Friedensplan steht, US fängt iranische Drohnen ab
Iran-Deal-Text geeinigt, EZB hebt Zins auf 2,25 Prozent, Schweiz stimmt über 10-Millionen-Initiative ab.
Friedensplan steht, US fängt iranische Drohnen ab
US und Iran haben sich nach Angaben des pakistanischen Premierministers Shehbaz Sharif auf den finalen Text eines Abkommens zur Beendigung des Kriegs geeinigt. Noch am Wochenende könnte unterzeichnet werden. Zeitgleich schoss die US Navy in der Strasse von Hormuz vier iranische Drohnen auf Frachtschiffe ab. In Mexiko-Stadt begann die Fussball-WM unter scharfen Protesten, und in der Schweiz wird über die 10-Millionen-Initiative abgestimmt.
USA und Iran: «final, agreed upon text»
Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif erklärte am späten Freitagabend auf X, dass der «final, agreed upon text» eines Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten und Iran vorliege. Die Aussenminister beider Seiten bereiteten die nächsten Schritte vor. Irans Aussenminister sprach von der besten Chance seit Langem auf ein Ende der Kampfhandlungen. Die Trump-Regierung bezeichnete eine Unterzeichnung als «wahrscheinlich in den kommenden Tagen», mahnte jedoch, eine Garantie von 100 Prozent sei dies nicht (CBS News, Reuters, Al Jazeera, 12./13. Juni). Die Verhandlungen laufen über Pakistan, Katar und Oman; im Entwurf ist ein 60-tägiger Waffenstillstand enthalten, der auch den Libanon einschliessen soll. Israel soll in den letzten Verhandlungsrunden nicht informiert worden sein, wie die Times of Israel unter Berufung auf israelische Quellen berichtet. Premier Benjamin Netanjahu habe in Gesprächen zudem gefordert, eingefrorene iranische Vermögenswerte nicht freizugeben. Sollte der Deal halten, wäre es das erste formelle Ende der direkten Kampfhandlungen seit dem 101. Kriegstag Anfang Juni; die Folgen für die globalen Energie- und Finanzmärkte wären unmittelbar spürbar.
US Navy fängt iranische Drohnen über der Strasse von Hormuz ab
Trotz der Annäherung eskalierte die Lage auf See. Das US-Militär schoss am späten Freitag vier iranische Drohnen ab, die auf Handelsschiffe in der Strasse von Hormuz zielten. Der Vorfall verdeutlicht, wie fragil die Waffenruhe ist. In dem Nadelöhr zwischen Iran und der Arabischen Halbinsel läuft rund ein Fünftel des globalen Ölhandels. Die Märkte reagierten verhalten: Das Gold gab nach, der Ölpreis gab ebenfalls nach, nachdem Trump Anfang der Woche geplante Angriffe auf iranische Anlagen abgesagt hatte (Kyiv Post, South China Morning Post, Reuters, 12./13. Juni).
EZB erhöht Leitzins erstmals seit 2023 auf 2,25 Prozent
Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag die Leitzinsen erstmals seit drei Jahren angehoben und den Hauptrefinanzierungssatz auf 2,25 Prozent gesetzt. Hintergrund ist die gestiegene Inflation, getrieben von steigenden Energiepreisen wegen des Iran-Konflikts. Präsidentin Christine Lagarde begründete den Schritt mit Blick auf die Lohnabschlüsse und die hartnäckige Kerninflation. Analysten rechnen in den kommenden Monaten mit einer weiteren Anhebung auf 2,5 Prozent, wie Finanz und Wirtschaft berichtet. Für Schweizer Haushalte macht der Schritt Frankenkredite und Baufinanzierungen teurer, gleichzeitig stärkt er den Aufwertungsdruck auf den Franken (Tagesschau, DIE ZEIT, FuW, 11. Juni). Die SNB beobachtet die Entwicklung genau: Eine stärkere Eurozone-Zinsdifferenz gegenüber dem Franken würde den bereits engen Spielraum für eigene Lockerungen weiter verkleinern.
