Abendausgabe: Israel-Libanon, Selenskyj-London, Ransomware Zürich, Uhrenexporte
Abend-Update: Israel-Beirut, Selenskyj in London, Ransomware-Angriff auf Zürcher Spital, SNB-Zinsentscheid, Uhrenexporte brechen ein, Berglandwirtschaft unter Klimadruck.
Guten Tag, willkommen zur Abendausgabe von MacherPost am Sonntag, siebter Juni zweitausendsechsundzwanzig.

Welt: Israel-Libanon, Selenskyj, Iran, Armenien
Israel hat am späten Sonntagnachmittag einen Vorort von Beirut angegriffen, wenige Tage nach dem von den Vereinigten Staaten vermittelten Waffenstillstand. Die israelische Luftwaffe flog nach Angaben aus Militärkreisen gezielte Angriffe auf Stellungen der Hisbollah im Süden der libanesischen Hauptstadt. Es ist die erste grössere israelische Operation seit Inkrafttreten der Waffenruhe am vergangenen Mittwoch. Die Hisbollah hat Vergeltung angekündigt, die Lage an der libanesisch israelischen Grenze bleibt extrem angespannt. Für die Schweiz hat das Thema direkte Konsequenzen, denn die Reisehinweise des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten für den Libanon und den Norden Israels wurden am Nachmittag auf die Stufe Rot hochgestuft. Schweizer Bürgerinnen und Bürger in der Region werden aufgefordert, das Land sofort zu verlassen. Die Schweizerische Botschaft in Beirut bleibt vorerst offen, arbeitet aber mit reduziertem Personal.
Selenskyj ist am Sonntagnachmittag in London eingetroffen, um mit dem britischen Premierminister und weiteren europäischen Staats und Regierungschefs über die nächsten Schritte der Ukraine Unterstützung zu sprechen. Im Zentrum steht ein neues Hilfspaket in der Grössenordnung von fünfunddreissig Milliarden Euro, das bis Ende des Jahres ausgezahlt werden soll. Die Schweiz nimmt an den Gesprächen nicht direkt teil, verfolgt sie aber aus dem Bundeshaus in Bern aufmerksam. Im Vorfeld hatte Bundesrat Ignazio Cassis gegenüber dem britischen Aussenminister betont, die Schweiz prüfe Munitionslieferungen über Drittstaaten, eine direkte Beteiligung an Waffenlieferungen bleibt aber ausgeschlossen. Für die Schweizer Rüstungsindustrie ist der Krieg in der Ukraine zum wichtigsten Exportmarkt geworden, die Ruag und die Mowag haben ihre Kapazitäten in den letzten Monaten deutlich ausgebaut.
Die iranische Fussballnationalmannschaft ist am Sonntagnachmittag in Mexiko eingetroffen, um an der Weltmeisterschaft teilzunehmen, obwohl die iranische Regierung den eigenen Spielern die Einreise in die Vereinigten Staaten zuvor untersagt hatte. Der Weltfussballverband FIFA hatte in einer Dringlichkeitssitzung am Samstagabend entschieden, dass die iranische Mannschaft ihre Spiele in Mexiko und Kanada austragen kann, ohne in die Vereinigten Staaten einreisen zu müssen. Die politische Dimension der Entscheidung ist heikel, Mexiko hat sich als neutraler Gastgeber angeboten. Für die Schweizer Fussballfans bedeutet das veränderte Reisepläne, denn ursprünglich waren die Gruppenspiele der Iraner in Houston und Los Angeles angesetzt. Schweizer Reiseveranstalter bieten ab sofort Pakete für Mexiko Stadt und Toronto an.

Wirtschaft CH: Detailhandel, SNB, Uhren, Energie
Im Kanton Zürich ist am Sonntag ein neuer Fall von Cyberkriminalität bekannt geworden. Eine mittelständische Maschinenbaufirma aus dem Zürcher Oberland ist Opfer einer Ransomware Attacke geworden, bei der Unbekannte verschlüsselte Daten als Geiseln genommen haben. Die Forderung der Erpresser liegt nach Angaben aus Ermittlerkreisen bei rund zwei Millionen Schweizer Franken, zahlbar in Bitcoin. Die Zürcher Kantonspolizei arbeitet mit dem Bundesamt für Cybersicherheit zusammen, der Bundesanwaltschaft wurde der Fall gemeldet. Die betroffene Firma hat ihre Produktion vorübergehend eingestellt, rund hundertachtzig Mitarbeitende sind in Kurzarbeit. Die Cybersecurity Firma Aon warnt in einem aktuellen Bericht vor einer wachsenden Welle solcher Angriffe auf Schweizer Mittelständler.
Der Schweizer Detailhandel verzeichnet im Mai einen leichten Umsatzanstieg. Laut dem Bundesamt für Statistik legten die realen Umsätze im Vergleich zum Vormonat um ein halbes Prozent zu, nominal waren es ein Komma zwei Prozent. Besonders gut lief der Onlinehandel mit einem Plus von drei Komma vier Prozent gegenüber dem Vormonat, der stationäre Handel stagnierte. Die Konsumstimmung hat sich nach Einschätzung des Staatssekretariats für Wirtschaft leicht aufgehellt, bleibt aber unter dem Niveau vor der Energiekrise. Für die Schweizer Detailhändler wie Migros, Coop und Galaxus ist die Entwicklung ein positives Signal nach Monaten der Stagnation.
Die Schweizerische Nationalbank hat am Sonntag keine neuen Devisenmarkt Interventionen gemeldet. Der Franken notiert weiterhin fest gegenüber Euro und Dollar, der Wechselkurs zum Euro liegt bei null Komma achtundneunzig, zum Dollar bei null Komma zweiundachtzig. Die Währungshüter beobachten die Entwicklung genau, halten sich aber mit öffentlichen Stellungnahmen zurück. Beobachter rechnen nicht mit einer unmittelbaren Zinssenkung, obwohl die Schweizer Inflation mit ein Komma vier Prozent deutlich unter dem Ziel der SNB von null bis zwei Prozent liegt. Der nächste reguläre Zinsentscheid ist erst für den achtzehnten September 2026 vorgesehen.
Die Schweizer Uhrenexporte haben im Mai einen überraschenden Rückgang verzeichnet. Nach Angaben des Verbands der Schweizer Uhrenindustrie exportierten die Hersteller Uhren im Wert von zwei Komma drei Milliarden Franken, das sind acht Prozent weniger als im Vormonat und fünf Prozent weniger als im Mai des Vorjahres. Besonders betroffen waren Exporte in die Vereinigten Staaten, die als Folge des starken Frankens und der wirtschaftlichen Unsicherheit deutlich zurückgingen. Für die Schweizer Uhrenhersteller wie Swatch, Richemont und die LVMH Marken ist die Entwicklung ein Warnsignal.
Die Schweizer Energiepreise bleiben im Juni stabil. Laut dem Bundesamt für Energie liegt der durchschnittliche Strompreis für Haushalte bei einundzwanzig Rappen pro Kilowattstunde, das ist praktisch unverändert gegenüber dem Vormonat. Die Preise für Heizöl und Erdgas sind leicht gesunken, die Preise für Benzin und Diesel leicht gestiegen. Für die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet das keine spürbaren Veränderungen.

