G7 stützt Iran-Deal in Évian, SpaceX stürmt an die Börse, SMI auf Rekordhoch
G7-Gipfel stützt das amerikanisch-iranische Rahmenabkommen, der Swiss Market Index notiert auf Rekordhoch, und SpaceX stürmt mit plus 11 Prozent zum Börsendebüt an die Weltspitze.
G7 stützt Iran-Deal in Évian, SpaceX stürmt an die Börse, SMI auf Rekordhoch
Die Staats- und Regierungschefs der grossen Industrienationen haben sich am Genfersee demonstrativ hinter das amerikanisch-iranische Rahmenabkommen gestellt und zugleich neue Sanktionen gegen Moskau angekündigt. Derweil katapultiert der Börsengang von SpaceX den Konzern in die Top 5 der Welt, und der Swiss Market Index notiert so hoch wie nie.
G7 bekennen sich zum Iran-Deal und erhöhen den Druck auf Moskau
Zum Abschluss des G7-Gipfels im französischen Évian-les-Bains haben sich die Staats- und Regierungschefs am Mittwoch hinter das amerikanisch-iranische Rahmenabkommen gestellt und einen «sofortigen und festen» Waffenstillstand im Libanon gefordert. Wie aus dem Communiqué hervorgeht, wird eine Koalition unter Führung Grossbritanniens und Frankreichs die Schifffahrt sichern, sobald die Strasse von Hormuz am Freitag wieder öffnen soll. Eine gemeinsame Erklärung sieht zudem verschärfte Sanktionen gegen Russland vor, insbesondere gegen den Öl- und Gassektor. Die Schweiz war als Gastgeberland nicht offiziell am Tisch, Bundespräsident Guy Parmelin durfte aber am Galadinner teilnehmen und traf am Rande des Gipfels unter anderem den US-Präsidenten Donald Trump, Bundeskanzler Friedrich Merz und den ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski. Mit der Einladung Selenskis wollte Frankreich verhindern, dass Trump vor lauter Iran-Krieg das Interesse an der Ukraine verliert (Reuters, SRF).
Iran-Abkommen: 300 Milliarden Dollar Fonds, Unterzeichnung auf dem Bürgenstock
Das am Montag unterzeichnete Memorandum of Understanding zwischen Washington und Teheran umfasst nach Informationen von Reuters einen Wiederaufbaufonds von rund 300 Milliarden Dollar, von dem bereits mehr als die Hälfte zugesagt ist. Das Rahmenabkommen verlängert die im April vereinbarte Waffenruhe um 60 Tage und öffnet die Strasse von Hormuz, durch die normalerweise rund ein Fünftel der globalen Öl-Exporte fliesst. Die formelle Unterzeichnung ist für Freitag auf dem Bürgenstock im Kanton Nidwalden geplant, womit der Kanton nach dem Ukraine-Gipfel von 2024 erneut Schauplatz eines historischen Diplomatietreffens wird. Das iranische Regime spricht von einem diplomatischen Sieg; im Land selbst fällt die Reaktion verhaltener aus, weil viele Iranerinnen und Iraner vor allem auf sinkende Preise und ein Ende der Angst vor einem weiteren Krieg hoffen. Der Krieg hat nach Schätzungen von Reuters mehr als 7'000 Menschenleben gefordert, die meisten davon im Iran und im Libanon. Beobachter in Washington weisen darauf hin, dass Iran weder sein Nuklearprogramm vollständig aufgegeben noch sein ballistisches Raketenarsenal preisgegeben habe; Trump spricht dennoch von einem «historischen Triumph» (Reuters, SRF, NZZ, BBC).
SpaceX schiesst an die Börsenspitze und kauft Cursor
Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX hat am Mittwoch sein Debüt an der Wall Street gefeiert und beim ersten Handelstag ein Plus von rund 11 Prozent verzeichnet. Mit einer Marktkapitalisierung von gegen 700 Milliarden Dollar überholte das Unternehmen Amazon und ist laut BBC neu das fünftwertvollste börsenkotierte Unternehmen der Welt. Der Börsengang umfasst Aktien im Wert von 75 Milliarden Dollar, was ihn zum grössten IPO der Geschichte macht. Den frischen Kapitalregen nutzt SpaceX laut NZZ und Reuters unmittelbar für eine strategische Akquisition: Der Konzern übernimmt das KI-Startup Cursor für 60 Milliarden Dollar, um im Rennen um die besten KI-Modelle gegen Anthropic und Google zu bestehen. Investoren kaufen allerdings weniger SpaceX-Gewinne als vielmehr eine Wette auf Elon Musk selbst, wie der bekannte Investor Michael Burry in einem CNBC-Interview anmerkte. In der Schweiz sind zahlreiche Zulieferer vom SpaceX-Höhenflug betroffen; die Aktien des Halbleiter-Zulieferers Comet aus Flamatt knackten am Mittwoch die Marke von 400 Franken (SRF, BBC, NZZ, CNBC).
