Trump pokert um Iran-Deal, G7 erhöht Druck auf Moskau, SNB hält Distanz zur EZB
Iran-Memorandum soll am Genfersee unterzeichnet werden, SpaceX übernimmt KI-Startup für 60 Milliarden Dollar, Bank of Japan hebt Zins auf 31-Jahres-Hoch.
Trump pokert um Iran-Deal, G7 erhöht Druck auf Moskau, SNB hält Distanz zur EZB
Die Nachricht des Tages kommt aus dem französischen Évian, wo die G7-Staaten ihre Beratungen über die Ukraine fortsetzen. Zeitgleich arbeitet Washington an der politischen Absicherung des vor knapp einer Woche angekündigten Abkommens mit Iran, das am Genfersee unterzeichnet werden soll. An den Börsen setzt Gold seinen Höhenflug fort, der MSCI World notiert fester, während der Dollar zum Franken nachgibt. Im Hintergrund verändert sich die geldpolitische Weltordnung: Die Bank of Japan erhöht ihren Leitzins auf das höchste Niveau seit 31 Jahren, die Schweizerische Nationalbank geht eigene Wege, und in den USA wird der Druck auf die grossen KI-Konzerne spürbar grösser.
Iran und USA: Trump will Kongress einbinden, Genf als Unterschriftsort. US-Präsident Donald Trump hat am Dienstag am Rande des G7-Gipfels im französischen Évian-les-Bains signalisiert, dass er das Memorandum of Understanding mit Iran dem Kongress zur Prüfung vorlegen will. Das vorläufige Abkommen verlängert den Waffenstillstand zwischen Washington und Teheran um 60 Tage und schafft einen Rahmen für weitere Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm. Eine bilaterale Begegnung Trumps mit dem Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, Mohammed bin Zayed Al Nahyan, unterstrich die regionale Dimension des Deals. Der Senatsmehrheitsführer John Thune erklärte, er sei bisher nicht über ein Briefing informiert worden. Für die Schweiz ist der Vorgang direkt relevant: Wie aus Diplomatenkreisen in Genf verlautet, soll die formelle Unterzeichnung am Genfersee stattfinden, ein Schauplatz mit langer Tradition für internationale Abkommen. Genf war bereits Schauplatz mehrerer historischer Vereinbarungen, darunter das Genfer Abkommen von 1954 und die Genfer Konventionen, und gilt als neutraler Boden par excellence. Die Schweiz spielt in den Verhandlungen eine Rolle als Schutzmacht, die während der vergangenen Jahre die diplomatischen Kanäle zwischen den USA und Iran offengehalten hat (CNBC, Al Jazeera).
G7 in Évian: Selenskyj dabei, Moskau unter Druck. Das Gipfeltreffen der grossen demokratischen Wirtschaftsmächte, das am Montagabend mit einem informellen Empfang begonnen hat, steht am Dienstag im Zeichen der Ukraine. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist nach Évian gereist, um für eine Intensivierung der westlichen Unterstützung zu werben. Die G7-Mitglieder Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, Italien, Japan, Kanada und die USA beraten über neue Sanktionsinstrumente gegen Russland und über konkrete Sicherheitsgarantien für Kiew. Trump war erst am Sonntag mit der Iran-Einigung in Évian eingetroffen und hatte mit seiner Ankunft die Spannung auf dem Treffen erhöht. Aus dem deutschen Regierungskreis heisst es, der Bundeskanzler werde sich am Mittwoch mit Selenskyj zu einem bilateralen Gespräch treffen, um die nächsten Schritte der militärischen und finanziellen Unterstützung abzustimmen. Am Rande des Gipfels war zudem von einer möglichen Ausweitung der Sanktionen auf die verbliebenen europäischen Käufer von russischem Öl die Rede, falls Moskau nicht binnen Wochen konkrete Zugeständnisse macht (Tagesschau, FAZ).
Orbán: Ungarisches Parlament begrenzt Amtszeit auf acht Jahre. Das Budapester Parlament hat mit einer verfassungsändernden Mehrheit eine Rückkehr von Ministerpräsident Viktor Orbán blockiert. Künftig ist die Amtszeit eines Ministerpräsidenten auf maximal acht Jahre begrenzt, eine Regelung, die in der ungarischen Verfassung neu verankert wurde. Orbán regiert seit 2010 ununterbrochen, ein Ende der Ära ist damit nicht vorgesehen, ein Comeback nach einer Pause aber ausgeschlossen. Die Opposition sprach von einem Machtsicherungsgesetz, die Regierung bezeichnete den Schritt als Modernisierung der Demokratie. In Brüssel wird die Entscheidung aufmerksam beobachtet, da Budapest seit Jahren im Dauerstreit mit der EU-Kommission liegt. Die EU-Kommission hatte in den vergangenen Monaten wiederholt rechtliche Schritte gegen die ungarische Regierung eingeleitet, unter anderem wegen der Einschränkung der Pressefreiheit und der Unabhängigkeit der Justiz. Beobachter in Wien werten den Budapester Vorstoss als Versuch, die Blockadehaltung gegenüber Brüssel langfristig abzusichern (BBC, FAZ).