Gesellschaft: Polizei, Berglandwirtschaft, Frauen-Nati, Vermisster
Im Kanton Bern hat die Polizei am Sonntag einen grösseren Polizeieinsatz abgeschlossen. Im Berner Westen war es am Samstagabend zu einer Schlägerei zwischen zwei Gruppen gekommen, drei Personen wurden verletzt, eine davon schwer. Die Polizei hat mehrere Tatverdächtige festgenommen, die Hintergründe sind noch unklar. Die Stadtpolizei Bern hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen.
Die Schweizer Berglandwirtschaft kämpft weiter mit den Folgen des Klimawandels. Die Alpung der Tiere beginnt in diesem Jahr wegen der späten Schneeschmelze rund zwei Wochen später als im Durchschnitt der letzten zehn Jahre. Die Schweizer Milchwirtschaft erwartet deshalb einen Rückgang der Alpprodukte um rund zehn Prozent, was sich auf den Preis für Alpkäse auswirken dürfte. Die Branchenorganisation Fromarte hat einen Hilfsfonds für betroffene Bergbauern angekündigt.
Die Schweizer Fussballnationalmannschaft der Frauen hat am Sonntagnachmittag ein Testspiel gegen Schweden mit zwei zu eins gewonnen. Die Tore für die Schweiz fielen in der fünfunddreissigsten und zweiundsechzigsten Spielminute, beide durch die Stürmerin Ana Maria Crnogorcevic. Es war der erste Sieg unter der neuen Trainerin Inka Grings, die das Amt im vergangenen Monat übernommen hatte. Die Schweiz bereitet sich auf die kommende Europameisterschaft vor, die im nächsten Jahr in der Schweiz stattfinden wird.
Im Aargau hat die Polizei am Sonntagabend den vermissten Wanderer aus dem Berner Oberland lebend gefunden. Der Mann war am Freitag zu einer Bergtour aufgebrochen und hatte sich nicht mehr gemeldet. Nach einer grossangelegten Suchaktion mit Helikopter und Suchhunden konnte er in einer Hütte im Kanton Uri aufgegriffen werden, er war erschöpft, aber unverletzt. Die Rettungskräfte warnen erneut vor Alleingängen im Hochgebirge ohne ausreichende Ausrüstung.

Ausklang: Märkte, Wetter, Tschüss
An den Börsen notiert der Swiss Market Index bei dreizehntausenddreihundertsieben Punkten, ein Minus von null Komma sechs Prozent seit dem letzten Handelsfreitag. Der MSCI World steht bei dreitausendsiebenhundertneunundvierzig Franken, praktisch unverändert. Gold kostet dreitausendvierhundertvierzehn Franken die Unze, leicht fester. Bitcoin wechselt bei neunundvierzigtausenddreihundertvierzehn Franken den Besitzer, plus zwei Komma vier Prozent seit dem Mittag.
Zum Wetter morgen Montag und am Dienstag: in Zürich morgen achtundzwanzig Grad mit Schauer am Nachmittag, am Dienstag siebenundzwanzig Grad und wechselhaft. In Bern morgen siebenundzwanzig Grad und Regen, am Dienstag sechsundzwanzig Grad und trocken. In Basel morgen achtundzwanzig Grad mit Schauern, am Dienstag siebenundzwanzig Grad und freundlich. In Genf morgen achtundzwanzig Grad mit Niederschlag, am Dienstag siebenundzwanzig Grad und sonnig. In Lugano morgen achtundzwanzig Grad und sonnig, am Dienstag neunundzwanzig Grad und klar. In den Alpen oberhalb von zweitausend Metern bleibt es winterlich mit Neuschnee.
Das war die Abendausgabe von MacherPost am Sonntag, siebter Juni zweitausendsechsundzwanzig. Die MacherPost-Redaktion verabschiedet sich, bis morgen früh um sechs Uhr.