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Märkte im Freudentaumel, Waffenstillstand in Sicht

Asien-Börsen steigen, SpaceX startet grössten Börsengang der Geschichte, EZB erhöht Leitzinsen, Schweiz spielt gegen Katar.

Von der MacherPost-Redaktion 12.06.2026, 04:00 ♪ 14 Min Audio · 1'849 Wörter
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Märkte im Freudentaumel, Waffenstillstand in Sicht

Die asiatischen Börsen legen zum Wochenausklang kräftig zu, der Euro notiert fester, und an der Wall Street rüstet man sich für den grössten Börsengang der Geschichte. Gleichzeitig wachsen Hoffnungen auf eine Waffenruhe im Iran-Krieg, während die Europäische Zentralbank überraschend die Zinsen anhebt. In Mexiko-Stadt ist am Vorabend die erste Fussball-Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften eröffnet worden, die Schweiz bestreitet heute ihr erstes Spiel. Ein Überblick über die wichtigsten Signale des Morgens.

Trump spricht von Iran-Durchbruch, Asien-Börsen springen an

US-Präsident Donald Trump hat am späten Donnerstagabend (Ortszeit) angekündigt, eine für den Abend geplante neue Angriffsrunde gegen Iran ausgesetzt zu haben, weil «Gespräche im Gange» seien. Zuvor hatte er in einem Interview mit «sehr hart heute Nacht» gedroht. Iran wies die Darstellung zurück und erklärte den seit dem 8. April bestehenden Waffenstillstand für «praktisch bedeutungslos». Die Nachricht schickte die asiatischen Indizes auf einen V-förmigen Erholungspfad. Der japanische Nikkei 225 stieg am Freitagmorgen (Ortszeit) zeitweise um mehr als 2'800 Punkte. In Südkorea schoss der KOSPI wieder über die Marke von 8'000 Punkten, befeuert auch von der SpaceX-Euphorie. Derweil behauptete das iranische Militär, die Strasse von Hormuz vollständig für den Schiffsverkehr geschlossen zu haben; das US-Militär (CENTCOM) widersprach und erklärte, der Schiffsverkehr laufe weiter. Nach Angaben des südkoreanischen Meeresministeriums hat ein LNG-Tanker aus Katar die Strasse passiert und im Hafen Ulsan festgemacht, das zweite Schiff aus dem Land seit Beginn der Krise. Kuwait öffnete seinen Luftraum wieder für den kommerziellen Flugverkehr. (Reuters, The New York Times, The Japan News, Yonhap)

Europäische Zentralbank erhöht Leitzinsen erstmals seit drei Jahren

Die EZB hat am Donnerstag in Frankfurt überraschend die Leitzinsen angehoben. Sie reagiert damit auf den Inflationsschub, den der Iran-Krieg seit Ende Februar über die Energie- und Transportkosten in die Eurozone getragen hat. Es ist die erste Zinserhöhung einer grossen Notenbank seit dem Wiederaufflammen der Teuerung im vergangenen Jahr. EZB-Präsidentin Christine Lagarde begründete den Schritt mit der Gefahr, dass sich der Preisdruck breiter in der Wirtschaft verankert. Der Leitzins für die Einlagefazilität steigt auf 2,00 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz auf 2,15 Prozent, der Zins für die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,40 Prozent. Die NZZ wertet den Schritt als «zweite Chance» für Lagarde im Kampf gegen die Inflation. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat bisher an ihrer expansiven Linie festgehalten; der Franken notiert am Morgen weiter fest gegenüber dem Euro, was der SNB bei ihrer nächsten Lagebeurteilung am 19. Juni weiteren Spielraum geben dürfte. (WSJ, NZZ, Reuters, EZB)

