Aus dem Sonntag in den Sonntag: die Entwicklungen des Vormittags, ein ruhiger Markt und ein Spitzensonntag für die Schweizer Demokratie.
Die Schweizer Stimmbevölkerung entscheidet heute über die Volksinitiative «Nachhaltige und gerechte Bevölkerungspolitik» der SVP, die einen Deckel von 10 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern in der Verfassung verankern will. Der Bundesrat hat im Vorfeld einen direkten Gegenentwurf präsentiert, der ohne fixe Obergrenze auskommt und stattdessen auf eine zyklische Berichterstattung an das Parlament setzt. Beide Vorlagen kommen zur Abstimmung, daneben liegen die «Bürgerlichen»-Vorlage zur AHV und ein Referendum gegen den Ausbau der Pisten am Flughafen Zürich auf dem Tisch. Die Stimmbeteiligung liegt laut Hochrechnungen am Mittag bei rund 42 Prozent, deutlich höher als im Durchschnitt der letzten fünf Urnengänge. Wirtschaftsverbände und Gewerkschaften haben in den letzten Wochen mit einer gemeinsamen Kampagne vor einem Ja zur SVP-Initiative gewarnt, Economiesuisse spricht von einem «Rezept für Chaos» für Spitäler und Hotels Hintergrund: Die Schweiz hat ihre Wohnbevölkerung seit 2002 von 7,3 auf 9,1 Millionen gesteigert, ein Plus von rund 25 Prozent. Ein Ja zur SVP-Initiative würde die Bilateralen Abkommen mit der EU unter Druck setzen, da die Personenfreizügigkeit zentraler Pfeiler ist. Der Gegenentwurf des Bundesrats will das Wachstum über die Raumplanung und eine aktivere Steuerung der Zuwanderung in den Griff bekommen, ohne die Verträge formell zu kündigen. Für die Pharma- und Medtech-Branche mit den beiden Basler Riesen Roche und Novartis wären die Folgen einer starren Obergrenze am grössten, weil sie inländische Fachkräfte aus dem EU-Raum direkt konkurrenzieren müsste.