EZB dreht an der Zinsschraube, Iran-Krieg spaltet die Märkte
Leitzins auf 2,25 Prozent, Vergeltung am Golf, Fussball-WM beginnt in Mexiko
EZB dreht an der Zinsschraube, Iran-Krieg spaltet die Märkte
Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag erstmals seit September 2023 die Leitzinsen im Euroraum angehoben. Der Hauptrefinanzierungssatz steigt auf 2,25 Prozent. Auslöser ist der anhaltende Ölpreisschock nach den US-Angriffen auf Iran. Parallel erreicht der Irankrieg eine neue Eskalationsstufe: Teheran hat Vergeltungsschläge auf Bahrain, Kuwait und Jordanien geflogen und nach eigenen Angaben die Strasse von Hormus gesperrt. Die US-Regierung bestreitet die vollständige Blockade. Die Aktienmärkte schliessen den Tag freundlich ab, Gold gibt leicht nach, Bitcoin zieht an. Die Fussball-WM 2026 wird am Abend in Mexiko-Stadt eröffnet. Der Bundesligist aus Liechtenstein steht neu an der Spitze des internationalen Skiverbandes.
Die EZB erhöht den Leitzins auf 2,25 Prozent
Die Europäische Zentralbank hat ihren Hauptrefinanzierungssatz um 25 Basispunkte auf 2,25 Prozent angehoben. Es ist die erste Zinserhöhung seit September 2023, wie die NZZ und die FAZ übereinstimmend berichten. Der Einlagesatz für Geschäftsbanken steigt auf 2,00 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde begründete den Schritt mit der zuletzt wieder anziehenden Inflation, die durch den Ölpreisschock infolge des Iran-Kriegs zusätzlich verstärkt wird. Lagarde sieht in der Inflationsangst eine "zweite Chance" für die Notenbank, ihre Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen, nachdem sie den EZB-Kurs zwischenzeitlich zu lange locker gehalten habe. Für Sparerinnen und Bauherren bedeutet die Zinswende: Tagesgeld und Festgeld werden wieder attraktiver, Baukredite verteuern sich. Die NZZ schreibt, Lagarde habe den Schritt lange vermieden, weil die Konjunktur im Euroraum schwach bleibt. Mit dem jetzigen Schritt setze die EZB ein klares Signal gegen nachlassende Inflationserwartungen. Der Euro reagierte mit einem leichten Anstieg auf 1,0845 Dollar. In der Schweiz hat die SNB bislang nicht angedeutet, dass sie nachziehen wird; die nächsten geldpolitischen Lagebeurteilungen sind für September und Dezember angesetzt. (NZZ, FAZ)
USA greifen Iran an, Teheran schlägt zurück
Die US-Streitkräfte haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Ziele im Iran angegriffen. Wie die Tagesschau unter Berufung auf US-Militärquellen berichtet, reagierte Teheran mit Angriffen auf Bahrain, Kuwait und Jordanien. Iran erklärte, die Strasse von Hormus komplett gesperrt zu haben. Die US-Regierung bestreitet eine vollständige Blockade der für den globalen Ölhandel zentralen Wasserstrasse. US-Präsident Donald Trump drohte laut einem FAZ-Liveblog erneut mit der "vollständigen Kontrolle" über iranische Ölanlagen und mit der Übernahme der Insel Kharg, auf der ein Grossteil der iranischen Ölexporte verladen wird. Nach US-Angaben wurden bei einem Angriff auf ein iranisches Schiff indische Seeleute getötet; ein Besatzungsmitglied sagte der FAZ: "Wir haben Feuer an Bord, und das Schiff sinkt." Der Konflikt hat unmittelbare Folgen für die Weltwirtschaft: Die NZZ berichtet, die US-Inflation ziehe spürbar an, weil die Energiepreise die Verbraucherpreise nach oben drücken. (Tagesschau, FAZ, NZZ)
