Iran-Deal, Börsenrally und Schweizer Blue-Chips im Höhenflug
Die wichtigsten Signale des Vormittags: Ein historischer Waffenstillstand kündigt sich an, der Dax durchbricht die 25'000, und die Schweizer Börse erlebt einen ihrer stärksten Tage des Quartals.
Iran-Deal, Börsenrally und Schweizer Blue-Chips im Höhenflug
Die wichtigsten Signale des Vormittags: Ein historischer Waffenstillstand kündigt sich an, der Dax durchbricht die 25'000, und die Schweizer Börse erlebt einen ihrer stärksten Tage des Quartals.
Die USA und der Iran haben sich auf eine Absichtserklärung für ein Friedensabkommen geeinigt. Die offizielle Unterzeichnung ist für Freitag, 19. Juni 2026, in der Schweiz geplant. US-Präsident Donald Trump hatte das Abkommen am späten Sonntagabend über Truth Social verkündet, Irans Vize-Aussenminister Kasem Gharibabadi sprach von einem sofortigen und dauerhaften Ende des Krieges, einschliesslich im Libanon. Vermittelt wurde der Deal durch Pakistan, dessen Premierminister Shehbaz Sharif die Einigung bestätigte. Trump genehmigte zudem die gebührenfreie Öffnung der Strasse von Hormus sowie die sofortige Aufhebung der US-Seeblockade. Der Ölpreis brach daraufhin ein: Brent verlor knapp 5 Prozent auf 83,75 US-Dollar pro Barrel, der niedrigste Stand seit dem 10. März, WTI fiel um fast 6 Prozent auf rund 80 US-Dollar. Für die Schweiz als Unterzeichnungsort und mit ihrer grossen Tankerflotte im Persischen Golf bekommt der Deal eine besondere wirtschaftliche Note.
Der deutsche Leitindex Dax ist am Morgen über die Marke von 25'000 Punkten gesprungen. Im ersten Handelsabschnitt legte er 1,8 Prozent auf 25'073 Zähler zu, der MDax stieg sogar um 2,7 Prozent auf 32'932 Punkte, der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 markierte mit einem Plus von 1,3 Prozent einen erneuten Rekordstand. Als Treiber gelten die Iran-Entspannung, die Erholung der asiatischen Börsen und der Rekord-Börsengang von SpaceX am vergangenen Freitag. Metzler-Analyst Yannik Mosbach warnte allerdings, dass bis zur Unterzeichnung am Freitag noch Detailfragen offen seien. In dieser Woche stehen Zinsentscheide in den USA, Japan, Grossbritannien und der Schweiz an, und der nachgebende Ölpreis reduziert den Inflationsdruck, auch für die Schweizerische Nationalbank am Donnerstag.
An der Schweizer Börse herrscht Kursfeuerwerk. Der Swiss Market Index (SMI) stieg kurz nach Handelsbeginn um über 1,1 Prozent, der Swiss Performance Index (SPI) zog parallel mit. Im SMI legten Sika 4,5 Prozent zu, Amrize 3,9 Prozent, Partners Group 3,4 Prozent, Richemont, Holcim und Geberit jeweils über 3 Prozent; einzig Swisscom mit minus 0,4 Prozent und Roche mit minus 0,2 Prozent schlossen im Minus. In der zweiten Reihe stachen Belimo mit plus 5,8 Prozent hervor, nachdem Morgan Stanley die Aktie von Neutral auf Overweight hochgestuft und das Kursziel von 860 auf 1'100 Franken angehoben hatte. Der Flughafen Zürich legte 5,4 Prozent zu, SoftwareOne 5,3 Prozent. Holcim erhielt von Octavian ein neues Kursziel von 80 Franken, nach zuvor 75 Franken. Die Hochstufung Belimos ist ein konkretes Signal aus dem Sell-Side, der Flughafen-Anstieg reflektiert die Inbetriebnahme des neuen Noida International Airport bei Delhi.
Der vom Flughafen Zürich entwickelte Noida International Airport in der Grossregion Delhi hat am Montag den kommerziellen Passagierbetrieb aufgenommen. Der erste Linienflug von Indigo aus Lucknow landete am Morgen, der Hochlauf erfolgt allerdings in einem anspruchsvollen Umfeld mit dem Nahost-Konflikt, Luftraumsperrungen und gestiegenen Treibstoffkosten. Die im März kommunizierte Konzern-Finanzprognose bleibt unverändert, detailliertere Angaben folgen mit den Halbjahreszahlen. Flughafen Zürich ist die wichtigste Drehscheibe im DACH-Luftverkehr, die Noida-Beteiligung gilt als grösstes Auslandsengagement des Unternehmens.
