Iran-Abkommen unterzeichnet, Drohnenangriff auf Moskau, Warsh verteidigt Fed-Unabhängigkeit
14-Punkte-MoU am G7 in Evian, 1000 ukrainische Drohnen auf Russland, neuer Notenbankchef hält Leitzins stabil.
Iran-Abkommen unterzeichnet, Drohnenangriff auf Moskau, Warsh verteidigt Fed-Unabhängigkeit
US-Präsident Donald Trump und Irans Präsident Massud Peseschkian haben am Mittwoch ein 14-Punkte-Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet, das den seit Monaten laufenden Krieg zwischen Washington und Teheran formal beenden soll. Trump setzte seine Unterschrift am Rande des G7-Gipfels im französischen Evian-les-Bains. Das Abkommen sieht eine «sofortige und permanente» Einstellung der militärischen Operationen auf «allen Fronten» vor, einschliesslich des Libanon-Konflikts. Es verpflichtet Iran, niemals eine Atomwaffe zu erwerben, und sieht einen Wiederaufbaufonds in Höhe von 300 Milliarden US-Dollar für die «Rekonstruktion und wirtschaftliche Entwicklung» des Landes vor, zu dem die USA selbst aber nicht beitragen müssen. Die Trump-Administration wertet das MoU als «leistungsbezogen»: Iran profitiere nur, wenn es die Auflagen erfülle. In den kommenden 60 Tagen sollen die Verhandlungen über ein umfassendes Nuklearabkommen beginnen. Die BBC Verify weist darauf hin, dass der Text des Abkommens in mehreren Punkten hinter Trumps öffentlichen Versprechen zurückbleibt. So ist die Formulierung zur nuklearen Bewaffnung Irans deutlich weicher als die von Trump im Wahlkampf genannte (BBC, Al Jazeera).
Die iranische Wirtschaft zeigt erste Reaktionen auf den Waffenstillstand. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters erholte sich der iranische Rial am Donnerstag spürbar, und die Börse Teheran verzeichnete einen starken Anstieg. Im Alltag der Bevölkerung bleibt die Lage indessen prekär: Die Inflation gilt als zweistellig, Grundnahrungsmittel sind vielerorts knapp. Die iranische Führung verkauft das Abkommen als historischen Sieg, während unabhängige Beobachter auf die 300 Milliarden US-Dollar verweisen, die nun für den Wiederaufbau mobilisiert werden sollen, ohne dass die USA eigene Mittel beisteuern. Israel hat unterdessen seine Angriffe im Libanon fortgesetzt, obwohl Punkt 1 des Abkommens eine Einstellung der Operationen «auf allen Fronten» vorsieht (BBC, Reuters).
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den grössten Drohnenangriff auf Moskau seit Beginn des russischen Angriffskriegs für sich reklamiert. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden in den letzten 24 Stunden fast 1000 ukrainische Drohnen und vier Marschflugkörper im ganzen Land abgefangen und zerstört. Im Moskauer Umland wurden nach Angaben des Gouverneurs Andrei Worobjow 17 Menschen verletzt, eine Raffinerie und ein Einkaufszentrum standen in Flammen. Im südrussischen Gebiet Rostow traf ein Drohnentreffer ein Öldepot, eine Person kam ums Leben. Selenskyj sprach von einer Reaktion auf den russischen Angriff auf Kyjiw in der Vorwoche, der ein religiöses Wahrzeichen in Brand gesetzt hatte. Die Benzinkrise in Russland weitet sich nach NZZ-Recherchen auf den Grossteil des Landes aus, da mehrere Raffinerien gleichzeitig beschädigt wurden. Die Schäden an der Energieinfrastruktur treffen die russische Kriegslogistik empfindlich (BBC, NZZ, Tagesschau).
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hat eine umfassende Überprüfung der US-Truppenpräsenz in Europa angekündigt und zugleich mehrere Nato-Verbündete scharf kritisiert. Bei einer Pressekonferenz in Brüssel sagte Hegseth, einige Alliierte würden ihre zugesagten Verteidigungsausgaben «nicht erfüllen». Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund wachsender Spannungen zwischen Washington und Brüssel über die Lastenteilung im Bündnis. Die deutsche Bundeswehr bereitet derweil einen Marineeinsatz im Golf von Hormus vor, um die Handelsschifffahrt nach einer möglichen Öffnung der Meerenge abzusichern. Für die Schweiz als Nato-Partnerin ohne Mitgliedschaft bleibt die Debatte indirekt relevant, da Bern seit 2024 an den Nato-Partnerschaftsprogrammen teilnimmt und regelmässig zu Konsultationen eingeladen wird (BBC, Tagesschau).