Atomkraftwerk Saporischja erneut vom Netz
Am ukrainischen Atomkraftwerk Saporischja ist nach Angaben der ukrainischen Behörden erneut der Strom ausgefallen. Das grösste Kernkraftwerk Europas war schon mehrfach von der externen Stromversorgung abgeschnitten, zuletzt im Winter 2025. Die IAEA warnt seit Monaten vor einem ernsthaften Sicherheitsrisiko. In Südrussland wurde unterdessen eine Raffinerie nach einer Drohnenattacke in Brand gesetzt, wie die NZZ unter Berufung auf russische Stellen meldet. Kiew und Moskau werfen sich gegenseitig Angriffe auf zivile Energieinfrastruktur vor. Eine Verhandlungsinitiative der US-Regierung liegt seit Wochen ohne erkennbaren Fortschritt auf dem Tisch. (NZZ)
Nordirland: Zweite Nacht rassistischer Ausschreitungen
In Belfast ist es die zweite Nacht in Folge zu schweren rassistisch motivierten Ausschreitungen gekommen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein, mehrere Einsatzkräfte wurden verletzt. Auslöser war laut Tagesschau eine Messerattacke. Die FAZ schreibt, der Hass im Netz habe die Gewalt auf der Strasse befeuert. Anwohner berichten von brennenden Fahrzeugen und Angriffen auf Geschäfte ausländischer Mitbürger. Die nordirische Polizei verstärkte ihre Präsenz in den betroffenen Vierteln. Premierminister Keir Starmer verurteilte die Krawalle und kündigte Konsequenzen an. Vergleichbare Ausschreitungen hatte es zuletzt vor allem in England gegeben, etwa in Southport im Sommer 2024. (Tagesschau, FAZ)
UNHCR: Erstmals seit einem Jahrzehnt weniger Flüchtlinge
Die Zahl der Flüchtlinge weltweit ist laut dem neuen UNHCR-Bericht leicht zurückgegangen, erstmals seit rund zehn Jahren. Wie die Tagesschau berichtet, kehrten 2025 so viele Vertriebene in ihre Herkunftsländer zurück wie lange nicht, oft allerdings unfreiwillig. Der UNHCR führt den Rückgang unter anderem auf die prekäre Sicherheitslage in mehreren Herkunftsstaaten und auf die sinkende Aufnahmebereitschaft vieler Gastländer zurück. Die UN-Definition zählt als Flüchtling nur Menschen, die vor Verfolgung, Krieg oder Menschenrechtsverletzungen geflohen sind. Die Zahlen sind nicht mit den globalen Migrationsstatistiken gleichzusetzen, die auch Arbeitsmigration und Binnenvertriebene umfassen. (Tagesschau)
Fussball-WM 2026 wird am Abend in Mexiko eröffnet
Im Aztekenstadion von Mexiko-Stadt wird am Donnerstagabend (Ortszeit) die Fussball-Weltmeisterschaft 2026 eröffnet. Mexiko trifft im Eröffnungsspiel auf Südafrika. Die FAZ schreibt, die Stimmung im Land sei gespalten: Neben Vorfreude gebe es Proteste gegen die Kosten des Grossanlasses und gegen die Gewalt im Land. Die Tagesschau berichtet, in der mexikanischen Hauptstadt sei es in den vergangenen Tagen zu Demonstrationen gekommen. Die US-Regierung hält nach einem NZZ-Bericht an rigiden Einreisebestimmungen fest: Im Vorfeld der WM seien Fans am Flughafen in Verhöre und Arrestzellen gebracht worden, Spürhunde im Einsatz. Das Schweizer Nationalteam trifft in seiner Gruppe auf Deutschland, Curacao und einen weiteren Gegner; Spielbeginn für die Schweiz ist am Samstag. (FAZ, NZZ, Tagesschau)
FIS: Alexander Ospelt beerbt Johan Eliasch