Der Blechbearbeitungsmaschinen-Hersteller Bystronic aus der Schweiz hat am Morgen seine Erwartungen für 2026 gesenkt. Für das Gesamtjahr wird zwar ein Nettoumsatz über Vorjahresniveau erwartet, eine Profitabilitätsverbesserung gegenüber 2025 wird hingegen nicht mehr angestrebt. Im frühen Handel brach die Aktie um 6,64 Prozent auf 168,80 Franken ein. Als Gründe nannte das Unternehmen eine anhaltend schwache Nachfrage nach Laserlösungen, Preisdruck und längere Vorlaufzeiten bei automatisierten Lösungen. Bystronic ist ein wichtiger Indikator für den europäischen Industriegüterzyklus und ein Frühindikator für die Auftragslage der Schweizer Maschinenindustrie. Die Halbjahreszahlen am 23. Juli werden mit Spannung erwartet.
Die Hypothekarzinsen in der Schweiz steigen weiter. Laut einer am Montag publizierten Erhebung von Moneypark und Helvetia kletterten die Richtsätze für 5-Jahres-Hypotheken seit Anfang März um 26 Basispunkte auf 1,69 Prozent, für 10-Jahres-Hypotheken um 18 Basispunkte auf 1,98 Prozent. Die Top-Sätze bei guter Bonität erreichten 1,26 Prozent (5 Jahre) und 1,53 Prozent (10 Jahre). Stabil blieben einzig die Saron-Hypotheken, die nun verstärkt als Warteraum für einen späteren Wechsel in attraktive Festhypotheken genutzt werden. Die Studienautoren warnen vor einem unsanften Erwachen bei einem plötzlichen Zinsanstieg, international mehren sich die Anzeichen für ein strukturell höheres Zinsumfeld. Die Daten sind ein direkter Indikator für die Schweizer Bau- und Immobilienkonjunktur und ein Signal an die SNB, dass der Markt trotz EZB-Senkungserwartung von einem anhaltend höheren Zinsniveau in der Schweiz ausgeht.
Die italienische Grossbank UniCredit hat den Commerzbank-Vorstand in Frankfurt öffentlich beschuldigt, fortgesetzt unzutreffende und irreführende Informationen zu dem als feindlich eingestuften Übernahmeangebot zu verbreiten. UniCredit hält eigenen Angaben zufolge knapp zwölf Prozent an der Commerzbank, vor allem über Derivate. UniCredit wies Vorwürfe zurück, die gelieferten Aktien seien über Leihgeschäfte künstlich aufgebläht, und argumentiert, ein Zusammenschluss von HypoVereinsbank und Commerzbank bringe erhebliche Vorteile für Aktionäre, Stakeholder und den Standort Deutschland. Insidern zufolge könnten die Derivate-Partner über Incentives zur Andienung weiterer Aktien verfügen. UniCredit ist seit Jahren die grösste ausländische Aktionärin der Commerzbank, einer zentralen DACH-Grossbank mit starkem KMU-Geschäft. Der Konflikt ist ein Lackmustest für die europäische Bankenkonsolidierung, den auch Raiffeisen Schweiz, J. Safra Sarasin und Pictet aufmerksam beobachten.
In Évian am Genfersee beginnt am Montag der G7-Gipfel. Bis Mittwoch, 17. Juni, treffen sich die Staats- und Regierungschefs von Deutschland unter Kanzler Friedrich Merz, Frankreich unter Präsident Emmanül Macron als Gastgeber, Grossbritannien, Italien, Japan, Kanada und den USA. Trump trifft Macron um 17:30 Uhr bilateral, am Abend folgt ein Arbeitsessen zu internationalen Krisen, am Dienstag steht die Ukraine auf der Tagesordnung. Die Hilfsorganisation Oxfam kritisiert parallel, die G7 hätten die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit zwischen 2024 und 2025 um 48 Milliarden US-Dollar gekürzt, die grössten Kürzungen in der Geschichte der Gruppe. Oxfam beziffert die Zusatzgewinne der Ölkonzerne während des Iran-Kriegs auf rund 400 Millionen US-Dollar pro Tag. In Genf verliefen die Anti-G7-Demonstrationen am Sonntag teilweise gewaltsam, es kam zu Sachbeschädigungen und einem brennenden Auto. Für die Schweiz als Unterzeichnungsort des Iran-Abkommens am 19. Juni ist das Treffen am Genfersee direkt geschäfts- und aussenpolitisch relevant.
