← Ausgabe N°138
News

Welt blickt am Donnerstag auf den Bürgenstock

Die wichtigsten Ereignisse des Tages: Iran-Deal in Sicht, Schweizer Parlament ringt um die AHV-Finanzierung, Trump auf G7-Bühne mit Drohgebärde, Tour de Suisse startet mit Tadej Pogacar.

Von der MacherPost-Redaktion 17.06.2026, 16:00 ♪ 15 Min Audio · 1'911 Wörter
🎧 Audio · 15 Min

Welt blickt am Donnerstag auf den Bürgenstock

Die wichtigsten Ereignisse des Tages: Iran-Deal in Sicht, Schweizer Parlament ringt um die AHV-Finanzierung, Trump auf G7-Bühne mit Drohgebärde, Tour de Suisse startet mit Tadej Pogacar.


Die Unterzeichnung eines Rahmenabkommens zwischen den USA und Iran rückt näher. Der Entwurf des Vertrags ist an die Öffentlichkeit gelangt und sieht 14 Punkte vor, darunter ein Wiederaufbauprogramm im Volumen von 300 Milliarden Dollar sowie den Verzicht Irans auf die Urananreicherung. Die Zeremonie ist für Donnerstag, 19. Juni, auf dem Bürgenstock im Kanton Nidwalden geplant. Aussenminister Ignazio Cassis sprach am Dienstag in Bern von einer sichtbaren Schweizer Vermittlerrolle. Das Sicherheitsdispositiv rund um den Bürgenstock wird vom Kanton Nidwalden und der Eidgenossenschaft gemeinsam getragen, die Luxushotels der Region sind für die Dauer des Gipfels ausgebucht. Mit Spannung wird erwartet, wie Israel reagiert. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hatte sich vor der Wahl einen militärischen Sieg gegen Iran erhofft; politische Gegner werten das Abkommen als strategische Niederlage. Wie aus Verhandlungskreisen heisst, fühlt sich Jerusalem übergangen, weil zentrale Sicherheitsgarantien im Entwurf fehlen. Der Iran selbst feiert das Papier als diplomatischen Erfolg. Präsident Masoud Pezeshkian sprach von einem Sieg der Diplomatie und kündigte an, das Abkommen am Donnerstag persönlich zu unterzeichnen. Auch die US-Seite gibt sich siegessicher: Aussenminister Marco Rubio sprach von einem historischen Erfolg für die Diplomatie und kündigte an, dass bereits in den kommenden Wochen Verhandlungen über Folgemassnahmen beginnen sollen.


Im Schweizer Parlament fällt die Vorentscheidung über die Finanzierung der 13. AHV-Rente. Das Mitte-links-Lager setzte sich am Dienstagabend mit einem Kompromiss durch: Die Rente wird nur zur Hälfte aus dem AHV-Fonds bezahlt, die andere Hälfte soll über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer fliessen. Die Räte stimmten der Steuervariante mit 105 zu 72 Stimmen zu. Welche Sätze künftig gelten, ist noch offen; im Raum steht eine Anhebung des Normalsatzes von 8,1 auf 8,6 Prozent sowie des reduzierten Satzes von 2,6 auf 2,9 Prozent. Finanzpolitiker beider Seiten sprechen von einer Übergangslösung, die ab 2029 die volle Auszahlung sicherstellen soll. Wirtschaftsverbände warnen vor einer zusätzlichen Belastung der Konsumwirtschaft, die bereits unter dem starken Franken leidet. In Umfragen stösst das Modell bislang auf Skepsis bei Jungwählern, die eine spätere Rentenerhöhung bezahlen müssten, ohne selbst davon zu profitieren. Der Bundesrat muss die Vorlage nun in die Schlussabstimmung bringen. SVP und FDP kündigten bereits das Referendum an, falls die Mehrwertsteuer-Erhöhung wie vorgeschlagen kommt.