Fussball-WM in Mexiko-Stadt mit Protesten und drei Roten Karten eröffnet
Die erste WM mit 48 Mannschaften ist am Freitag in Mexiko-Stadt mit dem Eröffnungsspiel gestartet. Tausende Menschen protestierten gegen die Milliardenausgaben für das Turnier und die Stadionmodernisierung. Nach Medienberichten kam es zu Zusammenstössen, Verletzungen und Blockaden rund um das Aztekenstadion; im Stadion selbst sorgte der Schiedsrichter mit drei Platzverweisen in der Anfangsphase für Aufsehen. Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum sprach von «friedlichem Protest», Menschenrechtler kritisierten das Vorgehen der Sicherheitskräfte (20min.ch, Handelsblatt, DIE ZEIT, SRF, 11./12. Juni). Die Schweiz spielt in Gruppe D und trifft unter anderem auf Belgien.
Schweiz stimmt über 10-Millionen-Initiative ab
Am heutigen Samstag sind die Schweizer Stimmberechtigten aufgerufen, über die Volksinitiative «Keine 10-Millionen-Schweiz!» zu entscheiden. Das Begehren der Umweltorganisation Greenpeace will die ständige Wohnbevölkerung per Verfassung auf 10 Millionen begrenzen. Bei Annahme würde die Schweiz faktisch keine neuen Aufenthaltsbewilligungen mehr erteilen, solange die Schwelle überschritten ist. Bundesrat und Parlament empfehlen die Initiative einstimmig zur Ablehnung mit Verweis auf den bilateralen Weg und den Fachkräftemangel. Die Meinungsumfragen sehen ein klares Nein, allerdings rechnen Beobachter wegen der Zuwanderungsdebatte mit einer überdurchschnittlichen Stimmbeteiligung (Blick, admin.ch, DIE ZEIT, 12./13. Juni). Auch die Wirtschaft zeigt sich gespalten: Der Gewerbeverband warnt vor Wachstumsverlusten, während sich die Umweltverbände hinter das Anliegen stellen.
Schweiz: Seco sieht Zollstreit mit den USA als Dauerlast
Die Direktorin des Staatssekretariats für Wirtschaft, Helene Budliger Artieda, hat im Gespräch mit Radio Central deutlich gemacht, dass die Schweizer Wirtschaft auch nach Donald Trump mit US-Zöllen rechnen müsse. Im Mai hatten die USA Zölle auf Importe aus der Schweiz wegen Vorwürfen zu Zwangsarbeit angekündigt. Die Seco-Chefin kündigte Gespräche auf Arbeitsebene in Washington an, zeigte sich aber skeptisch, ob es zu einem raschen Abkommen kommt. Der Bundesrat genehmigte am Freitag zudem die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung mit Vietnam, die den Marktzugang für Schweizer Industriegüter erweitern soll (Radio Central, EDA, 12. Juni).
Schweizer Börse schliesst Wochenauftakt im Plus
Der SMI beendete den Freitagshandel deutlich im Plus. Besonders gefragt waren Sika, Roche und der Flughafen Zürich. Verlierer waren Lonza und Lindt & Sprüngli. Die Gewinne hingen eng mit den konkreteren Friedenssignalen aus dem Iran-Konflikt zusammen, die den gesamten europäischen Aktienmarkt stützten. Der DAX legte ebenfalls zu, und an der Wall Street begann eine Erholungsrally. Am Devisenmarkt notierte der Euro am Morgen bei 0,9217 Franken, der US-Dollar bei 0,7968 Franken (Finanz und Wirtschaft, Moneycab, 12. Juni).
Chinas Präsident Xi besucht Nordkorea und vertieft Bündnis mit Kim
Der chinesische Präsident Xi Jinping hat während seines Staatsbesuchs in Pjöngjang eine deutliche Vertiefung der Beziehungen zu Nordkorea vollzogen. Laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA einigten sich Xi und Kim Jong-un auf einen «wichtigen Konsens» über strategische Zusammenarbeit. Es ist der erste Besuch eines chinesischen Staatschefs seit 2019. Beobachter werten die Reise als Signal an die aktuelle US-Regierung: Peking wolle sich gegen eine engere regionale Eindämmungspolitik stellen. Begleitet wurde Xi unter anderem vom Chefdiplomaten Wang Yi und Verteidigungsminister Dong Jun (Reuters, South China Morning Post, Al Jazeera, 8. bis 12. Juni).
