US-Präsident Donald Trump und Irans Präsident Massud Peseschkian haben am Mittwoch ein 14-Punkte-Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet, das den seit Monaten laufenden Krieg zwischen Washington und Teheran formal beenden soll. Trump setzte seine Unterschrift am Rande des G7-Gipfels im französischen Evian-les-Bains. Das Abkommen sieht eine «sofortige und permanente» Einstellung der militärischen Operationen auf «allen Fronten» vor, einschliesslich des Libanon-Konflikts. Es verpflichtet Iran, niemals eine Atomwaffe zu erwerben, und sieht einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar für die «Rekonstruktion und wirtschaftliche Entwicklung» des Landes vor, zu dem die USA selbst aber nicht beitragen müssen. Die Trump-Administration wertet das MoU als «leistungsbezogen»: Iran profitiere nur, wenn es die Auflagen erfülle. In den kommenden 60 Tagen sollen die Verhandlungen über ein umfassendes Nuklearabkommen beginnen. Die BBC Verify weist darauf hin, dass der Text des Abkommens in mehreren Punkten hinter Trumps öffentlichen Versprechen zurückbleibt. So ist die Formulierung zur nuklearen Bewaffnung Irans deutlich weicher als die von Trump im Wahlkampf genannte (BBC, Al Jazeera).
Die iranische Wirtschaft zeigt erste Reaktionen auf den Waffenstillstand. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erholte sich der iranische Rial am Donnerstag spürbar, und die Börse Teheran verzeichnete einen starken Anstieg. Im Alltag der Bevölkerung bleibt die Lage indessen prekär: Die Inflation gilt als zweistellig, Grundnahrungsmittel sind vielerorts knapp. Die iranische Führung verkauft das Abkommen als historischen Sieg, während unabhängige Beobachter auf die 300 Milliarden US-Dollar verweisen, die nun für den Wiederaufbau mobilisiert werden sollen, ohne dass die USA eigene Mittel beisteuern. Israel hat unterdessen seine Angriffe im Libanon fortgesetzt, obwohl Punkt 1 des Abkommens eine Einstellung der Operationen «auf allen Fronten» vorsieht (BBC, Reuters).