Der Liechtensteiner Alexander Ospelt ist neuer Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS. Am Kongress in Belgrad gewann er denkbar knapp gegen den bisherigen Amtsinhaber Johan Eliasch. Ospelt, bisheriger Präsident des Liechtensteiner Skiverbandes, setzte sich mit 71 zu 70 Stimmen durch. Die NZZ schreibt, auf den neuen Präsidenten warteten grosse Herausforderungen: der Klimawandel, sinkende Schneesicherheiten in tiefen Lagen und der wachsende Konkurrenzdruck durch Verbandswechsel von Athletinnen und Athleten. Eliasch, der frühere CEO von Head, hatte den Verband seit 2021 geführt. (NZZ)
Mike Ashley bietet für Hugo Boss
Die britische Frasers Group des streitbaren Grossaktionärs Mike Ashley hat ein Übernahmeangebot für den deutschen Modekonzern Hugo Boss vorgelegt. Die NZZ schreibt, das Ziel der Offerte bleibe "offen". Hugo Boss, geführt vom Schweizer CEO Daniel Grieder mit Sitz in Metzingen, ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, kämpft aber seit Mitte 2025 mit rückläufigen Umsätzen in China und einer schwächeren Konsumstimmung in Europa. Der Aktienkurs von Hugo Boss hat seit Jahresbeginn rund 30 Prozent verloren. Frasers hält bereits eine Minderheitsbeteiligung an Hugo Boss. Sollte das Angebot erfolgreich sein, wäre es einer der grössten Mode-Deals in Europa seit dem Einstieg von Kering bei Puma Anfang der 2010er-Jahre. (NZZ)
Nvidia investiert in südkoreanische HBM-Speicher
Nvidia hat eine Partnerschaft mit südkoreanischen Halbleiterherstellern angekündigt, um sich den Nachschub bei Hochleistungsspeichern für KI-Chips langfristig zu sichern. Die NZZ schreibt, Nvidia brauche die HBM-Chips (High Bandwidth Memory) für seine kommende GPU-Generation, die in Rechenzentren für das Training grosser Sprachmodelle eingesetzt wird. Samsung Electronics und SK Hynix sind die beiden wichtigsten Hersteller. Die Investition ist Teil einer breiteren Strategie von Nvidia, die Lieferketten weg von der taiwanischen Konzentration zu diversifizieren. Geopolitische Spannungen mit China gelten als Hauptgrund. (NZZ)
Warkens Sparpläne: Proteste in Praxen und Kliniken
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat ihre Reformpläne für die Krankenkassen vorgestellt. Nach Tagesschau-Informationen kam es am Donnerstag zu Protesten auf der Strasse, in Arztpraxen und in Kliniken. Im Kern geht es um eine grundlegende Neuordnung der Finanzierung und um die Eindämmung steigender Beiträge. Die Koalition sucht im Kanzleramt den Konsens mit den Sozialpartnern; am Mittwoch hatte ein erstes Spitzentreffen stattgefunden. Kanzler Friedrich Merz sagte in einer Regierungserklärung, ohne ein handlungsfähiges Europa gehe es nicht, und verwies auf den wirtschaftspolitischen Druck durch die Zollpolitik der US-Regierung. (Tagesschau)
Weltbank: Schwächstes Wachstum seit der Pandemie
Die Weltbank rechnet für 2026 mit dem schwächsten globalen Wirtschaftswachstum seit der Corona-Pandemie. Die NZZ schreibt, der Ausblick liege mit 1,8 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt der 2010er-Jahre. Hauptgrund seien die geopolitischen Spannungen, insbesondere der Iran-Krieg und die US-Zollpolitik unter Präsident Trump. Für die Schwellenländer fällt der Ausblick noch düsterer aus: Indien warnt nach einem Bericht der FAZ vor einer "Dekade der Krisen". (NZZ, FAZ)
Schweiz vor der 10-Millionen-Abstimmung
