Iran-Deal in Versailles, Schweizer Nati siegt 4:1
Heute Abend: Trump unterzeichnet das 14-Punkte-Memorandum mit Iran, die Schweiz verliert das Bürgenstock-Treffen an Frankreich, und SpaceX steht vor dem grössten Börsengang der Geschichte.
Iran-Deal in Versailles, Schweizer Nati siegt 4:1
Heute Abend: Trump unterzeichnet das 14-Punkte-Memorandum mit Iran, die Schweiz verliert das Bürgenstock-Treffen an Frankreich, und SpaceX steht vor dem grössten Börsengang der Geschichte.
Diplomatie: Trump unterzeichnet Iran-Abkommen in Versailles
US-Präsident Donald Trump hat am Rande des G7-Gipfels in Evian-les-Bains im Schloss Versailles ein 14-Punkte-Memorandum of Understanding mit dem Iran unterzeichnet. Das Abkommen sieht die «sofortige und permanente» Beendigung militärischer Operationen auf allen Fronten vor und hält fest, dass der Iran nie eine Atombombe erlangen wird. Verzichtet wird auf US-Beiträge zu einem 300-Milliarden-Dollar-Fonds für Wiederaufbau und Wirtschaftsentwicklung des Landes. Das Memorandum wurde in Anwesenheit des iranischen Präsidenten Masud Pezeshkian und des französischen Präsidenten Emmanül Macron unterzeichnet. Macron hatte in den vergangenen Wochen wiederholt als Vermittler zwischen Washington und Teheran agiert. Das Abkommen trägt damit die Handschrift einer direkten bilateralen Verhandlungslösung unter amerikanischer Führung; die europäische Diplomatie blieb dabei begleitend, nicht gestaltend.
Das Memorandum flankiert eine parallel angekündigte Waffenruhe zwischen Israel und der schiitischen Miliz Hezbollah im Libanon. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete seit Mitternacht mindestens 47 Tote durch israelische Angriffe, vier israelische Soldaten fielen, darunter ein Bataillonskommandeur. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu bestätigte die Vereinbarung. Ein hochrangiger US-Vertreter sprach von einem entscheidenden Schritt zur Deeskalation in der Region; offiziell heisst es, die Waffenruhe gelte ab Mitternacht und solle zunächst zehn Tage halten.
Für die Schweiz hat die Verschiebung des für Freitag geplanten Folgetreffens zwischen den USA und den Iran auf den Bürgenstock unmittelbare Folgen. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) von Bundesrat Ignazio Cassis hatte das Treffen seit Wochen organisiert; es sei «verschoben», nicht abgesagt, hiess es aus dem Departement. Die symbolische Geste fand nun in Versailles statt. Bern steht weiter als Fazilitator bereit. Die Verschiebung wirft ein Schlaglicht auf die Frage, welchen Stellenwert die Schweizer Vermittlungsdiplomatie in einer Phase hat, in der Grossmächte direkte bilaterale Abkommen untereinander aushandeln.
Ukraine: Drohnenangriff legt Moskauer Raffinerie lahm
In der Nacht auf Donnerstag hat die Ukraine die grösste Moskauer Erdölraffinerie in Kapotnja mit Drohnen angegriffen. Die Anlage deckte bisher rund 40 Prozent des Treibstoffbedarfs der Hauptstadt. Auf dem Gelände brachen mindestens fünf Brände aus, in mehreren Moskauer Stadtteilen fiel öliger «schwarzer Regen». Insgesamt seien in einer Angriffswelle fast 200 ukrainische Drohnen auf Ziele in Russland angesetzt worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von einer gezielten Aktion gegen die Infrastruktur, die den Krieg finanziere; der russische Präsident Wladimir Putin liess den Schutz der Hauptstadt zur Chefsache erklären. Der Angriff folgt einer Drohnen-Offensive der vergangenen Wochen, mit der die Ukraine systematisch russische Raffinerie- und Logistikkapazitäten schwächt. In den sozialen Medien kursierten Bilder von Staus an Moskauer Tankstellen; die regionalen Behörden riefen die Bürger auf, nicht in Panik zu tanken.
