Frieden mit Iran, Mercosur-Schock in Bern, Nati unter Druck
USA und Iran unterzeichnen 14-Punkte-Abkommen, Formeller Akt am Freitag auf dem Bürgenstock
Frieden mit Iran, Mercosur-Schock in Bern, Nati unter Druck
Guten Morgen. Der Tag beginnt mit der Nachricht, die in Washington und Teheran seit Tagen erwartet wurde: Nach rund 3,5 Monaten Krieg haben die USA und der Iran den Text eines Rahmenabkommens unterzeichnet. In der Schweiz stehen unterdessen die Zeichen auf eine herbe Niederlage für den Bundesrat. Und am späten Abend trifft die Nati in Santa Clara auf Bosnien. Hier ist der Überblick.
USA und Iran: 14 Punkte unterzeichnet, Unterzeichnung am Freitag auf dem Bürgenstock
US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch in Versailles das Memorandum of Understanding mit Teheran digital unterzeichnet. Wenig später bestätigte ein ranghoher US-Beamter gegenüber NBC News den Vollzug. Auch Irans Präsident unterzeichnete das Dokument digital, allerdings ohne dass es eine gemeinsame Zeremonie gab. Die formelle Unterzeichnung des Rahmenabkommens ist für Freitag, 19. Juni 2026, auf dem Bürgenstock im Kanton Nidwalden geplant. Als Verhandlungsort war ursprünglich Genf im Gespräch, nun fällt die Wahl auf das bekannte Luxusresort, das bereits 2024 Schauplatz der Ukraine-Friedenskonferenz war.
Der Entwurf umfasst nach übereinstimmenden Medienberichten 14 Punkte. Dazu gehören die Aufhebung der Ölsanktionen, ein Wiederaufbaufonds in Höhe von 300 Mrd. US-Dollar, die Verdünnung von angereichertem Uran sowie die Kontrolle über die Strasse von Hormus. Trump hatte die 300-Mrd.-Zahl zuvor als «Fake News» bezeichnet, der nun vorliegende Text widerspricht dieser Darstellung. Im Gegenzug soll das iranische Nuklearprogramm auf zivile Nutzung beschränkt werden. Die humanitären Folgen des Krieges sind unterdessen enorm: Während der 3,5 Monate dauernden Kämpfe wurden nach Schätzungen mehrere 1'000 Menschen getötet, die iranische Infrastruktur ist schwer beschädigt.
Für die Schweiz ist der Bürgenstock-Termin diplomatisch heikel. Das Aussendepartement (EDA) hat die logistische und sicherheitstechnische Unterstützung zugesichert, die Schweizer Polizei ist nach einem Bericht von Blick seit Tagen im «Gipfel-Stress». Trump feiert das Abkommen als persönlichen Erfolg. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu zeigt sich enttäuscht über den Iran-Deal, da zentrale israelische Forderungen nicht durchgesetzt wurden. Im Hintergrund laufen weitere Verhandlungen über den Abzug israelischer Truppen aus dem Libanon, an dem sich auch die Hisbollah beteiligt. Parallel dazu hat Trump angekündigt, die Strasse von Hormus werde bis Freitag «vollständig geöffnet». (Quellen: NZZ, SRF, Tagesschau, Blick)
G7 in Évian: Macron spricht von «strategischem Erwachen»
Der G7-Gipfel im französischen Évian hat am Mittwoch seine Arbeit aufgenommen. Frankreichs Präsident Emmanül Macron sprach bei der Eröffnung von einem «strategischen Erwachen» der Gruppe, Bundeskanzler Friedrich Merz lobte die «gemeinsame Sprache» der Teilnehmer. Vor dem Hintergrund des Iran-Abkommens verlief der Auftakt überraschend harmonisch, zuletzt hatte Trump mehrfach mit unilateralen Schritten gedroht und Zölle gegen Kanada angekündigt. Macron hat als Gastgeber zahlreiche Gäste eingeladen, die Diskussionsrunde umfasst rund 20 Staats- und Regierungschefs.