Schweizer Wirtschaft: SMI auf Rekordhoch, Straumann hebt Prognose
Der Swiss Market Index notiert am Mittwochmittag bei 13'771,13 Punkten, ein Plus von 0,07 Prozent gegenüber dem Vortag und damit nur noch knapp unter dem im Mai erreichten Allzeithoch. Treiber waren vor allem die Titel von Straumann, die nach einer deutlichen Anhebung der Margenprognose um 8 Prozent stiegen. Der Dentalimplantatehersteller aus Basel rechnet nun mit einer bereinigten EBITDA-Marge von 28 bis 29 Prozent im laufenden Geschäftsjahr 2026. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich rechnet für 2026 mit einem tieferen Wirtschaftswachstum als noch im Frühjahr erwartet; Schuld ist der hohe Ölpreis infolge des Iran-Kriegs. Die Schweizerische Nationalbank bleibt nach Aussagen von J. Safra Sarasin-Chefökonom Karsten Junius vorerst bei ihrer Nullzins-Politik, der Eurokurs von 92 Rappen sei der SNB aber zu extrem gewesen. Eine neue Studie des Schweizerischen Staatssekretariats für Wirtschaft zeigt zudem, dass KI in der Schweiz bereits 850'000 Arbeitsplätze direkt betrifft; das Jobprofil verändert sich rasch (cash.ch, NZZ, SRF).
13. AHV-Rente: Nationalrat erhöht Mehrwertsteuer
Der Nationalrat hat am Mittwoch die Finanzierung der vom Volk beschlossenen 13. AHV-Rente geregelt. Die Räte beschlossen eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um 0,7 Prozentpunkte auf 8,1 Prozent. Damit werden die Mehrausgaben von rund 5 Milliarden Franken pro Jahr aber nur teilweise gedeckt; auf eine Erhöhung der Lohnbeiträge konnten sich die Räte nicht einigen. Fachredaktoren werteten das Resultat als «Mischfinanzierung», die kurzfristig vor dem Scheitern stand. Die Vorlage geht nun an den Ständerat, der sich in der Sommersession mit dem Finanzierungsmodell befasst. Wirtschaftsverbände zeigten sich enttäuscht; die Linke kündigte bereits das Referendum gegen die Vorlage an, sollte der Ständerat nachbessern (SRF).
Schweizer Fintech: Helvo startet, Blackrock-ETF im Gespräch
Im Fintech-Bereich steigt mit Helvo eine neue Neobanking-Plattform für KMU in den Schweizer Markt ein. Das Unternehmen will in den ersten Wochen bereits 5'000 Firmenkunden gewonnen haben. Finews spekuliert derweil über einen möglichen Blockbuster-ETF von Blackrock auf Schweizer Aktien, der noch in diesem Quartal lanciert werden könnte. In der SIX ereignet sich derweil ein personeller Knall: Ein Mitglied der Konzernleitung wirft nach knapp zwei Jahren das Handtuch, offiziell aus persönlichen Gründen (finews.ch).
Mette-Marit nach Lungentransplantation stabil
Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit hat am Mittwoch in Oslo eine erfolgreiche Lungentransplantation erhalten. Das teilt das norwegische Königshaus am Mittag mit. Die 52-Jährige leidet seit Jahren an einer chronischen Lungenfibrose, ihr Zustand hatte sich zuletzt stark verschlechtert. Sie wird nun mehrere Wochen in der Klinik bleiben müssen. Die norwegische Bevölkerung reagierte mit grosser Anteilnahme; auf dem Schlossplatz in Oslo legten Bürgerinnen und Bürger schon am Morgen Blumen nieder (Reuters, SRF).
Jeremy Clarkson an Prostatakrebs erkrankt
Der britische TV-Moderator Jeremy Clarkson hat öffentlich gemacht, dass er an einer aggressiven Form von Prostatakrebs erkrankt ist. Er sei «extrem unglücklich», teilte der 65-jährige ehemalige «Top Gear»-Moderator in seiner neuen Sendung mit und rief Männer ab 50 zu regelmässigen Vorsorgeuntersuchungen auf. Clarkson betreibt eine Farm in den Cotswolds und gehört zu den bekanntesten Fernsehgesichtern Grossbritanniens. Er habe Glück gehabt, dass die Krankheit früh erkannt worden sei, sagte Clarkson in der Sendung (Reuters).
