
Die US-Notenbank hat am vergangenen Freitag die Leitzinsen unverändert gelassen und gleichzeitig den Rückzug von Jerome Powell als Chef bestätigt, wobei er jedoch im Aufsichtsrat verbleiben wird. Diese Doppelentscheidung, die vor weniger als zwei Tagen getroffen wurde, markiert nicht nur einen personellen, sondern auch einen institutionellen Einschnitt in der Geschichte der Federal Reserve. Die Märkte reagierten auf die Nachricht mit einer seltsamen Mischung aus Enttäuschung über den Ausfall des langjährigen Chefs und Erleichterung, dass die geldpolitische Linie nicht abrupt geändert wird. Während die Zinsentscheidung selbst als stabil und vorhersehbar bewertet wird, wirft der Umstand, dass Powell nur als Mitglied des Boards weiterarbeitet, Fragen nach der künftigen Kommunikationsstrategie auf.
Die Entscheidung, die Zinsen im Zielbereich von 4,25 bis 4,50 Prozent zu halten, wurde von der Federal Open Market Committee (FOMC) einstimmig getroffen. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass in der Vergangenheit Dissenter-Stimmen durchaus üblich waren, um unterschiedliche Auffassungen über den Inflationsweg zu dokumentieren. Hier jedoch herrschte Einigkeit darüber, dass es vorerst keinen Grund für eine weitere Anpassung gibt. Die Daten sprechen für sich, oder zumindest für die aktuelle Interpretation der Daten durch die Fed. Laut der offiziellen Pressemitteilung der Notenbank deuten aktuelle Indikatoren darauf hin, dass sich die wirtschaftliche Aktivität weiterhin mit einem soliden Tempo ausdehnt. Das ist eine Formulierung, die man in vergangenen Berichten häufiger las, doch im aktuellen Kontext wirkt sie fast wie eine Beschwörung der Stabilität.
Die Arbeitsmarktdaten zeigen jedoch ein differenzierteres Bild. Die Nettoschaffungen von Arbeitsplätzen sind im Durchschnitt geblieben, bleiben aber auf einem niedrigeren Niveau als in den Jahren vor der Pandemie. Die Arbeitslosenquote hat sich leicht erhöht, was jedoch nicht als Einbruch, sondern als Normalisierung interpretiert wird. Die Fed scheint hier einen schmalen Grat zu balancieren. Sie will die Inflation nicht vorzeitig aufgeben, aber sie will auch keine unnötige Schwächung der Wirtschaft provozieren. Diese Balanceakt ist...
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