SpaceX übernimmt KI-Coding-Startup für 60 Milliarden Dollar. Wenige Tage nach dem fulminanten Börsengang hat Elon Musks Raumfahrtkonzern SpaceX den nächsten grossen Coup gelandet. Wie aus Finanzkreisen verlautet, übernimmt das Unternehmen ein junges KI-Coding-Startup, der Kaufpreis liegt bei rund 60 Milliarden Dollar. SpaceX hatte beim IPO eigenen Angaben zufolge 10 Milliarden Dollar mehr eingenommen, als zunächst angenommen worden war, was die Marktkapitalisierung des Konzerns deutlich über 800 Milliarden Dollar hebt. Mit dem Zukauf baut der Konzern sein KI-Geschäft deutlich aus und positioniert sich als direkter Konkurrent zu Microsoft, Google und Anthropic im lukrativen Markt für Programmier-Assistenten. Branchenkenner werten den Schritt als Zeichen dafür, dass sich die grossen Tech-Konzerne zunehmend selbst als Plattformen für KI-Entwicklung positionieren, anstatt sich auf externe Anbieter zu verlassen. An der Börse legte die SpaceX-Aktie nach Bekanntwerden des Deals weiter zu (BBC, Süddeutsche Zeitung).
Fox übernimmt Roku für 22 Milliarden Dollar. Der US-Medienkonzern Fox übernimmt den Streaming-Anbieter Roku in einem 22-Milliarden-Dollar-Deal. Roku betreibt eine der grössten Streaming-Plattformen Nordamerikas mit Millionen von Endgeräten in US-Haushalten und liefert Inhalte von Netflix, Disney+ und HBO. Für Fox eröffnet die Übernahme den direkten Zugang zu einer werberelevanten Zielgruppe jenseits des klassischen Kabelgeschäfts, das seit Jahren unter Abwanderung leidet. Der Deal reiht sich ein in eine Welle grosser Übernahmen im US-Mediensektor, ausgelöst durch den anhaltenden Konsolidierungsdruck. Auch für europäische Wettbewerber hat die Transaktion Signalwirkung, da die grossen amerikanischen Medienhäuser ihre Streaming-Strategien zunehmend vertikal integrieren (BBC Business).
Japan hebt Leitzins auf 31-Jahres-Hoch. Die Bank of Japan hat ihren Leitzins auf den höchsten Stand seit 31 Jahren angehoben. Die Notenbank reagiert damit auf die hartnäckige Inflation und auf den anhaltenden Lohndruck im Inland. Der Schritt markiert einen weiteren Meilenstein in der geldpolitischen Normalisierung Japans, das jahrelang mit Nullzinsen und Anleihenkäufen gegen die Deflation angekämpft hatte. An den asiatischen Devisenmärkten legte der Yen unmittelbar zu, der Nikkei gab leicht nach. Die Entscheidung wird in Frankfurt und Washington mit Aufmerksamkeit verfolgt, weil sie die globalen Zinsdifferenzen weiter verschiebt und die Attraktivität von Yen-Anlagen für internationale Investoren erhöht. Für Schweizer Anleger ist die Entscheidung relevant, weil japanische Staatsanleihen als sicherer Hafen eine Alternative zu Schweizer Franken bieten (BBC Business, Reuters via Spiegel).
Anthropic trifft US-Regierung nach KI-Tool-Suspendierung. Das KI-Unternehmen Anthropic hat sich für ein Spitzentreffen mit der US-Regierung angesagt, nachdem die Behörden eines der KI-Tools des Unternehmens vorübergehend suspendiert hatten. Hintergrund sind Berichte über Sicherheitsbedenken, insbesondere im Hinblick auf den Einsatz in sensiblen Behördenumgebungen. Anthropic gehört neben OpenAI und Google DeepMind zu den führenden Entwicklern grosser Sprachmodelle und steht unter wachsendem Druck, sowohl Sicherheits- als auch Wettbewerbsfragen zu klären. Das Treffen in Washington gilt als Test für die künftige Zusammenarbeit zwischen der KI-Branche und der Bundesregierung. Die Vorgeschichte ist bemerkenswert: Anthropic hatte in den vergangenen Monaten mehrfach vor den Risiken unkontrollierter KI-Nutzung gewarnt und sich als Vorreiter in Sachen Sicherheitsforschung positioniert. Die Suspendierung kommt ausgerechnet in einer Phase, in der das Unternehmen mit der britischen Regierung eine Partnerschaft zur KI-gestützten Verwaltungsmodernisierung vorbereitet (BBC Business, CNBC).