Kevin Warsh hat bei seiner ersten Sitzung als neuer Vorsitzender der US-Notenbank (Fed) am Mittwoch die Leitzinsen unverändert gelassen und zugleich eine umfassende Überprüfung der Arbeitsweise der Fed angekündigt. Warsh, der von Trump ins Amt gehoben wurde, stellte klar, dass er sich nicht als «Befehlsempfänger» des Präsidenten verstehe. Die NZZ wertet die erste Pressekonferenz als selbstbewusstes Auftreten eines Notenbankchefs, der sich gegen die wachsenden Versuche des Weissen Hauses stemmt, die Geldpolitik zu beeinflussen. An den Finanzmärkten sorgte die Bestätigung der Zinspause für eine leichte Beruhigung nach den Turbulenzen der Vorwoche. Gleichzeitig wies die BBC darauf hin, dass Warsh den Zeitpunkt der ersten Zinssenkung offenliess und sich eine Hintertür für zusätzliche Lockerungen offen hielt (NZZ, BBC, Yahoo Finance).
Taiwan Semiconductor Manufacturing Company (TSMC), der weltweit grösste Auftragsfertiger für Hochleistungschips, hat angedeutet, dass die durch den KI-Boom ausgelöste Nachfrage zu höheren Preisen für Halbleiter führen könnte. TSMC-Finanzvorstand Wendell Huang sagte in einem BBC-Interview, man werde keine plötzlichen «vier- oder fünffachen» Preiserhöhungen vornehmen, verwies aber auf die «technologische Führerschaft» und «Fertigungsexzellenz» des Unternehmens. Apple hatte bereits am Vortag angekündigt, Preise anzuheben, da der KI-Boom die Chipkosten treibe. Die TSMC-Aktie legte nach den Aussagen zeitweise um 2 Prozent zu. Die Äusserungen fallen in eine Phase erhöhter US-chinesischer Spannungen um Taiwan: Chinas Präsident Xi Jinping hatte zuletzt vor einer «extrem gefährlichen Situation» gewarnt, falls Washington die Taiwan-Frage falsch handhabe. Australien hat inzwischen japanische Kriegsschiffe bestellt, Gespräche mit den Philippinen über gebrauchte Zerstörer laufen (BBC, Reuters).
Der Nationalrat hat am Donnerstag das seit 2018 geltende Neubauverbot für Kernkraftwerke gekippt. Nach Informationen der NZZ unterstützt der Nationalrat Bundesrat Albert Rösti, der sich für eine Lockerung des Verbots ausgesprochen hatte. Damit ebnet das Parlament den Weg für eine mögliche Revival-Diskussion um die Schweizer Atomkraft, die nach dem Ausstieg 2017 faktisch beendet schien. Die Entscheidung ist politisch umstritten: Umweltverbände warnen vor einer Abkehr vom Atomausstieg, Wirtschaftsverbände argumentieren mit Versorgungssicherheit. Die Vorlage geht nun an den Ständerat, der in der Energiepolitik traditionell zurückhaltender agiert. Rösti sprach von einem «wichtigen Signal für die Versorgungssicherheit im Winter». Branchenexperten verweisen darauf, dass der Bau eines neuen AKW in der Schweiz 12 bis 15 Jahre dauern würde (NZZ, 20 Minuten).
Am siebten Tag der Fussball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Mexiko und Kanada hat England Kroatien mit 4:2 geschlagen und steht damit als Gruppensieger fest. Kapitän Harry Kane traf doppelt. Gary Lineker, ehemaliger Nationalspieler und BBC-Experte, bezeichnete Kane als «grössten Stürmer, den England je hatte». Kolumbien besiegte WM-Neuling Usbekistan 3:1, Torschütze war unter anderem Luis Díaz von Bayern München. Ghana gewann 1:0 gegen Panama, der Torhüter musste verletzt ausgewechselt werden. Am Abend trifft Tschechien auf Südafrika. Die Schweizer Nati bereitet sich unter Trainer Murat Yakin auf das Playoff-Spiel gegen Bosnien und Herzegowina vor. Yakin gab sich vor der Partie kämpferisch: «Abgerechnet wird am Schluss». 20 Minuten berichtet, dass Xherdan Shaqiri den Fans mit einem Foto seiner «Monster-Wädli» Mut machte (BBC Sport, 20 Minuten).
Auf dem Bürgenstock hat am Donnerstag ein hochrangiges internationales Treffen begonnen, wie 20 Minuten berichtet. Drei US-Flugzeuge sind bereits auf dem Militärflugplatz Emmen gelandet, was auf die Anreise von US-Delegationsteilnehmern hindeutet. Offizielle Angaben zu Teilnehmern und Programm wurden zunächst nicht gemacht. Die Schweiz ist Gastgeberin mehrerer solcher Konferenzen pro Jahr, die geopolitisch zwischen den grossen Blöcken vermitteln sollen. Bürgenstick geniesst als neutraler Boden internationale Reputation, ähnlich wie das WEF in Davos oder die UNO in Genf (20 Minuten).
Die japanische Regierung hat unter Verteidigungsminister Shinjiro Koizumi eine deutliche Aufrüstung des Landes angekündigt. In einem BBC-Interview sagte Koizumi, es sei «kritisch», die japanischen Verteidigungsfähigkeiten zu stärken, um einen neuen Krieg in der Region zu verhindern. Er verwies auf die Lockerung jahrzehntealter Rüstungsexportregeln: Erstmals seit rund 50 Jahren kann Tokio Rüstungsgüter und tödliche Waffen an 17 Partnerländer verkaufen, darunter die USA, Grossbritannien, Australien und die Philippinen. Australien hat bereits japanische Kriegsschiffe bestellt, Gespräche mit den Philippinen über gebrauchte Zerstörer laufen. China und Nordkorea gelten als treibende Kräfte hinter dem Strategiewechsel (BBC).
