Warum ein 193 Kilometer langer Wasserstrich zwischen Afrika und Asien mehr Macht über den Welthandel hat, als den meisten Ländern lieb sein darf.
Rund 9,6 Milliarden US-Dollar an Waren wandern durchschnittlich pro Tag durch den Suezkanal. Im März 2021 lag dieser Verkehr sechs Tage lang still, weil ein 400 Meter langer Frachter sich querlegte. Ein einziger Havarist, eine Wetterbö, ein Fehler beim Navigieren. Die Weltwirtschaft spürte es, bevor die Sachverständigen in Kairo die Bilanz ziehen konnten. Genau in dieser Verwundbarkeit steckt die Geschichte des Kanals: ein Bauwerk, das seit mehr als 150 Jahren den globalen Handel trägt und seit ebenso vielen Jahren eine Einladung an Konflikte, Nationalismus und geopolitische Erpressung ist.