OpenAI und Anthropic treten beim Börsengang gegeneinander an
Der Wettlauf um den nächsten KI-Milliarden-Börsengang verschärft sich. OpenAI reichte am Wochenanfang einen vertraulichen S-1-Entwurf bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Wenige Tage zuvor hatte Konkurrent Anthropic ebenfalls einen Antrag gestellt. Beide Unternehmen verhandeln mit Investoren über Bewertungen, die laut Berichten zwischen 500 und 900 Milliarden Dollar liegen könnten. In der Schweiz sind die KI-IPO-Wellen am Aktienmarkt vor allem über die Logitech-Aktie sichtbar, die in der Vergangenheit stark auf Stimmungsschwankungen im US-Tech-Sektor reagiert hat (New York Times, Reuters, OpenAI-Pressemeldung, 1. bis 8. Juni). Branchenkenner sehen darin den Auftakt zu einer breiten Welle: Auch SpaceX bereitet Berichten zufolge einen Börsengang vor. Gleichzeitig warnen Ökonomen vor einer möglichen Blase am Aktienmarkt, da die Kurse in der zweiten Jahreshälfte 2025 stark gestiegen sind.
F1 in Barcelona: Qualifying am Samstagabend
In Barcelona beginnt an diesem Wochenende der Grand Prix von Spanien. Nach den Trainings am Donnerstag und Freitag steht heute Abend das Qualifying an. Die Wetterprognose sagt Temperaturen um 30 Grad voraus, was die Reifenstrategie zur Schlüsselfrage macht. In der Gesamtwertung liegt WM-Spitzenreiter Oscar Piastri (McLaren) weiter vorn, dicht gefolgt von Lando Norris und Max Verstappen. Der Spanien-Grand-Prix gilt traditionell als erste Bewährungsprobe für die Aerodynamik-Updates der Teams (F1-Insider, Allgäuer Zeitung, Motorsport-Total, 9. bis 13. Juni).
Zverev bricht den Bann: erster Grand-Slam-Titel in Paris
Alexander Zverev hat am Sonntag in einem Fünf-Satz-Krimi die French Open gewonnen und seinen ersten Grand-Slam-Titel geholt. In einem über fünf Stunden langen Endspiel bezwang er den Italiener Flavio Cobolli mit 6:3, 4:6, 6:4, 4:6, 6:3. Nach drei verlorenen Grand-Slam-Finals (French Open 2024, Australian Open 2025, US Open 2025) gelang dem Hamburger der emotionale Durchbruch. Für den deutschen Sport ist es der erste Major-Titel seit Angelique Kerbers US-Open-Sieg 2016 und der erste bei den Herren seit Boris Becker 1996. Das Preisgeld für den Titelgewinn lag bei 2,7 Millionen Euro (SRF, Tages-Anzeiger, Aargauer Zeitung, blue News, 7. Juni).
Hitzewelle rollt über Europa, Mai war global zweitwärmster
Die Wetterdienste in Europa warnen vor einer frühen Hitzewelle mit Temperaturen bis 40 Grad in Spanien, Italien und Griechenland. In der Schweiz liegen die Höchstwerte am Wochenende bei 32 bis 35 Grad. Laut dem europäischen Klimadienst Copernicus war der Mai 2026 weltweit der zweitwärmste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1880. In Deutschland, Österreich und der Schweiz steigt die Waldbrandgefahr in den kommenden Tagen auf die zweithöchste Stufe. Die Behörden empfehlen, anstrengende Aktivitäten in die Morgenstunden zu verlegen (Watson, wetter.com, 20min.ch, T-Online, 10. bis 12. Juni).
Die Märkte heute
Der Goldpreis liegt am Morgen bei 4.238,80 US-Dollar pro Unze, ein Minus von 2,24 Prozent zum Vortag. Der MSCI World Index notiert bei 4.788,22 Punkten und damit 0,67 Prozent im Plus. Bitcoin steht bei 63.780 US-Dollar, ein Tagesgewinn von 0,61 Prozent. Am Devisenmarkt wird der Euro zu 0,9217 Franken und der US-Dollar zu 0,7968 Franken gehandelt, beide Kurse vom EZB-Referenzwert vom Donnerstag. Die Friedenssignale aus dem Iran-Konflikt stützen die Aktienmärkte, während der Goldpreis als sicherer Hafen an Attraktivität verliert.
Ausblick
Am Nachmittag richtet sich der Blick auf das Qualifying in Barcelona und auf die ersten Hochrechnungen zur 10-Millionen-Initiative in der Schweiz. In den USA entscheidet sich, ob der Kongress dem Waffenstillstandsabkommen mit Iran zustimmt. Die asiatischen Börsen in Tokio und Shanghai werden am Sonntag beobachtet, bevor am Montag die neue Handelswoche mit den Mai-Inflationsdaten aus Deutschland und dem ZEW-Index beginnt.