueste Modell des US-Anbieters Anthropic für den Einsatz in Bundesbehörden blockiert. Hintergrund ist eine Anordnung zur Cybersicherheit, die nicht öffentlich begründet wurde. Branchenbeobachter werten das als riskantes Signal an die globale KI-Wirtschaft. Da die grossen US-Modelle auf den Zugang zum Weltmarkt angewiesen sind, könnte die Blockade chinesischen Anbietern in die Hände spielen. Für Europa und auch die Schweiz eröffnet das Fenster: Rechenzentren, Stromnetze und KI-Anwendungen in Europa könnten an Attraktivität gewinnen, wenn Anbieter Standorte ausserhalb der USA suchen. Die Schweizer Konferenz «AI House» Anfang Juli in Genf dürfte vor diesem Hintergrund deutlich mehr internationale Aufmerksamkeit erhalten als geplant. Auch der ETH-Bereich bereitet ein neues Rechenzentrum in Lugano vor, das im Herbst in Betrieb gehen soll.

Tour de Suisse: Zeitfahren als Vorentscheidung

Vor dem Einzelzeitfahren der Tour de Suisse in Aarburg am Nachmittag liegt der Ecuadorianer Jhonatan Narváez nach seinem Ausreissersieg auf der dritten Etappe in Führung. Der 27-Jährige aus den Bergen der Provinz Carchi gehört zu den stärksten Zeitfahrern im Feld und gilt nach seiner Soloflucht über 38 Kilometer als Mitfavorit auf den Tagessieg. Gesamtleader ist sein Teamkollege Mauro Schmid aus der Schweiz, der das Gelbe Trikot mit drei Sekunden Vorsprung auf den portugiesischen Mitfavoriten Joao Almeida verteidigt. Bei den Frauen startet am Vormittag die Schweizerin Annika Liehner ins Zeitfahren, Weltmeisterin Marlen Reusser geht als klare Favoritin ins Rennen. Die Etappen werden live auf SRF zwei übertragen, die Männer starten um 14:50 Uhr, die Frauen bereits um 10:30 Uhr.

Schweizer Radnachwuchs Nexetis vor dem Aus

Das Schweizer Nachwuchs-Rennteam Nexetis, gegründet von Swiss Cycling, sucht dringend einen neuen Geldgeber. Ohne zusätzliche Mittel muss das Team den Betrieb in den nächsten Wochen einstellen. Damit verliert die Schweiz eine wichtige Plattform für junge Fahrerinnen und Fahrer im Übergang vom Junioren- in den Profibereich, aktuell gehören 14 Athletinnen und Athleten zum Kader. Swiss Cycling bestätigt Gespräche mit mehreren Sponsoren, sieht aber keinen kurzfristigen Durchbruch. Teamchef Michael Bär sprach von einer «existenziellen Situation». Ohne Nexetis müssten viele Talente in ausländische Nachwuchsteams wechseln, was die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Schweizer Radsports schwächen würde.

Fussball-WM: USA im Achtelfinal, Türkei raus

Die USA haben mit einem 2:0 gegen Australien vorzeitig das Achtelfinal erreicht. Ein Eigentor des australischen Verteidigers in der 22. Minute und ein Kontertor von Christian Pulisic in der Nachspielzeit erleichterten den Amerikanern den Sieg. In der Gruppe C schlug Brasilien Haiti mit 3:0 und wahrte damit die Chance auf den Gruppensieg. Marokko besiegte Schottland nach einem frühen Tor von Saibari mit 1:0 und steht mit einem Bein in der K.o.-Phase. Die Türkei schied dagegen nach einer 0:1-Niederlage gegen Paraguay trotz 45-minütiger Überzahl aus, am Ende stehen zwei Spiele, 62 Torschüsse und kein einziges Tor für das Team von Trainer Vincenzo Montella. Die nächste Runde startet am Sonntagabend mit den ersten Achtelfinalpartien.

Hitze bremst das Land, Waldbrandgefahr steigt

Die Schweiz erlebt den heissesten Tag des bisherigen Sommers. In Basel werden am frühen Nachmittag 35,3 Grad gemessen, in Zürich 33,4 Grad, in Genf 34 Grad und in Lugano 32 Grad. Mehrere Kantone haben die Waldbrandgefahr auf die zweithöchste Stufe gesetzt, im Aargau und in Zürich gilt ein Grillverbot in Wäldern und am Waldrand. Bauunternehmer im Aargau fordern klare Regeln für Arbeitseinsätze bei Temperaturen über 35 Grad, die Suva empfiehlt zusätzliche Pausen und Schattenarbeitsplätze. Der nationale Hitzeschutzplan tritt in Kraft, einige Spitäler melden eine Zunahme an Hitzekollaps-Fällen bei älteren Patientinnen und Patienten. Am Samstagabend zog ein schweres Gewitter über den Grossraum Zürich, eine 16-Jährige schwebt nach einem Blitzschlag in kritischem Zustand, 37 Notrufe gingen innert einer Stunde ein. In Teilen des Aargaus wurde ein Turnfest wegen des Gewitters unterbrochen.

Starker Franken drückt auf die Uhrenexporte

Der starke Franken wird für die Schweizer Uhrenindustrie zunehmend zum Problem. Die exportierten Zeitmesser verteuern sich auf den wichtigsten Märkten in den USA, in Hongkong und in China, weil der Franken seit Jahresbeginn rund 4 Prozent zugelegt hat. Die Swatch Group und Richemont haben bereits Margendruck signalisiert, der Verband der Schweizer Uhrenindustrie erwartet für das laufende Halbjahr einen Exportrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich. Im Mai 2026 lagen die Uhrenexporte nominal noch bei 2,3 Milliarden Franken. Branchenkenner rechnen damit, dass die Uhrenhersteller ihre Preise im Herbst moderat anheben werden, um die Währungsgewinne zu kompensieren.

Kuba öffnet seine Wirtschaft wie seit Jahrzehnten nicht

Die kubanische Regierung hat ein neues Wirtschaftspaket vorgestellt, das den Staatskapitalismus nach chinesischem Vorbild stärken soll. Ausländische Investitionen in mehrere Industriebereiche werden erlaubt, kleine Privatunternehmen erhalten mehr Handlungsspielraum. Präsident Migül Díaz-Canel sprach von einem historischen Schritt. Beobachter in Washington sind skeptisch, ob das Paket tatsächlich den Weg für eine Lockerung der US-Sanktionen ebnet. Für Schweizer Handelsbehäuser, die in der Karibik Zucker und Kakao einkaufen, bedeutet die Öffnung mögliche neue Bezugsquellen, allerdings bleibt das politische Risiko hoch.

Die Märkte heute

Die wichtigsten Werte: Gold notiert bei 4'172,90 Dollar pro Unze, ein Minus von 3,58 Prozent gegenüber dem Vortag. Der MSCI World steht bei 4'827,6 Punkten und gibt 0,72 Prozent ab. Bitcoin wechselt bei 63'365 Dollar den Besitzer, ein Plus von 1,35 Prozent innert 24 Stunden. Der Euro notiert bei 0,9248 Franken, der Dollar bei 0,8065 Franken. Die Schweizer Börse SMI tendiert am Mittag mit leichten Verlusten, Investoren warten auf die geldpolitischen Signale der nächsten Woche.

Am Abend erscheint das Schluss-Briefing mit den Reaktionen auf den Iran-Bürgenstock-Termin, den Siegern und Verlierern der Tour-de-Suisse-Etappe und einem Ausblick auf den heissesten Tag des Jahres am Sonntag.

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