Die Konjunkturforscher der ETH KOF haben ihre Prognose für die Schweizer Wirtschaft deutlich nach unten korrigiert. Hauptgrund ist der anhaltend hohe Ölpreis, der durch den Iran-Krieg und die unsichere Lage an der Strasse von Hormuz gestützt wird. Die KOF rechnet für 2026 nur noch mit einem Wachstum von 0,9 Prozent, nachdem sie im März noch 1,4 Prozent erwartet hatte. Besonders betroffen sind energieintensive Branchen, darunter die Chemie- und die Uhrenindustrie. Auch die Maschinenindustrie verliert an Schwung, weil wichtige Exportmärkte in Asien schwächeln. Die KOF empfiehlt der Schweizerischen Nationalbank, bei der nächsten Sitzung im September die Zinsen stabil zu halten, aber die Kommunikation auf mögliche Rezessionsrisiken vorzubereiten. SNB-Präsident Martin Schlegel hatte zuletzt betont, der Franken bleibe das wichtigste geldpolitische Instrument. Am Devisenmarkt notiert der Euro aktuell bei 0,9193 Franken und der US-Dollar bei 0,7931 Franken, was die exportorientierte Industrie weiter unter Druck setzt.


US-Präsident Donald Trump nutzte den G7-Gipfel im französischen Évian für eine erneute Drohung an Teheran. In zwei Tagen werde ein Abkommen unterzeichnet, sagte Trump vor den Staats- und Regierungschefs, sollte Iran die Bedingungen nicht erfüllen, würden die USA erneut zuschlagen. Bundeskanzler Friedrich Merz zog am Mittwochabend eine positive Bilanz des Treffens und sprach von neuer Harmonie und Fortschritten sowohl im Ukraine-Konflikt als auch im Atomstreit. Frankreichs Präsident Emmanül Macron lud am Abend zu einem festlichen Gala-Dinner auf Schloss Évian, an dem auch First Lady Brigitte Macron teilnahm. Trump näherte sich den G7-Partnern sichtbar an und verzichtete anders als im Vorjahr auf einen vorzeitigen Aufbruch. Die G7-Staaten einigten sich am Rande des Gipfels auf eine Obergrenze für Rohstoffimporte aus China, insbesondere bei Seltenen Erden und Lithium, die für die E-Mobilität und die Halbleiterproduktion strategisch wichtig sind. Damit reagieren die Industriestaaten auf Pekings Exportkontrollen der vergangenen Monate.


Die Ölvorräte der Industriestaaten sind infolge des Iran-Kriegs auf den tiefsten Stand seit 1990 gefallen. Das geht aus dem aktuellen Monatsbericht der Internationalen Energieagentur hervor. Die strategischen Reserven der ÖCD-Länder decken aktuell nur noch rund 70 Tage des durchschnittlichen Verbrauchs, nach 90 Tagen vor Kriegsbeginn. Gleichzeitig erwartet die IEA den stärksten Rückgang der weltweiten Nachfrage seit der Corona-Pandemie. China und die USA hatten den Erdölmarkt während der Blockade der Meerenge von Hormuz mit Notfall-Lieferungen stabilisiert. Die Versorgung bleibt dennoch fragil: Rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels passiert die Meerenge, die derzeit nur unter militärischem Schutz der US-Marine befahren werden kann. An den Tankstellen in der Schweiz liegen die Benzinpreise aktuell bei 1,89 Franken pro Liter, rund 18 Rappen über dem Vorjahreswert.


In den USA hat das FBI einen Drohnenangriff auf eine Kampfsportveranstaltung von Trump vereitelt. Die Veranstaltung fand am Wochenende auf dem South Lawn des Weissen Hauses statt und sollte Teil der Geburtstagsfeierlichkeiten des Präsidenten sein. Eine Gruppe Beschuldigter soll den Angriff aus der Luft geplant haben. Festnahmen erfolgten laut Justizministerium in mehreren Bundesstaaten. Die Hintergründe sind noch unklar. Trump selbst trat bei der Show ohne erkennbare Einschränkung auf und liess sich vor Zehntausenden Zuschauern feiern. Die Veranstaltung löste international Kritik aus. Menschenrechtsorganisationen werteten die Inszenierung als Symbol für die schwindende Trennung zwischen Staat und politischem Personenkult.