Das Schweizer Stimmvolk hat am Sonntag die SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» mit knapp 55 Prozent Nein-Stimmen abgelehnt. Die Vorlage wollte die ständige Wohnbevölkerung durch eine aktivere Migrationssteuerung plafonieren. Am gleichen Tag demonstrierten in Zürich und anderen Schweizer Städten Tausende am Frauenstreik für Gleichberechtigung, vereinzelt kam es zu Sachbeschädigungen. Die Abstimmung ist die migrations- und wirtschaftspolitisch wichtigste Entscheidung des Jahres für die Schweiz. Sie bestätigt den freizügigkeitsbasierten Arbeitsmarkt und gibt dem Wirtschaftsstandort, der Rekrutierung von Fachkräften und den bilateralen Beziehungen zur EU Stabilität. Der DACH-Raum beobachtet die direkte Demokratie der Schweiz traditionell als Stimmungsindikator für eigene Migrationsdebatten.
In der Fussball-Weltmeisterschaft sorgt der Auftakt für Gesprächsstoff. Florian Wirtz, Alexander Isak und Yan Diomande glänzen beim Turnier und wecken das Interesse von Liverpool unter dem neuen Trainer Andoni Iraola, wie die britische Sportpresse am Montag berichtet. Zeitgleich feiert Graham Potter, der im September noch bei West Ham entlassen worden war, mit seiner Nationalmannschaft einen erfolgreichen WM-Start. Beim UFC-Spektakel auf dem Rasen des Weissen Hauses, das am Wochenende zeitgleich mit Trumps 80. Geburtstag stattfand, siegte der US-Amerikaner Justin Gäthje. Das Spektakel unterstreicht die zunehmende Verschmelzung von Sport, Politik und Show im US-Präsidentschaftswahlkampf 2026.
Bei der britischen Regulierung von sozialen Medien zeichnet sich eine der härtesten Einschränkungen in einer westlichen Demokratie ab. Die Massnahmen sehen vor, dass Apps wie TikTok und Snapchat für britische Teenager Anfang 2027 gesperrt werden. Die Details der Altersverifizierung und der Sperrmechanismen werden in den kommenden Wochen erwartet. Für Schweizer Anbieter von Jugendschutz-Lösungen und für die in Zürich ansässigen Social-Media-Plattformen ist die britische Regulierung ein wichtiger Präzedenzfall, der über die EU-Kommission mittelfristig auch in den EWR-Raum ausstrahlen könnte.
Die Märkte heute: Der Swiss Market Index notiert bei 13'500 Punkten (Wert gerundet, Stand 09:00 UTC), der MSCI World bei 4'806 Zählern, ein Plus von 2,63 Prozent. Gold kostet 4'359 US-Dollar die Unze, ein Plus von 6,1 Prozent, umgerechnet rund 3'473 Franken. Bitcoin wechselt bei 65'648 US-Dollar den Besitzer, ein Plus von 1,9 Prozent auf 24-Stunden-Sicht, das entspricht rund 52'310 Franken. Der Euro steht bei 0,9217 Franken, der US-Dollar bei 0,7968 Franken.
Ausblick: Am Dienstag rücken die ukrainische Gegenoffensive und die weitere Vorbereitung des Iran-Gipfels in Évian in den Vordergrund. Am Mittwoch beschliesst die US-Notenbank Federal Reserve ihren Zinsentscheid, am Donnerstag folgt die Schweizerische Nationalbank mit ihrer geldpolitischen Lagebeurteilung. Am Freitag schliesslich die Unterzeichnung des Iran-Friedensabkommens in der Schweiz. Im Fokus der Schweizer Investoren bleiben Bystronic nach der Gewinnwarnung und die Halbjahreszahlen von Flughafen Zürich, die in der zweiten Julihälfte anstehen.
Wetter zum Mittag: In Zürich 21 Grad und sonnig bei schwachem Westwind, Höchstwert 26 Grad, trocken. In Bern 21 Grad und leicht bewölkt, maximal 25 Grad, trocken. In Basel 20 Grad, meist klar, Höchstwert 27 Grad, morgen Schauer möglich. In Genf 22 Grad und sonnig, Höchstwert 28 Grad. In Lugano 26 Grad, klar, Höchstwert 29 Grad, am Abend Gewitter möglich. In den Alpen oberhalb von 2'000 Metern bleibt es winterlich mit Temperaturen um den Gefrierpunkt.