
Fed-Politik und Inflationserwartungen
Die Entscheidung der Federal Reserve, den Leitzins unverändert im Bereich von 3,5 bis 3,75 Prozent zu belassen, wirkt auf den ersten Blick wie eine bloße technische Pause in einer ohnehin schon langwierigen Zinspolitik. Doch wer genau die dahinterstehenden Makrodaten betrachtet, erkennt schnell, dass es sich hier um eine fundamentale Neubewertung der Risikolage handelt. Jerome Powell und sein Team in Washington scheinen endlich die Illusion aufgegeben zu haben, dass die Inflation von selbst wieder auf das alte Niveau sinken wird. Die jüngsten Projektionen sind deutlich ernüchternder. Für das Jahr 2026 wird die Kern-PCE-Inflation nun mit rund 2,7 Prozent erwartet. Das ist kein kleiner Schritt nach oben. Es ist ein klarer Bruch mit der früheren Annahme, dass das Zwei-Prozent-Ziel bald wieder erreicht sein könnte. Diese Revidierung ist nicht willkürlich. Sie resultiert aus einer Kombination aus geopolitischen Schocks und strukturellen Preisanstiegen, die sich nun auch in den Kernpreisen festsetzen.
Die Rolle von Energiepreisen in dieser Gleichung hat sich gewandelt. Früher betrachteten Ökonomen schwankende Ölpreise oft als transitorisch. Man ging davon aus, dass sie zwar die Verbraucherpreise kurzfristig nach oben treiben, aber nicht in den Löhnen oder den Preisen für andere Güter verankert werden. Dieser Glaube ist jetzt schwer erschüttert. Ein längerer Konflikt im Nahen Osten, wie er aktuell die Märkte beschäftigt, führt zu anhaltenden Preisanstiegen bei Energie. Und diese höheren Inputkosten wandern nun tatsächlich durch die Lieferketten hindurch in die Kerninflation. Das ist der entscheidende Mechanismus, den die Fed jetzt preist. Wenn Energie teurer wird, steigen nicht nur die Spritkosten. Auch die Logistik wird teurer. Und diese Kosten müssen Unternehmen am Ende weitergeben, um ihre Margen zu halten. Dieser Pass-Through-Effekt ist das, was die Zentralbank jetzt fürchtet und was die Inflationserwartungen nach oben treibt.
Es ist interessant zu beobachten, wie sich die Marktmeinungen in dieser Phase entwickeln. Eine Umfrage von Reuters unter Wirtschaftsexperten...
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