Am kommenden Sonntag entscheidet das Schweizer Stimmvolk über die Volksinitiative "Keine 10-Millionen-Schweiz" der SVP. Die Initiative verlangt eine verfassungsmässige Begrenzung der ständigen Wohnbevölkerung und ein Einfrieren der Zuwanderung. Eine zweite SRG-Umfrage sieht das Lager der Gegner mit 52 Prozent knapp in Front, nachdem die Befürworter in der ersten Welle noch vorne gelegen hatten. SVP-Fraktionspräsident Thomas Äschi sagte im NZZ-Interview, eine Annahme der Initiative werde das Ende der Personenfreizügigkeit mit der EU bedeuten und drohte offen mit einem "Konflikt mit der EU". Wirtschaftsverbände, der Bundesrat und alle grossen Parteien ausser der SVP empfehlen die Initiative zur Ablehnung. Befürworter argumentieren mit zunehmender Wohnungsnot, steigenden Mieten und dem Druck auf die Infrastruktur; Gegner warnen vor einem Vertrauensbruch gegenüber Brüssel und vor wirtschaftlichen Einbussen. (NZZ, SRF)
Trump vor Kongress: Milliarden für Migrationspolitik
Der US-Kongress hat ein billionenschweres Paket zur Finanzierung der Migrationspolitik von Präsident Trump beschlossen. Die Tagesschau berichtet, darin enthalten seien Mittel für den Ausbau der Grenzsicherung, für Abschiebungen und für den Bau weiterer Haftanlagen. Die Abstimmung fiel mit den Stimmen der republikanischen Mehrheit knapp aus. Trump hatte das Paket als zentral für seine zweite Amtszeit bezeichnet. Menschenrechtsorganisationen kritisieren die Pläne scharf. In der Schweiz diskutiert das Parlament derzeit eine Verschärfung des Asylrechts; eine Vorlage des Bundesrats liegt im Nationalrat. (Tagesschau)
Die Märkte heute
Der Schweizer Leitindex SMI schliesst 0,81 Prozent fester bei 13'572 Punkten. Der DAX geht mit einem Plus von 0,17 Prozent auf 24'235 Zählern aus dem Handel. Der MSCI World gewinnt 0,57 Prozent auf 198,56 Punkte. Der S&P 500 steigt 0,30 Prozent auf 7'288 Punkte, der Nasdaq 0,42 Prozent auf 25'275. Gold gibt um 0,10 Prozent nach auf 4'104 US-Dollar pro Unze, nachdem der Vortagesschluss bei 4'108 Dollar gelegen hatte. Silber verliert 0,57 Prozent auf 64,23 Dollar. Brent-Öl fällt um 0,33 Prozent auf 92,79 Dollar, bleibt damit aber auf hohem Niveau. Bitcoin steigt 2,02 Prozent auf 62'690 US-Dollar. Der Euro notiert bei 0,9217 Franken (+0,58 Prozent), der US-Dollar bei 0,8000 Franken (+1,41 Prozent). Die Aufwertung des Dollars gegenüber dem Franken spiegelt die anhaltende Flucht in den US-Dollar als vermeintlich sicheren Hafen. Die Schweizer Aktien profitierten von der EZB-Zinswende im Euroraum und der damit verbundenen Hoffnung auf stabilere Margen der exportstarken Pharmariesen Novartis und Roche. Die anhaltende Dollarschwäche gegenüber dem Franken bremst allerdings die Umsätze der in den USA stark engagierten Schweizer Industriefirmen. Gold bleibt mit einem Plus von rund 1'200 Dollar seit Jahresbeginn eines der besten Anlageinstrumente 2026. (Yahoo Finance, Realtime)
Ausblick auf morgen
In Belgrad endet der FIS-Kongress mit weiteren Personalentscheiden. In Frankfurt tagt der EZB-Rat zu seinem geldpolitischen Begleitprogramm. In Brüssel beraten die EU-Finanzminister über die Schuldenregeln und über das billionenschwere Verteidigungspaket. In Mexiko-Stadt beginnt mit den ersten Gruppenspielen der WM-Spielbetrieb. Die Schweizer Nati reist für ihre Gruppenspiele weiter. In Genf eröffnet die UN-Menschenrechtssession ihre Sommerperiode. Die grosse Frage bleibt: Weitet sich der Iran-Krieg auf die gesamte Golfregion aus, oder gelingt eine diplomatische Pause, die den Ölpreis wieder sinken lässt.