Notenbanken: Fed und SNB halten Stillhalten, EZB und Australien erhöhen
Die US-Notenbank Federal Reserve hat den Leitzins zum vierten Mal in Folge unverändert in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent belassen. Es war der erste Zinsentscheid unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh, der am 22. Mai 2026 vereidigt worden war. Die Hälfte der Mitglieder im Offenmarktausschuss rechnet in den neuen Wirtschaftsprognosen mittlerweile mit einer Zinserhöhung bis Ende Jahr. Warsh hat die Fed-Kommunikation grundlegend gekürzt. Der ehemalige Fed-Chef Jerome H. Powell bleibt als Mitglied im Board of Governors im Amt.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) folgte mit der vierten Nullzins-Pause in Folge. Präsident Martin Schlegel begründete den Entscheid mit einer Teuerung von zuletzt 0,6 Prozent im Mai, während die Inflation in der Eurozone bei 3,2 Prozent und in den USA bei 4,2 Prozent liegt. Die SNB sieht sich «erhöht bereit», am Devisenmarkt zu intervenieren, um eine Frankenaufwertung zu verhindern. Für Schweizer Sparer bedeutet das unverändert null Prozent auf dem Sparkonto, für Hypothekarnehmer weiterhin tiefe Zinsen. Gleichzeitig steigt der Druck auf exportorientierte Branchen wie Maschinenbau und Pharma, deren Produkte sich mit starkem Franken verteuern.
Anderswo ist die Zinswende im Gang: Die australische Notenbank hat im Mai um 25 Basispunkte auf 4,35 Prozent erhöht, die Europäische Zentralbank unter Präsidentin Christine Lagarde hat im Juni ihre erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren vorgenommen.
Wirtschaft: Apple kündigt iPhone-Preiserhöhungen an, SpaceX vor historischem IPO
Apple-CEO Tim Cook hat im «Wall Street Journal» gesagt, Preiserhöhungen seien wegen explodierender Speicherchip-Preise «unvermeidbar». Die Lage sei «untragbar» geworden. Der Schweizer Digitalexperte Jean-Claude Frick von Comparis schätzt, dass das neue iPhone 18 Pro und Pro Max in der Schweiz 150 bis 200 Franken teurer wird als das aktuelle Spitzenmodell. In den USA dürfte das iPhone 18 Pro mindestens 1399 Dollar kosten. Cook übergibt den Chefposten im September an John Ternus.
Parallel bereitet SpaceX den grössten Börsengang der Geschichte vor. Die angestrebte Bewertung liegt bei 1,75 Billionen Dollar, der Ausgabepreis bei 135 Dollar pro Aktie, das Emissionsvolumen bei rund 75 Milliarden Dollar. Elon Musk hält 42 Prozent der Firma und 82 Prozent der Stimmrechte; sein Anteil wäre zum IPO-Kurs rund 735 Milliarden Dollar wert, womit er der erste Billionär der Geschichte werden könnte. Zu den Früh-Investoren zählen Peter Thiel und Antonio Gracias. Der Konzern bündelt heute Weltraumraketen, das Satellitennetz Starlink und das KI-Unternehmen xAI unter einem Dach, was die Bewertung in den Augen von Investoren über klassische Luft- und Raumfahrt hinaushebt. Mit dem Börsengang dürfte SpaceX in einer Liga spielen, in der bisher nur Apple, Microsoft und Saudi Aramco standen.
Bundesrat: Schweizer Armee wird umgebaut
Der Bundesrat hat am Donnerstag den Umbau der Schweizer Armee vorgestellt. Künftig sollen Sabotageabwehr und Drohnenabwehr stärker gewichtet werden, die klassische Stabsarbeit tritt zurück. Der Entscheid zum Schutzstatus S, der temporäre Schutz für ausländische Staatsangehörige bei schwerer Gefährdung, soll bis Ende Sommer 2026 fallen. Parallel hat der Bundesrat den Armee-Einsatz für das inzwischen verschobene Bürgenstock-Treffen bewilligt; das Kontingent bleibt für künftige Sicherheitsaufgaben reserviert.