Österreich startet mit mühevollem Sieg in die WM
Österreichs Fussball-Nationalteam ist mit einem 2:1-Sieg über Jordanien in die WM 2026 in den USA, Mexiko und Kanada gestartet. Das entscheidende Tor erzielte Christoph Baumgartner per Elfmeter in der 78. Minute; der zwischenzeitliche Ausgleichstreffer der Jordanier fiel durch ein unglückliches Eigentor von Yazan Al-Arab. Es war ein hart erkämpfter Pflichtsieg für die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick, der den Ballbesitz über weite Strecken an Jordanien abgeben musste. Im Parallelspiel unterlag England um Trainer Thomas Tuchel Kroatien mit 1:2, ein Ergebnis, das die «Three Lions» unter Druck setzt. Lionel Messi glänzte derweil mit einem Hattrick beim 3:0 Argentiniens gegen Algerien und egalisierte mit den WM-Treffern 14, 15 und 16 den Rekord von Miroslav Klose (Tagesschau, SRF).
EZB erhöht Leitzins, Fed unter neuem Chef vor erster Entscheidung
Die Europäische Zentralbank hat ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 2,25 Prozent angehoben. Es ist die erste Zinserhöhung seit 2023 und eine direkte Folge der inflationären Wirkung des Iran-Kriegs auf die Energiepreise. EZB-Präsidentin Christine Lagarde bezeichnete den Schritt als «nötig, um die mittelfristigen Inflationserwartungen zu verankern». Unterdessen bereitet sich die US-Notenbank Fed auf ihren ersten Zinsentscheid unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh vor; fallende Ölpreise nach dem Iran-Deal verschaffen ihm zusätzlichen Spielraum. Warsh war im Februar von Trump nominiert worden und gilt als Falke in der Geldpolitik; der Zinsentscheid wird heute Abend um 20 Uhr Schweizer Zeit erwartet (SRF, Tagesschau, CNBC).
Benko neu angeklagt, Patek-Philippe-Patron gestorben
In Wien muss sich der frühere Signa-Gründer René Benko in einem dritten Strafprozess verantworten, diesmal wegen Betrugs und einer Geschäftsbeziehung rund um ein wertvolles Jagdgewehr. Die Anklage wirft ihm vor, kurz vor der Signa-Pleite Vermögenswerte beiseite geschafft zu haben. In Genf ist Philippe Stern, langjähriger Patron der Uhrenmanufaktur Patek Philippe, im Alter von 87 Jahren gestorben. Stern hatte die Manufaktur durch die Quarzkrise der 1970er Jahre geführt und die industrielle Basis des Unternehmens massiv ausgebaut. Unter seiner Ägide wurde Patek Philippe zur wertvollsten Uhrenmarke der Welt; sein Sohn Thierry führt das Unternehmen heute weiter (NZZ).
Russische Fregatte feuert Warnschüsse im Ärmelkanal
Eine russische Fregatte hat am Dienstag in der Meerenge zwischen England und Frankreich Warnschüsse auf eine britische Segeljacht abgefeuert, um eine Kollision zu verhindern. Das russische Verteidigungsministerium sprach von einem «gefährlichen Kurs» der Jacht; die Besitzer widersprachen und erklärten, sie hätten den Kurs rechtzeitig geändert. Der britische Premierminister Keir Starmer nannte den Vorfall «rücksichtslos». Die Fregatte gehört zur russischen Schattenflotte, die westliche Sanktionen umgeht. Separat verhängten die G7 neue Sanktionen gegen Russland wegen des andauernden Krieges in der Ukraine; bei russischen Angriffen auf Saporischschja und Slowjansk starben in der Nacht auf Mittwoch mindestens vier Menschen (Reuters, BBC, Tagesschau).
Die Märkte heute
Der Swiss Market Index notiert bei 13'771,13 Punkten, ein Plus von 0,07 Prozent gegenüber dem Vortag. Der MSCI World steht bei 4'846,18 Punkten, ein Plus von 1,21 Prozent seit der letzten Berechnung. Gold kostet 4'338,20 Dollar pro Unze, ein Plus von 2,92 Prozent; umgerechnet zum Wechselkurs von 0,7956 USD/CHF entspricht das rund 3'451 Franken. Bitcoin wechselt bei 64'918 Dollar den Besitzer, ein Minus von 2,96 Prozent innert 24 Stunden, in Franken rund 51'650. Der Euro steht bei 0,9224 Franken, der US-Dollar bei 0,7956 Franken.
Ausblick
Am Nachmittag stehen die EZB-Pressekonferenz sowie die Veröffentlichung weiterer Konjunkturdaten aus den USA im Fokus. Am Abend um 20 Uhr Schweizer Zeit veröffentlicht die US-Notenbank Fed ihren Zinsentscheid unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh; Marktbeobachter rechnen mit einem Zinsschritt um 0,25 Prozentpunkte. Morgen Donnerstag beginnt in der Schweiz die Sommersession des Parlaments mit der zweiten Kammer; im Zentrum steht die AHV-Vorlage. Am Freitag wird das Iran-Abkommen auf dem Bürgenstock feierlich unterzeichnet; zeitgleich öffnet die Strasse von Hormuz wieder für den internationalen Schiffsverkehr.