SpaceX startet an der Nasdaq: grösster Börsengang der Geschichte

Heute Freitag beginnt an der Nasdaq der Handel mit Aktien des Raumfahrt- und KI-Konzerns SpaceX von Elon Musk. Die Bewertung liegt nach den letzten Vor-Verhandlungen bei 1,77 Bio. US-Dollar, das IPO soll 75 Mrd. US-Dollar einbringen. Damit wäre es der grösste Börsengang aller Zeiten. Mit dem Erlös will Musk den Ausbau der orbitalen KI-Infrastruktur für sein Tochterunternehmen xAI finanzieren. Musk würde nach Berechnungen von Analysten der erste US-Dollar-Trillionär der Geschichte. Die Papiere werden mit 135 US-Dollar je Aktie ausgegeben. SpaceX erhielt zudem eine Sonderregelung der Nasdaq für eine vorzeitige Aufnahme in den Index Nasdaq-100, was laut 20 Minuten auch Auswirkungen auf Schweizer Pensionskassen hat, die US-Aktien passiv nachbilden. Musk behält nach dem IPO 82,4 Prozent der Stimmrechte über spezielle Aktienstrukturen. Im Februar 2026 hatte SpaceX die KI-Firma xAI übernommen, der damalige kombinierte Wert wurde mit rund 1 Bio. US-Dollar beziffert. (NZZ, 20min, Wikipedia SpaceX-IPO)

Anthropic und OpenAI: Der erbitterte Kampf um die KI-Zukunft

Der Wettbewerb zwischen den beiden führenden KI-Laboren hat sich nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters zu einem offenen Machtkampf zugespitzt. Im Zentrum steht der Zugriff auf Rechenkapazität (Compute), die seit dem Hype um generative Modelle zum entscheidenden Engpass geworden ist. Anthropic hatte im Mai 2026 einen Vertrag über 1,25 Mrd. US-Dollar pro Monat mit dem SpaceX-Start-up xAI unterzeichnet, um die komplette Kapazität des Colossus-1-Rechenzentrums in Memphis, Tennessee, zu nutzen. Microsoft hatte zuvor 5 Mrd. US-Dollar in Anthropic investiert und verhandelt derzeit über ein gemeinsames KI-Chip-Programm. Der Engpass an Hochleistungschips von Nvidia hat die Preise für Compute-Stunden in den vergangenen zwölf Monaten um ein Mehrfaches steigen lassen. (Reuters, CNBC)

Ukraine trifft Treibstoffversorgung der Krim, Russland meldet Benzinknappheit

Die Ukraine hat nach Erkenntnissen internationaler Agenturen in der Nacht Angriffe auf Treibstoff-Depots und Versorgungsrouten der von Russland besetzten Halbinsel Krim geflogen. Auf der Krim ist daraufhin eine Treibstoffkrise ausgebrochen, zahlreiche Tankstellen fielen aus, Behörden riefen die Bevölkerung zu Hamsterkäufen auf. Die Halbinsel mit ihren rund 2,4 Mio. Bewohnern wird über den Landkorridor bei Kertsch sowie über die Meerenge von Kertsch versorgt, beide Knotenpunkte sind nun unter Druck. Es ist Teil der ukrainischen Strategie, die logistische Basis der russischen Streitkräfte im Süden zu zerschlagen und Moskaus Besatzungskosten in die Höhe zu treiben. Russland hatte in den vergangenen Wochen seine Luftangriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur intensiviert. (CTPost, 20min)

Fussball-WM in Mexiko eröffnet, Südkorea dreht gegen Tschechien

Im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt ist am Donnerstagabend die erste Fussball-Weltmeisterschaft mit 48 Mannschaften eröffnet worden. Das Turnier dauert bis zum 19. Juli und wird in 16 Stadien in Kanada, Mexiko und den USA ausgetragen. Es ist die erste WM, die von drei Ländern gemeinsam organisiert wird. Gastgeber Mexiko besiegte Südafrika 2:0, Schiedsrichter Cesar Ramos zeigte drei Mal Rot, eine Premiere für ein WM-Eröffnungsspiel. Tore erzielten Raúl Jiménez und Julián Quiñones. Im Parallelspiel der Gruppe H drehte Südkorea einen 0:1-Rückstand gegen Tschechien in einen 2:1-Sieg. Hwang In-beom glich für die Asiaten aus, Oh Hyeon-gyu erzielte den Siegtreffer. Die Eröffnungsfeier wurde von einem Auftritt der kolumbianischen Sängerin Shakira abgeschlossen. Nach den Ausschreitungen am Rande des Eröffnungsspiels hat die mexikanische Regierung die Sicherheitsvorkehrungen in den WM-Stadien verschärft. (SRF, NZZ, Wikipedia FIFA WM 2026)