Technologie: US-Exportverbot für Anthropic-KI «Mythos»
Die US-Regierung hat ein Exportverbot für die leistungsstärksten Modelle von Anthropic verhängt. Das Unternehmen hat die betroffenen Modelle daraufhin weltweit abgeschaltet, auch in den USA selbst. Das Modell «Mythos» kann laut dem britischen KI-Sicherheitsinstitut einen vollständigen Cyberangriff auf ein Unternehmensnetz in 32 autonom ausgeführten Einzelschritten durchführen. Das Exportverbot trifft auch Europa und die Schweiz: betroffen sind Schweizer Forschungseinrichtungen, Start-ups und Behörden, die Claude-Modelle einsetzen.
Sport: Schweizer Nati schlägt Bosnien-Herzegowina 4:1, Wimbledon vor dem Start
Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat im SoFi-Stadion in Inglewood bei Los Angeles ihr zweites WM-Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina 4:1 gewonnen. Der 20-jährige Johan Manzambi von den BSC Young Boys prägte mit seiner Einwechslung die Wende nach dem enttäuschenden 1:1 zum Auftakt gegen Katar. Cheftrainer Murat Yakin sprach von einer «Reaktion auf den WM-Fehlstart», Captain Granit Xhaka führte die Mannschaft auf das Feld. Das Stadion, das vor fünf Jahren für 5,5 Milliarden Dollar errichtet worden war, war mit knapp 70'000 Zuschauern ausverkauft. Mit dem Sieg liegt die Schweiz in der Gruppe komfortabel; das letzte Gruppenspiel gegen den Mitfavoriten Brasilien entscheidet am kommenden Mittwoch über den Gruppensieg. Manzambi, geboren in Bern und mit kongolesischen Wurzeln, gilt als eines der grössten Schweizer Offensivtalente seit Xherdan Shaqiri.
Im Tennis rüstet sich die Branche für Wimbledon. Der britische Routinier Dan Evans hat keine Wildcard für das Hauptfeld erhalten und muss die Qualifikation spielen; die letzten Plätze gingen an Harry Wendelken und Felix Gill. Das Turnier beginnt am Montag, 29. Juni 2026. BBC Sport erweitert das Übertragungsteam unter anderem mit Jamie Murray, Eugenie Bouchard, Laura Robson und Andre Agassi. Schweizer Spieler um Belinda Bencic und Stan Wawrinka stehen im Hauptfeld.
Die Märkte heute
Der Weltaktienindex MSCI World steht bei 4828 Punkten und gibt um 0,7 Prozent nach. Gold kostet 4163 Dollar pro Unze, ein Tagesverlust von 3,8 Prozent, was die Korrektur nach dem Rekordhoch der Vorwoche fortsetzt. Bitcoin wechselt bei 63'164 Dollar den Besitzer, ein Minus von 1,0 Prozent auf Tagessicht. Der Euro notiert bei 0,9248 Franken, der US-Dollar bei 0,8065 Franken.
Ausblick
Am morgigen Freitag wird SpaceX an die Börse gehen; der Handel startet voraussichtlich um 15 Uhr New Yorker Zeit. In Lausanne beginnt das IOC-Exekutivkomitee seine zweitägige Sitzung; Schwerpunkt ist die Vergabe der Winterspiele 2030 und 2034. In Wimbledon werden die Qualifikationsspiele fortgesetzt. Und in Bern will der Bundesrat bis Ende Sommer über den Schutzstatus S entscheiden, was direkt auf die Asylpolitik der nächsten Monate wirkt.
Das war die Abend-Ausgabe von MacherPost. Die MacherPost-Redaktion verabschiedet sich, bis morgen früh um sechs Uhr.