Hormuz bleibt blockiert: Schiffe fahren nicht, Öl fällt trotzdem. Trotz der diplomatischen Annäherung zwischen Washington und Teheran läuft der Schiffsverkehr durch die Strasse von Hormuz noch nicht wieder in vollem Umfang. Versicherer und Reeder warten auf verbindliche Sicherheitsgarantien, bevor sie die wichtigste Öl-Wasserstrasse der Welt wieder vollständig befahren. Gleichzeitig sind die Ölpreise weiter gefallen, weil der Markt die bisher erzielte Teileinigung als Teillösung wertet. Beobachter sehen darin ein Zeichen dafür, dass die tatsächliche Rückkehr der iranischen Ölexporte noch Monate dauern wird. Für die Schweiz ist die Entwicklung relevant, weil der Genfer Rohstoffhandel unmittelbar mit der Hormuz-Route verbunden ist und die Handelsplätze in Genf und Zug zu den wichtigsten Drehscheiben für iranisches Öl zählen. Die NZZ hatte am Montag auf den verzögerten Effekt für den Persischen Golf hingewiesen (BBC Business, NZZ).
Russischer Künstler in Polen erschossen. In Polen ist ein bekannter russischer Künstler und Putin-Kritiker erschossen worden. Die polnische Polizei bestätigte den Tod des Mannes, der vor einigen Jahren aus Russland geflohen war und in Warschau im Exil lebte. Einzelheiten zu Motiv und Tätern wurden zunächst nicht veröffentlicht. Die polnischen Sicherheitsbehörden ermitteln in alle Richtungen, ein politischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen. Der Fall erinnert an frühere Vorfälle mit russischen Oppositionellen im westlichen Exil, mehrere Morde und mutmassliche Vergiftungen in London und Berlin sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Polen hatte nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine die Einreisebestimmungen für russische Staatsbürger verschärft und den Geheimdienstapparat neu aufgestellt (BBC, FAZ).
Fussball-WM: Frankreich, Argentinien und Norwegen steigen ein, Klopp sorgt für Diskussionen. Bei der Fussball-Weltmeisterschaft in Nordamerika steigen am Dienstagabend und in der Nacht auf Mittwoch mehrere europäische Spitzenmannschaften in den Wettbewerb ein. Frankreich trifft in der ersten Partie auf einen aussereuropäischen Gruppengegner, Argentinien startet als Titelverteidiger in die Mission Titelverteidigung. Norwegen bestreitet sein erstes Spiel mit dem formsstarken Erling Haaland im Kader. Abseits des Platzes sorgt der frühere Liverpool-Trainer Jürgen Klopp für Diskussionen, der für den deutschen Fernsehsender ZDF als Experte im Einsatz ist und sowohl in den sozialen Medien als auch von Fachbeobachtern heftig kritisiert wird, weil er aus Sicht vieler Beobachter faktisch die Rolle des Bundestrainers für die kommende EM übernimmt. Unterdessen hat Uruguays Nationaltrainer Marcelo Bielsa ein bizarres Fotoshooting verteidigt, das nach Ansicht der FIFA gegen die WM-Statuten verstösst. Die Schweizer Fans verfolgen die Spiele mit gemischten Gefühlen, die Nati ist nach der verpassten Qualifikation erstmals seit Jahrzehnten nicht dabei (FAZ, Spiegel, BBC).