Schweiz trifft heute um 21:00 Uhr auf Katar

Die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft bestreitet am Freitagabend (21:00 Uhr MESZ) im kalifornischen Levi's Stadium in Santa Clara ihr erstes WM-Spiel gegen Katar. Die Mannschaft von Nationaltrainer Murat Yakin ist als Gruppenfavorit gesetzt, nachdem sie die Qualifikation in der Gruppe I vor Italien und Nordirland abgeschlossen hatte. Katar hatte 2022 als Gastgeber für eine Überraschung gesorgt und war im Achtelfinal gegen den späteren Sieger Argentinien ausgeschieden. Eine Niederlage zum Auftakt würde die Ausgangslage für die weiteren Gruppenspiele gegen Tunesien und Kroatien deutlich erschweren. Die Mannschaft reist ohne den verletzten Stammgoalie an, im Angriff setzt Yakin auf den jungen Breel Embolo. (Yahoo Sports, 20min, NZZ)

EU-Asylpakt tritt in Kraft, Verschärfungen an den Aussengrenzen

Heute Freitag tritt der neue EU-Asylpakt in Kraft, der Asylverfahren an den Aussengrenzen beschleunigen und die Rückführung abgelehnter Bewerber vereinfachen soll. Neu können Schutzsuchende in Schnellverfahren an den Grenzen untergebracht werden, Asylanträge sollen innert Wochen entschieden werden, statt wie bisher Monate zu dauern. Gleichzeitig müssen alle Mitgliedstaaten bei der Verteilung von Flüchtlingen stärker kooperieren und Asylsuchende entweder aufnehmen oder eine finanzielle Kompensation von 20'000 Euro pro nicht aufgenommener Person zahlen. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch kritisieren, dass der Grundrechtsschutz an den Grenzen ausgehöhlt werde. Die Umsetzung in den einzelnen EU-Staaten ist laut NZZ-Recherchen lückenhaft, viele Länder sind nicht bereit. Deutschland gehört zu den Vorreitern, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt hatte den Pakt als wichtigen Schritt in der europäischen Migrationspolitik bezeichnet. (NZZ, 20min, HRW)

Trump zieht einen Drittel der NATO-Kampfjets aus Europa ab

Die US-Regierung plant einem Bericht der New York Times zufolge, etwa ein Drittel der Kampfjets, die sie der NATO für den europäischen Einsatz zur Verfügung stellt, abzuziehen. Die Maschinen sollen mit der Angelegenheit vertrauten Personen zufolge an andere Kommandobereiche verlegt werden, der Schritt betrifft rund 60 Flugzeuge. Es wäre ein weiterer Bruch mit der bisherigen Lastenteilung innerhalb der Allianz und würde die Luftverteidigung in Osteuropa, insbesondere über dem Baltikum und Polen, spürbar schwächen. Hintergrund ist eine breite Überprüfung der globalen US-Streitkräfteverteilung unter Verteidigungsminister Pete Hegseth. Pentagon-Sprecher erklärten, die «Kriegstüchtigkeit» der US-Streitkräfte habe Vorrang. Die europäischen NATO-Partner, die ohnehin das Ziel ausgegeben haben, 2 Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung auszugeben, werden den Schritt intern als deutliches Signal lesen, sich stärker selbst zu bewaffnen. (New York Times, NZZ)

Deutschland bestellt zusätzliche F-35, FCAS-Projekt gescheitert

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius will noch vor der Sommerpause eine Entscheidung über den Nachfolger für die alternde Tornado-Flotte der Luftwaffe treffen. Favorit ist laut Verteidigungskreisen eine zusätzliche Bestellung von F-35-Kampfjets des US-Herstellers Lockheed Martin. Hintergrund ist das endgültige Aus des deutsch-französisch-spanischen Kampfflugzeugprojekts FCAS (Future Combat Air System), das im Streit um die Arbeitsteilung und die geistigen Eigentumsrechte an Airbus und Dassault gescheitert war. Das Projekt hätte ab 2040 das Rückgrat der europäischen Luftwaffe bilden sollen. Mit dem Schritt verliert Paris einen zentralen Pfeiler seiner europäischen Industriepolitik; in Berlin wächst der Unmut über den Alleingang von Präsident Emmanül Macron. Für die Schweiz ist die Entwicklung relevant, weil sie ihren Luftraum gemeinsam mit den Nachbarn sichert und der Beschaffungsentscheid die industrielle Wertschöpfung in Europa verschiebt. (Defense News, NZZ, 20min)