Eine neue Studie zeigt, dass in der Schweiz bereits ein Viertel aller Arbeitsplätze durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz spürbar verändert wird. Besonders betroffen sind Büro- und Verwaltungsberufe. Die Untersuchung kommt von der Universität St. Gallen in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Arbeitgeberverband. Die Autoren schätzen, dass 28 Prozent der Tätigkeiten in diesen Bereichen automatisiert werden könnten. Gleichzeitig entstehen neue Stellenprofile, vor allem in der Daten- und KI-Pflege. Am stärksten betroffen sind Branchen mit hohem Anteil repetitiver Tätigkeiten: Banken, Versicherungen und die öffentliche Verwaltung. Der Schweizerische Gewerkschaftsbund fordert eine nationale Weiterbildungsoffensive im Umfang von 500 Millionen Franken über die nächsten fünf Jahre. Bundesrat Guy Parmelin kündigte an, das Thema an der nächsten Digital-Gipfel-Konferenz im September zu behandeln.


Das EU-Parlament hat das Handelsabkommen mit den USA formal gebilligt. Damit kann der Zolldeal in Kraft treten, der die gegenseitigen Zölle auf Industrieprodukte deutlich senkt. Für die Schweiz als Nicht-EU-Mitglied bedeutet das Abkommen indirekten Druck: Bern verhandelt seit Monaten über eine analoge Lösung mit Washington, bislang ohne Ergebnis. Wirtschaftsminister Guy Parmelin hatte das Anliegen beim Treffen mit Trump am G7-Rand nochmals vorgebracht. Der Bundesrat will die Verhandlungen im Herbst intensivieren, scheitert aber bisher am Widerstand der US-Seite gegen separate Agrarzugeständnisse. Schweizer Käse und Schokolade bleiben in den USA mit Zöllen von bis zu 17 Prozent belastet.


Im gleichen Strassburger Plenum beschlossen die Abgeordneten den Ausbau von Ausschaffungszentren in Drittstaaten. Künftig sollen abgelehnte Asylbewerber direkt aus Transitstaaten ausserhalb der EU rückgeführt werden können. Die Schweiz beobachtet die Entwicklung mit Interesse, da die eigenen Rückkehrabkommen mit Tunesien und Algerien ebenfalls auf Drittstaatenmodelle zielen. Menschenrechtsorganisationen kritisieren das Vorhaben als faktische Auslagerung von Asylverfahren. Die EU-Staaten Italien, Griechenland und Österreich hatten sich besonders für die Lockerung eingesetzt. Im Europarat in Strassburg stiess der Beschluss auf geteiltes Echo.


Der Radsport-Weltstar Tadej Pogacar startet am Donnerstag in die Tour de Suisse. Die Rundfahrt wurde für die Ausgabe 2026 grundlegend umgebaut und besteht neu aus zwei Teilen: einem Eintagesrennen am vergangenen Wochenende, das der Slowene souverän gewann, und einer mehrtägigen Etappenfahrt vom 18. bis 22. Juni mit Start in Aarau und Ziel in Verbier. Eine grosse Schweizer Traditionszeitung kritisierte das neue Format als Verlust des Charakters der einst kompakten Landesrundfahrt. Pogacar selbst zeigte sich beim Medientag entspannt und stärkte sich mit Pizzoccheri, dem Teigwarengericht aus dem Veltlin. Die Schweizer Hoffnungen ruhen auf Marc Hirschi, der nach seiner starken Frühform als Kapitän des Teams UAE Emirates antritt. Im weiteren Starterfeld figurieren der Däne Jonas Vingegaard und der Brite Tom Pidcock. Insgesamt werden 18 Teams mit je sechs Fahrern erwartet.


Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft bestreitet am Mittwochabend in der WM-Qualifikation ihr zweites Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina. Nach dem Auftaktsieg am Samstag stehen Coach Pierluigi Tami fast alle Spieler zur Verfügung. Im Fokus steht Mittelfeldspieler Fabian Rieder, der nach Verletzungspause in die Startelf zurückkehrt. Der bosnische Trainer Sergej Barbarez zeigte sich vor dem Spiel beeindruckt von der spielerischen Qualität des Schweizer Teams. Anpfiff im St. Jakob-Park ist um 20:45 Uhr. In den deutschen Stadien läuft parallel die zweite WM-Woche mit Gruppenspielen unter anderem zwischen Spanien und Brasilien.


