SNB bleibt bei null, Burgenstock-Gespräche verschoben
Schweizerische Nationalbank hält den Leitzins unverändert, die für Donnerstag geplanten US-iranischen Verhandlungen am Vierwaldstättersee fallen aus, die Schweizer Nati steht nach dem zweiten Sieg an der WM in der Gruppe vorne.
SNB bleibt bei null, Burgenstock-Gespräche verschoben
Die Schweizerische Nationalbank hält den Leitzins unverändert. Die für heute Donnerstag geplanten US-iranischen Verhandlungen am Vierwaldstättersee fallen aus. Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft steht nach dem zweiten Sieg an der WM in der Gruppe vorne.
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) belässt den Leitzins bei 0,00 Prozent und hält die Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen erhöht. Präsident Martin Schlegel begründete den Entscheid am Donnerstag in Zürich mit einer Teuerung von 0,6 Prozent im Mai und einer Prognose von ebenfalls 0,6 Prozent für 2026, das BIP-Wachstum sieht die SNB bei 1 Prozent im laufenden Jahr und 1,5 Prozent für 2027. Schlegel sprach zudem von einer «guten und intensiven» Beziehung zur US-Notenbank. Die Zinsentscheidung war von Ökonomen weitgehend erwartet worden; sie hält den Franken für Unternehmen und Hypothekarschuldner weiterhin günstig. Marktreaktion: Der Euro fiel zeitweise unter 0,92 Franken, Bitcoin geriet unter Druck.
Die für Donnerstag am Bürgenstock geplanten US-iranischen «technischen Gespräche» zur Umsetzung des am Mittwoch unterzeichneten Memorandums of Understanding sind verschoben worden. US-Vizepräsident JD Vance sagte seine Reise in die Schweiz kurzfristig ab, das Weisse Haus erklärte, die Logistik sei «nicht einfach oder vorhersehbar» gewesen. Im Gegenzug hob Washington die Seeblockade gegen Iran auf. Das Treffen soll nach Angaben beider Seiten in den kommenden Tagen nachgeholt werden, ein genauer Ort und Termin wurden nicht genannt. Für die Zentralschweiz bedeutet die Verschiebung vorerst keine weitere Belastung der ohnehin engen Sicherheitslage rund um den Bürgenstock. Das Memorandum von Mittwoch sieht die Einrichtung eines ständigen technischen Arbeitsstabs vor, der die Schritte zur Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen vorbereiten soll.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat am Treffen der Nato-Verteidigungsminister in Brüssel eine umfassende Überprüfung der US-Präsenz in Europa angekündigt. Das Ziel sei eine Allianz «3.0» mit höherer Lastenteilung, sagte Hegseth am Mittwoch. Nato-Generalsekretär Mark Rutte verwies zugleich auf einen Anstieg der europäischen Verteidigungsausgaben um 90 Milliarden Euro, rund 20 Prozent, im letzten Jahr. Die Allianz steuere auf das selbstgesetzte Ziel von 5 Prozent des BIP zu, davon 3,5 Prozent Kernverteidigung. Beobachter werten die Parallelität von US-Rückzugssignalen und steigenden europäischen Ausgaben als bislang tiefgreifendste Verschiebung der Lastenteilung in der Geschichte der Allianz.
Apple-Chef Tim Cook hat Preiserhöhungen für die Produkte des Konzerns angekündigt und die Lage bei Speicherchips als «nicht mehr tragbar» bezeichnet. Der RAM-Preis hat sich seit Oktober 2025 mehr als verdoppelt, hinzu kommen Lieferstörungen bei Helium durch den Irankrieg, das für die Halbleiterproduktion benötigt wird. Das Marktforschungsunternehmen Omdia erwartet 2026 einen Anstieg der durchschnittlichen Smartphone-Verkaufspreise um rund 20 Prozent auf ein Allzeithoch, Analyst Chiew Le Xuan rechnet mit bis zu 150 Dollar mehr pro iPhone. Cook wird im September nach 15 Jahren an der Spitze von John Ternus abgelöst. Parallel kündigte US-Präsident Donald Trump an, Apple werde mit Intel bei der Chipfertigung in den USA kooperieren; Intels Aktie legte bei Börseneröffnung um mehr als 10 Prozent zu. Apples Geräteverkäufe stiegen im ersten Quartal 2026 um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getragen von starker Nachfrage in China. Für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten dürften die Apple-Preiserhöhungen direkt spürbar werden, da der Konzern in der Schweiz eine hohe Preisdurchsetzungskraft hat.
Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat ihr zweites Gruppenspiel an der WM 2026 in Los Angeles deutlich gewonnen und Bosnien-Herzegowina mit 4:1 geschlagen. Der 20-jährige Johan Manzambi erzielte zwei Tore, die Auswahl von Trainer Murat Yakin führt die Gruppe nach zwei Siegen klar an. Im nächsten Gruppenspiel trifft die Schweiz auf Wales, ein Punkt reicht für den vorzeitigen Achtelfinal-Einzug. Sportlich ist das die stärkste Schweizer WM-Vorrunde seit 2018, als die Equipe in Russland das Achtelfinale erreichte.
Bei KPMG Schweiz kommt es zum Wechsel an der Spitze: Pascal Sprenger wird per 1. Oktober 2026 neuer CEO und folgt auf Stefan Pfister, der das Unternehmen zwölf Jahre lang geführt hat. Pfister bleibt bis März 2027 in einer übergeordneten Rolle im Haus. Sprenger kommt aus dem Audit-Bereich und war zuletzt für den Bereich Financial Services verantwortlich. Der Wechsel fällt in eine Phase, in der die grossen Prüfhäuser unter Druck durch KI-gestützte Prüftools, gestiegene Compliance-Kosten und den Wettbewerb mit den US-Big-Four stehen.
Beim Schweizer Börsenbetreiber SIX verlässt Rafael Moral Santiago, Leiter der Sparte Securities Services und Mitglied der Konzernleitung, das Unternehmen per sofort. Moral Santiago war erst seit Mai 2025 bei SIX, eine Übergangslösung ist aufgegleist. Die Sparte betreibt unter anderem die Plattform für Wertpapierabwicklung in der Schweiz und ist ein zentrales Infrastrukturangebot für Banken und Vermögensverwalter. Der Abgang kommt für die Branche überraschend, da Moral Santiago erst vor gut einem Jahr von ausserhalb geholt worden war. SIX muss die Sparte nun interimistisch führen, bis eine Nachfolge geregelt ist.
Die fünf UBS-Anlagestiftungen (UBS AST 1 bis 5) bekommen per 1. Oktober 2026 mit Yves Schepperle einen einzigen Geschäftsführer. Bisher wurden die Stiftungen, darunter die ehemaligen CS-Anlagestiftungen 4 und 5, von Tobias Meyer und Alexandrine Kiechler geführt. Schepperle kommt aus dem Bereich Asset Servicing und kennt die Schnittstellen zu Custody und Wertschriftenverwaltung. Die Bündelung der Führung folgt einer Linie, die andere grosse Schweizer Banken wie die Zürcher Kantonalbank bereits eingeschlagen haben, und soll die Effizienz nach der CS-Integration weiter steigern. Die Stiftungen sind ein zentrales Anlagegefäss für Schweizer Pensionskassen, die ihre Gelder breit diversifiziert in verschiedene Anlageklassen investieren.
Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat Leonteq bestätigt, dass alle im Nachgang des Verfahrens von 2024 angeordneten Massnahmen vollständig umgesetzt sind. Die Finma hatte 2024 Gewinne von mehr als 9 Millionen Franken eingezogen, weil das Zürcher Haus für strukturierte Produkte beim Vertrieb im Ausland gegen Risikomanagement-Pflichten verstossen hatte. Mit dem Abschluss gelten die «regulatorischen Altlasten» als erledigt. Leonteq kann sich nun wieder auf den grenzüberschreitenden Vertrieb konzentrieren.