Ölpreis gibt nach, Goldman senkt Brent-Prognose für 2027

Die Hoffnung auf eine Waffenruhe im Iran-Krieg hat den Ölpreis am Freitagmorgen (Asien) unter Druck gesetzt. Nachdem Trump am Vorabend eine Angriffsrunde gegen Iran abgesagt hatte, rutschte die Brent-Referenz unter die Marke von 88 US-Dollar je Barrel. Bereits am Donnerstag hatte die US-Bank Goldman Sachs ihre Prognose für 2027 gesenkt und verwies auf das wachsende Angebot ausserhalb der OPEC+ sowie die Konjunkturrisiken in den Industrieländern. Der Iran-Krieg hatte den Brent-Preis zwischenzeitlich auf über 110 US-Dollar getrieben. Die Schweiz als Netto-Energieimporteur profitiert kurzfristig von sinkenden Treibstoff- und Heizölpreisen. An den Tankstellen ist der Benzinpreis in der Schweiz in den vergangenen Wochen um rund 8 Rappen pro Liter gestiegen, mit fallendem Weltmarktpreis dürfte sich der Druck umkehren. (Reuters, U.S. News)

Thailands Prinzessin Bha nach vier Jahren im Koma gestorben

Die thailändische Prinzessin Bha, Schwester von König Maha Vajiralongkorn, ist im Alter von 46 Jahren gestorben, nachdem sie fast vier Jahre im Koma gelegen hatte. Sie war 2022 nach einer schweren Herzerkrankung zusammengebrochen und seither medizinisch versorgt worden. Das Königshaus ordnete eine 30-tägige Trauerperiode an; öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen sollen in dieser Zeit unterbleiben. Die Prinzessin war bekannt für ihre Stiftungsarbeit im Bereich öffentliche Gesundheit. (SRF, 20min)

Die Märkte heute

Der MSCI World notiert am Freitagmorgen stabil bei 4'759,14 Punkten, ein Plus von 0,06 Prozent. Der Euro liegt zur Schweizer Währung bei 0,9221 Franken, der US-Dollar bei 0,7993 Franken, jeweils EZB-Referenzkurs vom Vortag. Gold verbilligt sich um 2,72 Prozent auf 4'218,10 US-Dollar je Unze, gestützt von Gewinnmitnahmen nach dem starken Anstieg der Vortage. Bitcoin steigt um 1,66 Prozent auf 63'614 US-Dollar. Die asiatischen Börsen zeigen sich durchwegs freundlich. Der Nikkei 225 legt zeitweise um mehr als 2'800 Punkte zu, der südkoreanische KOSPI überspringt die Marke von 8'000 Punkten. Der Ölpreis (Brent) gibt nach den Trump-Aussagen zur Iran-Lage nach.

Ausblick auf den Tag

Im Fokus stehen die ersten Handelsstunden des SpaceX-IPO an der Nasdaq sowie die EZB-Ratssitzung, deren geldpolitische Wende bereits gestern vollzogen wurde. In der Schweiz veröffentlicht das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) die Konjunktureinschätzung für das zweite Quartal. Am Abend (21:00 Uhr MESZ) trifft die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft in Santa Clara auf Katar. Im Nahen Osten bleibt die Lage mit Blick auf Iran und den Gaza-Konflikt instabil, jede neue Meldung dürfte die Märkte kurzfristig bewegen. In den USA wird die Wall Street auf die Inflationsdaten vom Nachmittag (PPI) reagieren, die für die Haltung der Federal Reserve vor deren Sitzung Mitte Juli relevant sind.

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