In der Region Zürich starten Uber und das chinesische Robotaxi-Unternehmen WeRide einen Pilotbetrieb mit selbstfahrenden Autos. Noch in diesem Quartal sollen Fahrten über die Uber-App buchbar sein, zunächst in den Stadtgebieten Zürich-West, Örlikon und am Flughafen. WeRide betreibt bereits Robotaxi-Dienste in mehreren chinesischen Städten sowie in Abu Dhabi und betreut eine Flotte von rund 2000 Fahrzeugen weltweit. Verkehrsexperten beurteilen die Sicherheit der Fahrzeuge als ausgereift, sehen aber offene Fragen bei Haftung und Akzeptanz. Die Stadt Zürich hat den Pilotbetrieb auf zwei Jahre befristet. Bei Erfolg könnte er auf Genf und Bern ausgedehnt werden.


Lionel Messi hat beim WM-Turnier in den USA mit seinem 16. Turniertor den Rekord von Miroslav Klose egalisiert. Der Argentinier erzielte im Gruppenspiel gegen die Ukraine alle drei Tore beim 3:1-Sieg. Messi wird am Turnier im Sommer 39 Jahre alt und hatte angekündigt, es sei sein letzter WM-Auftritt. Die argentinische Mannschaft steht nach zwei Siegen vorzeitig in der K.o.-Runde und trifft am Wochenende auf den Sieger der Gruppe H. In einem anderen Spiel des Tages sorgte ein mutmasslicher Spionage-Vorfall für Aufregung: Eine Drohne wurde über dem nicht-öffentlichen Training Südkoreas abgefangen, bevor sie Aufnahmen machen konnte. Der Weltverband FIFA kündigte eine Untersuchung an.


Eine Hitzewelle erfasst die Schweiz. Ab Mittwoch steigen die Temperaturen verbreitet über 30 Grad, am Donnerstag werden im Mittelland und im Wallis Werte bis 38 Grad erwartet. Meteorologen sprechen von einer der frühesten und intensivsten Hitzewellen seit Messbeginn. In den Alpen sinkt die Schneefallgrenze nur noch auf 3500 Meter, und mehrere Gletschergebiete verzeichnen einen überdurchschnittlichen Schmelzprozess. MeteoSchweiz gab eine Hitzewarnung der Stufe 3 für die Kantone Genf, Waadt und Zürich heraus. Spitäler bereiten sich auf eine Zunahme von Kreislaufproblemen vor. Die SBB empfiehlt, längere Fahrten in den frühen Morgenstunden anzutreten, da gegen Nachmittag die Klimaanlagen in den Zügen an ihre Grenzen stossen.


Die Märkte heute

An den Aktienmärkten liegt der MSCI World Index bei 4844 Punkten, ein Plus von 1,2 Prozent seit dem Vortag. Gold verteuert sich deutlich auf 4365 Dollar pro Unze, ein Anstieg um 3,6 Prozent, getragen von der Iran-Krise und der unsicheren Lage an der Strasse von Hormuz. Bitcoin notiert bei 65'071 Dollar, praktisch unverändert mit einem leichten Minus von 0,8 Prozent. Der Euro wechselt bei 0,9193 Franken den Besitzer, der US-Dollar bei 0,7931 Franken. Der Schweizer Franken bleibt als sicherer Hafen gefragt. Schwergewichte wie Nestlé, Novartis und Roche zeigten sich fester, während die Uhrenwerte unter dem starken Franken litten.


Ausblick auf morgen

Der Donnerstag steht im Zeichen der Iran-Unterzeichnung auf dem Bürgenstock. Bereits am Morgen werden die Delegationen aus Washington und Teheran erwartet, das Rahmenabkommen soll am späten Nachmittag paraphiert werden. In Bern berät der Nationalrat in zweiter Lesung über die AHV-Mehrwertsteuer-Variante. An den Börsen richtet sich die Aufmerksamkeit auf den US-Erzeugerpreisindex für Mai, der um 14:30 Uhr deutscher Zeit veröffentlicht wird. Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft tritt am Abend in St. Gallen zum Länderspiel gegen Österreich an. In Évian endet der G7-Gipfel mit einer Abschlusspressekonferenz. Tour de Suisse, erste Etappe von Aarau, Start um 12:30 Uhr.

WRITE_DONE: news-abend | wörter: 1921 | quellen: 20

Mehr aus dieser Ausgabe

Weiterlesen

Alle 16 Themen →