Die sechste Digitalisierungsstudie von Colombus Consulting sieht Vontobel neu auf Platz 1 der digitalen Reife unter 30 Schweizer Privatbanken, vor Julius Bär. Die Neobank Alpian klettert im Ranking weiter nach oben, Pictet und J. Safra Sarasin holen ebenfalls auf. Bewertet werden Webseiten, Mobile Apps, digitales Marketing und die Präsenz in sozialen Netzwerken. Für klassische Privatbanken ist das ein Warnsignal: Wer bei digitalen Kanälen den Anschluss verliert, verliert mittelfristig auch die nächste Generation vermögender Kunden. Die Studie erscheint jährlich und gilt als Branchen-Benchmark.
Im Moskauer Gebiet hat der bisher grösste ukrainische Drohnenangriff des Krieges für schwarzen Regen und 17 Verletzte gesorgt. Gouverneur Andrei Vorobyov sprach von Rauchsäulen über mehreren Gemeinden. Russland will binnen 24 Stunden rund 1'000 Drohnen und 4 ukrainische Marschflugkörper abgefangen haben, ein Öldepot in der Region Rostow wurde ebenfalls getroffen. Die Angriffe zeigen eine Verschärfung der ukrainischen Schlagkraft tief in russisches Hinterland, gleichzeitig halten die russischen Drohnenangriffe auf ukrainische Städte an.
Beim Angriff bewaffneter Gruppen auf den Flughafen Diori Hamani in Niamey, dem grössten Flughafen Nigers, sind nach Regierungsangaben insgesamt 35 Menschen getötet worden: 22 Angreifer, 11 Soldaten und 2 Zivilisten. Die al-Qaida-nahestehende Gruppierung JNIM bekannte sich am Donnerstagabend zu der Tat. Niger ist einer der politisch instabilsten Staaten der Sahel-Region, der Flughafen ist Drehkreuz für Uno- und Militärmissionen. Der Anschlag unterstreicht das wachsende Sicherheitsvakuum in Westafrika.
Allianz Global Investors (Allianz GI) bringt erstmals eine eigene Plattform für aktive ETFs nach Europa. Die Schweiz gehört neben Deutschland, Italien und Grossbritannien zu den vier Kernmärkten des Launches, verkündet am European Media Day in Frankfurt. Andrea Auer, Leiterin Asset Management Wealth Management Schweiz bei Allianz GI, sieht im Schweizer Markt grosses Potenzial, weil institutionelle Investoren hierzulande zunehmend auf liquide und transparente Anlageformen setzten. Mit dem aktiven ETF-Angebot will Allianz GI vor allem Pensionskassen und Versicherer ansprechen. Zudem zeichnet sich am Krypto-Markt ein Konflikt ab: Die weltgrösste Kryptobörse Binance hat in Griechenland eine MiCAR-Lizenz beantragt, die nach Informationen von Reuters voraussichtlich nicht erteilt wird. Damit droht der Plattform der Verlust des Zugangs zum europäischen Markt, was auch Schweizer Kundinnen und Kunden betreffen würde, die über die EU-Tochter handeln.
Die Märkte heute
Gold kostet 3'368 Franken pro Unze nach einem Rückgang um 3,3 Prozent seit dem Vortag. Bitcoin wechselt bei rund 50'300 Franken den Besitzer, ein Minus von 2,8 Prozent innert 24 Stunden. Der MSCI World notiert umgerechnet bei 3'886 Franken, ein Minus von 0,65 Prozent. Der Euro fällt auf 0,9218 Franken, der US-Dollar auf 0,8043 Franken, der Franken bleibt damit die stärkste Währung im G10-Raum.
Ausblick
Am Nachmittag stehen die US-Erzeugerpreise und der Philly-Fed-Index im Fokus, beide gelten als Stimmungsindikator für die US-Konjunktur. Die SNB wird am Nachmittag zudem den Finanzstabilitätsbericht 2025 veröffentlichen, bei dem es auch um die neuen Eigenkapitalvorschriften für systemrelevante Institute gehen dürfte. Im Sport trifft die Schweizer Nati am Samstag auf Wales, ein Punkt reicht für den vorzeitigen Achtelfinal-Einzug an der WM.