Am Gipfel kündigten die G7-Staaten zudem neue Sanktionen gegen Russland an, um Moskau an den Verhandlungstisch im Ukraine-Krieg zu bringen. Geplant sind zusätzliche Öl- und Finanzrestriktionen sowie ein verschärftes Vorgehen gegen Schattenflotten. Trump sagte am Rande des Treffens, er sehe nach dem Iran-Erfolg nun auch Chancen für einen «Deal» in der Ukraine. Die deutsche Bundesregierung erklärte unterdessen, Russland könne diesen Krieg militärisch nicht gewinnen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist nicht persönlich angereist, hat sich aber per Videoschalte zugeschaltet. (Quellen: Tages-Anzeiger, NZZ, Tagesschau, Welt)
Krachende Niederlage für Bundesrat Parmelin: Nationalrat kippt Mercosur-Deal
In der laufenden Sommersession hat der Nationalrat am Mittwoch das Freihandelsabkommen zwischen der Schweiz und den Mercosur-Staaten (Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay) vorerst zu Fall gebracht. Die Vorlage von Wirtschaftsminister Guy Parmelin verfehlte eine Mehrheit. Damit ist das seit Jahren verhandelte Abkommen in der Schweiz politisch schwer beschädigt. Links-grüne Kreise kritisieren die mangelnden Umwelt- und Sozialstandards, bürgerliche Kritiker monieren den unzureichenden Bauernschutz.
Die Sommersession dauert noch bis zum 19. Juni. Auch bei der 13. AHV-Rente kam es zu einer Weichenstellung: Die Einigungskonferenz stellte sich am Mittwochmorgen hinter das Ständeratsmodell. Die Finanzierung soll über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer laufen, höhere Lohnbeiträge sind im Vorschlag nicht vorgesehen. Mitte-links hatte hoch pokert, wie der Tages-Anzeiger schrieb, und nur halb gewonnen: Der Nationalrat hatte tags zuvor ein weitergehendes Modell beschlossen, das im Ständerat keine Mehrheit fand. Im Rat liegt zudem der Vorstoss von Mitte-Präsident Pfister für eine stärkere Begrenzung der Zuwanderung, der im Tessin auf zunehmende Zustimmung stösst. (Quellen: SRF, NZZ, Tages-Anzeiger, Watson)
US-Notenbank: Warsh hält Leitzins stabil, Trump verärgert
Die Federal Reserve hat unter ihrem neuen Präsidenten Kevin Warsh den Leitzins bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen. Es war die erste geldpolitische Sitzung des designierten Nachfolgers von Jerome Powell. Die Notenbank strich zugleich ihre bisherige Tendenz zur Lockerung: In den neuen Projektionen (Summary of Economic Projections) gehen 9 von 18 Offiziellen davon aus, dass es im Jahr 2026 keine Zinssenkung mehr geben wird. Eine Senkung um 25 Basispunkte war zu Jahresbeginn noch breit erwartet worden. Trump hatte Warsh im Frühjahr durchgedrückt und gilt nun als unzufrieden mit dem Entscheid.
Der Entscheid wirkt direkt auf den Franken zurück, der sich in den letzten Tagen als sicherer Hafen profiliert hat. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) beobachtet die Entwicklung, äusserte sich aber noch nicht offiziell. Am Devisenmarkt reagierten EUR/USD und USD/JPY mit moderaten Ausschlägen, die Aktienbörsen schlossen gemischt. Die Schweizer Börse SMI hatte bereits am Montag trotz Iran-Abkommen nicht vom Fleck gefunden. (Quellen: SRF, NZZ, Tagesschau, Watson)
Anthropic sperrt Fable 5 und Mythos 5 für Ausländer
Der KI-Entwickler Anthropic hat auf Anweisung der US-Regierung die eigenen Modelle Fable 5 und Mythos 5 für ausländische Nutzer gesperrt. Die Exportkontroll-Anordnung betrifft auch eigene Mitarbeiter ausserhalb der USA. Als Grund nennt die US-Regierung mögliche China-Spionage-Zugriffe über ausländische Niederlassungen. Anthropic widerspricht der Darstellung und betont, man habe sich an die Anordnung gehalten. Die Sperre erfolgte laut Bericht von heise online bereits am vergangenen Wochenende nach einer Direktive aus Washington.