Schweizerische Nationalbank: eigene Wege, Distanz zur EZB. Die Schweizerische Nationalbank wird sich der Zinswende der Europäischen Zentralbank kaum anschliessen. Das geht aus einer Analyse der Wirtschaftsprüfungs- und Researchhäuser hervor, die auf den geldpolitischen Sonderweg der Schweiz hinweisen. Während die EZB im laufenden Jahr den Leitzins weiter senkt, hält die SNB an ihrer zurückhaltenden Linie fest, begründet durch die hartnäckige Inflation im Inland und den starken Franken. Für die Schweizer Wirtschaft hat das Folgen: Frankenkredite bleiben relativ teuer, die Bauwirtschaft leidet unter den anhaltend hohen Finanzierungskosten, die exportorientierte Industrie profitiert vom starken Wechselkurs. Die SNB-Sitzung im Juni wird am Donnerstag erwartet, Beobachter rechnen mit einer unveränderten Geldpolitik. Die Frage, wann die SNB nachzieht, hängt eng mit der Entwicklung des Wechselkurses zusammen, ein starker Franken reduziert den importierten Preisdruck und damit den Handlungsdruck der Notenbank (NZZ, finews).
Philippe Stern, Patron von Patek Philippe, gestorben. Die Genfer Uhrenwelt trauert um Philippe Stern, den langjährigen Patron der Manufaktur Patek Philippe. Stern, der das Unternehmen über Jahrzehnte in eine der wertvollsten Marken der Schweizer Luxusindustrie geführt hatte, ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Unter seiner Ägide entwickelte sich Patek Philippe zum Inbegriff des mechanischen Schweizer Uhrbaus, mit Wartelisten, die für viele Modelle mehrere Jahre betragen. Sterns Familie hält über die Stern-Frères-Gruppe weiterhin die Mehrheit an Patek Philippe, der Uhrenkonzern Richemont gehört zu den wichtigsten Marktteilnehmern. Der Tod kommt in einer Phase, in der die Schweizer Uhrenexporte unter dem schwachen China-Geschäft leiden und der Genfer Konzern in einem zunehmend schwierigen Marktumfeld agiert. Branchenkenner sehen in der Nachfolge eine der zentralen Fragen für die kommenden Jahre, da die vierte Generation der Familie Stern noch keine vergleichbare Rolle in der Führung des Unternehmens übernommen hat (NZZ, Handelszeitung).
Indien sperrt Telegram bis Montag. Die indische Regierung hat den Messenger-Dienst Telegram bis Montag landesweit blockiert. Hintergrund ist ein Skandal um durchgesickerte Prüfungsfragen, bei dem Telegram-Gruppen eine zentrale Rolle gespielt haben sollen. Betroffen sind mehrere Millionen Nutzer im zweitgrössten asiatischen Markt. Telegram hatte in den vergangenen Jahren in Indien stark zugelegt, weil der Dienst in mehreren Wellen mit WhatsApp konkurrierte. Für die Schweiz ist der Vorgang insofern relevant, als mit Telegram, Signal und Threema auch europäische Anbieter direkt betroffen sind, wenn autoritäre Regierungen Druck auf westliche Messengerdienste ausüben. Der Fall verdeutlicht die politische Brisanz globaler Kommunikationsplattformen und die Risiken, die mit der Konzentration von Nutzerdaten bei einzelnen Anbietern verbunden sind (BBC, Al Jazeera).
Die Märkte. Gold notiert am Dienstag bei 4'345 Dollar pro Unze, ein Plus von 6,2 Prozent seit Freitag, der höchste Stand seit Wochen. Der MSCI World steigt um 2,4 Prozent auf 4'857 Punkte, gestützt von der Iran-Einigung und den Asien-Gewinnen nach der japanischen Zinsentscheidung. Bitcoin fällt um 1,4 Prozent auf 65'669 Dollar, die Korrektur fällt moderat aus. Der Euro notiert bei 0,9224 Franken, der US-Dollar bei 0,7956 Franken, womit der Franken gegenüber beiden Hauptwährungen leicht nachgibt.
Ausblick auf Mittwoch. Die SNB veröffentlicht am Mittwochmorgen ihre geldpolitische Lagebeurteilung, die Märkte rechnen mit unveränderten Leitzinsen. In Évian endet der G7-Gipfel mit einer gemeinsamen Erklärung, der Fokus liegt auf dem Ukraine-Krieg und der China-Politik. Bei der Fussball-WM 2026 steigen mehrere europäische Teams in die K.o.-Runde ein, darunter Frankreich, Norwegen und Argentinien. In Warschau werden weitere Details zum Mord am russischen Künstler erwartet, die polnische Regierung hat eine Sondersitzung des Nationalen Sicherheitsrats angekündigt. In Washington beginnt das Spitzentreffen zwischen Anthropic und der US-Regierung zur KI-Sicherheit, mit Spannung werden die konkreten Auflagen erwartet. Die Schweizer Börse SMI öffnet um 9:00 Uhr, Analysten rechnen mit einem freundlichen Start nach den asiatischen Vorgaben.