Die Meldung über einen russischen «Schattenflotten»-Tanker, der in den Ärmelkanal eingefahren ist, hat in London für Aufsehen gesorgt. Das Schiff mit dem Namen «Forwarder» hatte zuvor Primorsk verlassen. Es ist der erste bekannte Fall dieser Art seit der britischen Übernahme des griechischen Tankers «Smyrtos» durch Spezialkräfte. Die britische Regierung prüft den Vorfall, die Russland-Sanktionsbehörden beobachten die Entwicklung mit Sorge. Der Fall illustriert die wachsenden Spannungen um russische Ölexporte unter Umgehung der westlichen Sanktionen. Die britische Aussenministerin sprach von einer «neuen Phase der russischen Schattenflotten-Aggression» (BBC).
In Niger sind am Donnerstag Schusswechsel und Explosionen am Flughafen der Hauptstadt Niamey gemeldet worden. Über Hintergründe und mögliche Opfer gab es zunächst keine gesicherten Informationen. Das westafrikanische Land steht seit dem Putsch von 2023 unter militärischer Führung und hat sich Russland und dem Iran angenähert, während Frankreich und die USA ihre Militärpräsenz zurückgezogen haben. Der Vorfall ereignete sich am selben Tag, an dem mehrere Nato-Staaten ihre Truppenpräsenz in Afrika neu justieren. Westliche Geheimdienste werten den Fall als möglichen Stellvertreter-Konflikt in der Sahel-Region (BBC).
Ein britisches Gericht hat am Donnerstag zwei Männer wegen Spionage für die chinesische Regierung verurteilt. Die Angeklagten sollen laut BBC Informationen an den chinesischen Geheimdienst weitergegeben haben, die im Zusammenhang mit Hongkong stehen. Die Urteile markieren einen der seltenen Fälle, in denen Spionage für China in Grossbritannien erfolgreich vor Gericht bewiesen wurde. Die britische Regierung hatte zuletzt mehrfach auf die wachsende Bedrohung durch chinesische Nachrichtendienste hingewiesen (BBC, Al Jazeera).
In der Schweiz hat eine Hitzewelle den Juni-Sommer eingeläutet. Die NZZ berichtet, dass ein GLP-Nationalrat mehr Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden fordert, um insbesondere ältere Menschen und Kranke zu schützen. Die Temperaturen stiegen in mehreren Städten über 33 Grad. Die Diskussion über Klimaanlagen ist in der Schweiz politisch heikel, da sie als Symbol für eine Abkehr von der traditionellen «Frischluft-Nation» gelten. Parallel dazu suchen Bund und Kantone nach Wegen, die Sommersterblichkeit bei älteren Menschen zu senken. Die WHO hatte im Mai vor einer Zunahme hitzebedingter Todesfälle in Mitteleuropa gewarnt (NZZ, 20 Minuten).
Die Märkte heute: Der Schweizer Franken zeigt sich am Abend in einer robusten Verfassung. Der Euro notiert bei 0,9218 CHF, der US-Dollar bei 0,8043 CHF (EZB-Referenz). Gold gibt um 1,52 Prozent auf 4262 US-Dollar pro Unze nach, während der MSCI World um 0,58 Prozent auf 4834,2 Punkte zurückfällt. Bitcoin verliert 2,06 Prozent auf 63'728 US-Dollar. Die abwartende Haltung der Fed bei der ersten Warsh-Sitzung sowie der Iran-Deal stützen die Tendenz zu ruhigem Handel. Händler verweisen auf die rückläufigen Gold-Bestände nach dem deutlichen Anstieg in der Vorwoche, der auf geopolitische Risiken zurückging. Schweizer Exportwerte wie Nestlé und Roche dürften von der leicht schwächeren Notierung des Frankens gegenüber dem Dollar profitieren, da ihre Produkte in den USA günstiger werden (Marktdaten via Frankfurter/EZB-Referenz, Yahoo Finance, CoinGecko).
Ausblick auf morgen: Die Federal Reserve veröffentlicht am Abend MESZ das Ergebnis der Warsh-Überprüfung der Fed-Arbeitsweise. In Washington beginnt die Anhörung des Supreme Court zum Thema Trump-Zölle, bei der die Befugnisse des Präsidenten zur Verhängung von Importzöllen auf dem Prüfstand stehen. In Genf setzt die UNO-Menschenrechtsrat ihre Sondersitzung zur Lage in Gaza fort. Sportlich trifft die Schweiz am Freitagabend im WM-Playoff auf Bosnien und Herzegowina. Die Temperaturen in der Schweiz bleiben hoch, der Bund rechnet mit der ersten Hitzewarnung der Saison.