Der Vorgang hat unmittelbare Folgen für die Schweiz. Die Schweiz beherbergt über die ETH Zürich, die EPFL und mehrere Start-ups eine wachsende KI-Forschungsszene, die auf Anthropic-Modelle setzt. Der Deutschlandfunk spricht von einem «brisanten» Vorgang, der das Vertrauen in die Verfügbarkeit von US-KI-Systemen in Europa grundlegend verändert. Auch die EU-Kommission beobachtet die Entwicklung mit Blick auf den kommenden AI Act. (Quellen: heise online, Tagesschau, Digitec, Deutschlandfunk)
Hitzewelle: Bis 38 Grad, Basel warnt auf Stufe 4
Die Schweiz steht vor der ersten grossen Hitzewelle des Sommers. Ab Mittwoch steigen die Temperaturen verbreitet über 30 Grad, am Donnerstag und Freitag sind lokal bis 38 Grad möglich. Für Basel gilt bereits die Hitzewarnung der Stufe 4. Meteorologen rechnen zudem mit den ersten Tropennächten dieses Jahres, in denen das Thermumeter nicht unter 20 Grad fällt. Der Bund ruft ältere Menschen und chronisch Kranke zu besonderer Vorsicht auf, Spitäler bereiten zusätzliche Kapazitäten vor.
Die Hitzewelle betrifft ganz Europa. In mehreren Ländern gibt es Waldbrandwarnungen, in Italien und Spanien werden Spitzenwerte über 40 Grad erwartet. In Deutschland werden an Rhein und Main Werte um 37 Grad erreicht. (Quellen: Aargauer Zeitung, Basler Zeitung, Blick, NZZ)
Nati heute Abend gegen Bosnien
Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft trifft heute Abend um 21:00 Uhr (Ortszeit Santa Clara) in der WM-Gruppenphase auf Bosnien-Herzegowina. Nach dem enttäuschenden 1:1 zum Auftakt gegen Katar steht die Equipe von Trainer Murat Yakin unter Druck. Kapitän Granit Xhaka führt das Team an, im Kader stehen mit Denis Zakaria, Xherdan Shaqiri und Dan Ndoye mehrere Bundesliga-Profis. Bei einem Sieg würde die Schweiz die Tabellenführung in der Gruppe B übernehmen, eine Niederlage würde die Ausgangslage vor dem letzten Gruppenspiel gegen England deutlich verschlechtern.
Für die Partie im kalifornischen Santa Clara werden Temperaturen um 30 Grad erwartet, was die körperliche Belastung zusätzlich erhöht. SRF überträgt live, die Telekom hat sich die Rechte an allen 104 Spielen der WM-Endrunde gesichert. (Quellen: Blick, SRF, NZZ)
Tour de Suisse: Pogacar mit Solo-Sieg zum Auftakt
Tadej Pogacar hat die 1. Etappe der 78. Tour de Suisse im Solo gewonnen. Der Slowene setzte sich rund 17 Kilometer vor dem Ziel ab und überquerte den Zielstrich mit 2:20 Minuten Vorsprung vor dem Ecuadorianer Richard Carapaz und 3:10 Minuten vor dem Italiener Andrea Bagioli. Eine Verfolgergruppe mit Primoz Roglic kam mit über 5 Minuten Rückstand ins Ziel. Es war einer seiner charakteristischen Solosiege, vergleichbar mit seinen Auftritten bei der Tour de France. Pogacar nutzt die Schweizer Rundfahrt als Generalprobe für die Tour de France im Juli.
Die diesjährige Austragung der Tour de Suisse ist auf 5 Tage verkürzt und folgt einem neuen Format. Die NZZ spricht von einem «neuen Format», das den Charakter der Landesrundfahrt verändere. Die weiteren Etappen führen über Stock und Stein durch die Zentralschweiz. (Quellen: SRF, radsport-news.com, sportschau.de, NZZ)
Europacup-Auslosung: St. Gallen trifft auf Benfica, Thun auf Dinamo Zagreb
Die Auslosung der 2. Qualifikationsrunde der ÜFA-Wettbewerbe hat den Schweizer Klubs schwere Lose beschert. Der FC St. Gallen trifft in der Europa-League-Qualifikation auf Benfica Lissabon, der FC Thun bekommt es in der Champions-League-Qualifikation mit dem kroatischen Meister Dinamo Zagreb zu tun. Für Thun ist es die erste Königsklassen-Teilnahme seit vielen Jahren, der Verein aus dem Berner Oberland spielt gegen einen Routinier auf internationalem Parkett.
Die Hinspiele in der Europa League und Champions League finden Ende Juli statt, die Rückspiele eine Woche später. Benfica ist 38-maliger portugiesischer Meister, Dinamo Zagreb 25-maliger kroatischer Titelträger. Der FC Thun spielt als Aufsteiger der Credit Suisse Super League und erreichte die Königsklassen-Quali durch den 2. Tabellenrang in der abgelaufenen Saison. (Quellen: Blick, SRF, Berner Zeitung, St. Galler Tagblatt)
Messerattacke Zürich: 15-Jähriger vor Gericht
Mehr als 2 Jahre nach einer Messerattacke auf einen orthodoxen Juden in Zürich hat am Mittwoch der Prozess gegen einen heute 15-Jährigen begonnen. Die Staatsanwaltschaft fordert eine Freiheitsstrafe, wie das Zürcher Obergericht bereits signalisiert hat. Laut Gericht hatte der Jugendliche nach der Tat «Ich bin Al Kaida» gerufen. Ermittler stufen ihn als glühenden IS-Anhänger ein. Der Vorfall hatte in der Schweiz eine breite Debatte über Radikalisierung und Online-Propaganda ausgelöst.
Der Angriff ereignete sich vor einer Synagoge im Kreis 3. Das Opfer überlebte schwer verletzt. Bundesanwalt Stefan Blättler hatte den Fall als «terroristische Tat» eingestuft. (Quellen: 20 Minuten, NZZ, Blick, Tages-Anzeiger)
Mitte-Partei unter Druck in ihren Hochburgen
Bei den kantonalen Wahlen in Glarus und in Graubünden hat die Mitte-Partei stark eingebüsst. In den ehemaligen BDP-Hochburgen, die vor der Fusion zur Mitte die Hochburg der Bündner Christdemokraten waren, fährt die Partei empfindliche Verluste ein. SVP-nahe Kommentatoren führen das auf die Person des Bündner Mitte-Präsidenten Duri Campbell Bregy zurück. Die Mitte bleibt im eidgenössischen Parlament zwar ein Machtfaktor, der Fusions-Effekt verpufft im Wählerboden.
In Graubünden wurde die SVP gemäss SRF stärkste Kraft im Kantonsparlament, ein historischer Einschnitt für den Kanton. Das neue Wahlsystem mit 5-Wahlkreis-Proporz begünstigte kleinere Parteien. (Quellen: Watson, Tages-Anzeiger, Engadiner Post, SRF)
ETH-Forschung: Lichtschalter gegen schlafende Krebszellen
Forschende der ETH Zürich haben einen Mechanismus entschlüsselt, mit dem sich Tumorzellen in einen schlafähnlichen Zustand flüchten und so Chemotherapien umgehen. Mit einem gezielten Lichtimpuls lässt sich der Schutzmechanismus ausschalten, die Zellen werden wieder angreifbar. Die Studie wurde diese Woche in der Fachzeitschrift «Nature Cell Biology» publiziert und könnte die Behandlung von Lungenkrebs verändern.
Das Forschungsteam um Professor Michael Baudis setzt auf optogenetische Methoden, ein Verfahren, bei dem Licht als Steuermechanismus für Zellen dient. Im Tierversuch an Mäusen konnte das Tumorwachstum signifikant gebremst werden. Klinische Studien am Menschen sollen in den nächsten 2 Jahren folgen. (Quellen: punkt4.info, MDR.de)
Die Märkte heute
Der MSCI World steht bei 4'802,63 Punkten und legt 0,3 Prozent zu. Gold notiert bei 4'334 US-Dollar pro Unze, ein Plus von 2,82 Prozent. Das Edelmetall profitiert vom Iran-Abkommen und der geopolitischen Entspannung, nachdem die Volatilität in den Vortagen hoch war. Bitcoin fällt um 1,82 Prozent auf 64'647 US-Dollar. Der Euro handelt bei 0,9193 Franken, der US-Dollar bei 0,7931 Franken (jeweils EZB-Referenz vom 17.06.2026).
Ausblick auf den Tag
Im Parlament in Bern beginnt die letzte Sitzungswoche der Sommersession. Am Vormittag stehen im Ständerat verschiedene Geschäfte auf der Traktandenliste, im Nationalrat wird unter anderem die Debatte zur 13. AHV-Rente weitergeführt. In Évian geht der G7-Gipfel in den 2. Tag, am Nachmittag sind bilaterale Treffen angesetzt. Und am Abend trifft die Nati in Santa Clara auf Bosnien, ein Sieg ist Pflicht, will die Schweiz die WM-Gruppenphase überstehen.
Wir wünschen einen guten Start in den Tag. Bis zum Mittag.